Dietikon

Infrastruktur für Frauen in Planung: Werkhof kann ab 2015 Frauen anstellen

Bis sanitäre Anlagen für Frauen gebaut sind, bleibt der Dietiker Werkhof eine Männerdomäne.

Bis sanitäre Anlagen für Frauen gebaut sind, bleibt der Dietiker Werkhof eine Männerdomäne.

Bis spätestens Ende 2015 soll es im Werkhof Frauengarderoben und -toiletten geben. Gemeinderätin Rosmarie Joss (SP) ist über das Fehlen einer Übergangslösung enttäuscht.

Spätestens 2015 soll die Infrastruktur des Dietiker Werkhofs es zulassen, dass auch Frauen dort arbeiten können. Noch ist dies nicht möglich, da keine geschlechtergetrennten Garderoben und Toiletten zur Verfügung stehen, was für eine Anstellung beider Geschlechter nötig wäre. Das soll auch noch zwei Jahre so bleiben, wie aus der Antwort des Stadtrates auf eine Interpellation von Gemeinderätin Rosmarie Joss (SP) hervorgeht.

Joss gelangte an den Stadtrat, nachdem die Limmattaler Zeitung von einer Betriebsunterhaltsfachfrau berichtete, deren Bewerbung aufgrund ihres Geschlechts abgelehnt wurde. «Sie sagten mir, dass im Dietiker Werkhof keine Frauen angestellt würden, weil dafür keine sanitären Anlagen zur Verfügung stehen», gab die junge Frau damals zu Protokoll.

«Hätten gerne weibliche Angestellte»

Joss wollte darauf wissen, ob der Stadtrat bestrebt sei, diese «massive Diskriminierung» zu beheben. Nun antwortete die Exekutive, dass eine Umgestaltung des Werkhofs bereits in Planung ist. «Im Rahmen dieser Umgestaltung werden wir selbstverständlich auch das Problem der fehlenden Infrastruktur für Frauen angehen», sagt der Dietiker Infrastrukturvorstand Roger Brunner (SVP) auf Anfrage. «Wir hätten beim Werkhof durchaus gerne weibliche Angestellte», so Brunner weiter. «Nur ist es nun einmal so, dass sich für die Stellen fast nur Männer bewerben.»

Bis spätestens Ende 2015 soll es im Werkhof aber Frauengarderoben und -toiletten geben. Für die Erweiterung der Anlagen muss der Gemeinderat jedoch zuerst noch einen Kredit bewilligen. Brunner rechnet damit, dass das Geschäft im kommenden Frühling vor das Parlament gelangen wird. Auch bei der Stadtpolizei sind für das kommende Jahr bauliche Massnahmen geplant. Dort ist die Umkleidesituation ebenfalls «nicht optimal», wie der Stadtrat schreibt.

Interpellantin Joss ist von der Antwort der Exekutive enttäuscht. Sie findet es zwar richtig, dass Massnahmen zur Gleichstellung der Geschlechter auf Infrastrukturebene in Planung sind. «Letztlich heisst die Antwort aber nichts anderes, als dass weitere zwei Jahre keine Frauen angestellt werden können.» Joss hätte sich für die Zwischenzeit einen «kreativeren und flexibleren» Ansatz von der Exekutive gewünscht: «Wenn es noch zwei Jahre dauert, bis der perfekte Zustand erreicht ist, hätte der Stadtrat wenigstens von sich aus eine unkomplizierte Übergangslösung vorschlagen können.»

Überhaupt vermisst Joss in der knapp gehaltenen Stadtratsantwort das nötige Verständnis für ihr Anliegen. Denn neben der Frage nach dem weiteren Vorgehen in Sachen Werkhof-Infrastruktur wollte sie auch wissen, wie die Dietiker Verwaltung in ihrer Anstellungspolitik gemischtgeschlechtliche Teams behandle.

Gerade im Hinblick auf den landesweiten Fachkräftemangel sei es wichtig, dass die Ausübung von geschlechteruntypischen Berufen stärker gefördert werde, schreibt sie in ihrer Interpellation.
Die Exekutive antwortet darauf, dass gemischte Teams zwar, «wo immer möglich», sinnvoll seien. Die Stadt habe diesbezüglich aber bewusst keine Vorgaben erlassen. «Die Personalselektion erfolgt nicht geschlechterspezifisch, sondern in erster Linie aufgrund der Qualifikation», so der Stadtrat.

Stadt sollte als Vorbild vorangehen

Joss findet, dass es die Aufgabe der Stadt wäre, mit gutem Vorbild voranzugehen und das Bewusstsein für Chancengleichheit unter den Geschlechtern aktiver voranzutreiben, auch auf der eigenen Verwaltung. «Die knappe Antwort des Stadtrates zeigt aber, dass das für ihn keine Priorität hat», so Joss.

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