Limmattal
In Urdorf und Uitikon klingelt der Sozialdetektiv nicht mehr

Die Zusammenarbeit zwischen dem Stadtzürcher Sozialinspektorat und der Gemeinde Urdorf ist sistiert, diejenige mit Uitikon gekündigt. Springen nun private Dienstleister in die Bresche.

Alex Rudolf
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Kleine Gemeinden haben keinen Bedarf nach einem Sozialinspektor. Die soziale Kontrolle funktioniere gut, heisst es auf den Verwaltungen. ZVG

Kleine Gemeinden haben keinen Bedarf nach einem Sozialinspektor. Die soziale Kontrolle funktioniere gut, heisst es auf den Verwaltungen. ZVG

André Albrecht

Das Stadtzürcher Sozialinspektorat bricht Zusammenarbeit mit Uitikon und Urdorf ab

Die Zusammenarbeit zwischen dem Stadtzürcher Sozialinspektorat und der Gemeinde Urdorf ist sistiert, diejenige mit Uitikon gekündigt. Dies bestätigen der Urdorfer Sozialsekretär Urs Tanner und Carol Hofer, die Uitiker Sozialvorsteherin, auf Anfrage der Limmattaler Zeitung.

Bereits Ende Februar dieses Jahres gab das Stadtzürcher Sozialdepartement bekannt, dass ihre Detektive per Ende Juni nur noch drei Gemeinden im Kanton Zürich sowie dem Kanton Glarus zur Verfügung stehen. Vereinbarungen mit 15 Gemeinden mussten gekündigt werden. Grund dafür waren die Budgetkürzungen, die das Zürcher Gemeindeparlament damals beschlossen hatte.

Wie der Sprecher des Stadtzürcher Sozialdepartements Thomas Meier bestätigt, können die Städte Dietikon und Adliswil sowie die Gemeinde Oberengstringen weiterhin die Dienste der Sozialdetektive aus Zürich in Anspruch nehmen. Die Zusammenarbeit mit diesen Behörden wird weitergeführt, da deren Bedarf nach Inspektoren ausgewiesen sei und sich die Zusammenarbeit gut etabliert habe, wie es in einer Medienmitteilung hiess. Die 21 anderen Verträge würden sistiert oder gekündigt. Elf Gemeinden, die zurzeit auf einer Warteliste eingetragen sind, erhielten eine Absage. Darüber mit welchen Gemeinden das Sozialinspektorat die Zusammenarbeit auflöst, schweigt sich Meier aus. «Wir halten es für angebracht, wenn die Gemeinden selbst die Kommunikationshoheit über diese Angelegenheit haben», sagt er.

Dies ist nun Sache der Politik

Obwohl nun bekannt wurde, dass die Zusammenarbeit mit Urdorf sistiert wurde, gibt der Sozialsekretär Urdorfs Urs Tanner, nicht bekannt, wie viele Verdachtsfälle die Gemeinde von den Stadtzürcher Sozialinspektoren überprüfen liess. Er bedauere aber, dass die Gemeinde die Leistungen nicht weiter in Anspruch nehmen könne. «Die Inspektoren sind äusserst professionell, die Zusammenarbeit mit einer Verwaltungsorganisation sehr angenehm», so Tanner. Wie geht es nun weiter für Urdorf?

Geht die Gemeinde denselben Weg wie Schlieren und kontrolliert seine mutmasslichen Sozialhilfebetrüger mit einer privatwirtschaftlich organisierten Firma? Tanner erklärt, dass das weitere Vorgehen im Moment noch offen sei. «Uns wurde vonseiten des Stadtzürcher Sozialdepartements mitgeteilt, dass man die Kapazitäten der Sozialdetektive im Herbst nochmals evaluieren werde. Es ist möglich, dass dann wieder einige unserer Fälle aufgenommen werden», sagt er. Geschehe dies nicht, müsse die Urdorfer Sozialbehörde eine Lösung finden.

Uitikon meldete keinen Fall

Mit Uitikon kündigte die Stadt Zürich die Leistungsvereinbarungen, weil die Gemeinde die Dienste zu wenig in Anspruch genommen hatte. Sozialvorsteherin Carol Hofer verweist darauf, dass in der rund einjährigen Dauer der Zusammenarbeit kein Fall an einen Sozialinspektor weitergeleitet werden musste. Seit weit über zehn Jahren sei in Uitikon kein Sozialhilfemissbrauch vermutet worden, der einen Zuzug eines Inspektors und die damit verbunden Kosten gerechtfertigt hätte, so Hofer. «Seit der Kündigung sind bereits zwei Offerten von privaten Anbietern auf der Verwaltung eingetroffen», sagt sie weiter. Diese wird sie jedoch nicht weiterverfolgen, der Bedarf sei schlichtweg nicht gegeben.

Unter den kleineren Gemeinden der Region ist Uitikon ein Einzelfall. Andere haben sich nie für den Einsatz der Zürcher Sozialdetektive interessiert, wie es von den Sozialvorständen heisst. Karin Boog aus Oetwil weiss, dass es bei ihr sehr wenige Sozialbetrugsfälle gibt. «Wenn einer vorkommen sollte, dann ist die Nachbarschaft sehr wachsam und schreckt auch nicht davor zurück, Verdachtsmomente zu melden», sagt sie. Die Verantwortlichen in Birmensdorf, Aesch, Weiningen, Unterengstringen und Bergdietikon zeigen aus denselben Gründen kein Interesse daran, einen Detektiv auf ihre mutmasslichen Sozialhilfebetrüger anzusetzen.