Gibt es genügend Spielgruppenplätze in den Gemeinden? Bekommen Eltern mit niedrigen Einkommen finanzielle Unterstützung für einen Spielgruppenbesuch? Und: Erhalten Spielgruppenleiterinnen von den Gemeinden genügend Wertschätzung und Anerkennung für ihre Arbeit? Das sind Fragen, die Sara Huber von der Gemeinwesenarbeit Bezirk Dietikon und Maja Girschweiler von der Gemeinwesenarbeit Bezirk Affoltern zum «Tag des Kindes» sämtlichen Spielgruppenleiterinnen in den beiden Bezirken gestellt haben (siehe Box). Die Antworten haben teilweise selbst die Expertinnen überrascht.

Versorgung in Städten eher knapp

Von den rund 830 Dreijährigen im Bezirk Dietikon gehen im Durchschnitt auf die Gemeinden gerechnet 50 Prozent in eine Spielgruppe; eine Mehrheit von ihnen zwei Mal pro Woche. Im Bezirk Affoltern sind es sogar 70 bis 80 Prozent. Zum Vergleich: Nur gerade 17,9 Prozent aller Zürcher Kinder werden in Kindertagesstätten betreut. «Dieses Verhältnis zwischen Spielgruppe und Kita hat uns erstaunt», sagt Girschweiler. Spielgruppen gibt es ausserdem in allen Limmattaler Gemeinden, Kitas nicht. «Es hat sich aber gezeigt, dass in den ländlichen Gemeinden deutlich mehr Spielgruppen-Plätze zur Verfügung stehen als in den grösseren Gemeinden oder Städten», sagt Huber. Hier sei die Versorgung eher knapp.

Für mehr als die Hälfte der Spielgruppenleiterinnen aber entspreche das Platzangebot im Limmattal in etwa der Nachfrage. «Wir gehen jedoch davon aus, dass nicht alle Eltern über die notwendige Mobilität, die Zeit oder das Wissen verfügen, einen für sie passenden Spielgruppenplatz zu finden», so Huber.

Alle Kinder sollen in Spielgruppe

Die Anzahl Kinder, die eine Spielgruppe besuchen, sei erfreulich hoch – dürfe sich aber ruhig noch nach oben entwickeln, meint Huber: «Wir empfehlen, dass alle Kinder eine Spielgruppe besuchen, damit allfällige Ungleichgewichte bei der Einschulung bereits möglichst angeglichen sind.» So würden beispielsweise fremdsprachige Kinder bereits in der Spielgruppe Deutsch lernen und hiesige Traditionen vermittelt bekommen, und die Kinder könnten sich an den Umgang mit anderen Kindern gewöhnen und so ihre Sozialkompetenzen entwickeln, sagt Huber. «Ausserdem ist es für die Kinder eine gute Vorbereitung auf den Kindergarten, stundenweise von zu Hause weg zu sein.»

Eindeutig sieht die Situation bei der These aus, wonach Eltern mit geringem Einkommen aber ohne Sozialhilfe von den Gemeinden keine finanzielle Unterstützung für einen Spielgruppenbesuch bekommen. «Unsere Umfrage hat gezeigt, dass nur die wenigsten Familien mit knappem Budget von den Gemeinden unterstützt werden oder die Spielgruppenleiterinnen darüber keine Auskünfte geben können, da sie nicht informiert sind», sagt Huber.

Im Sinne der Chancengleichheit

Unterstützung – das ist etwas, wovon es vielen Spielgruppenleiterinnen mangelt. Anders als bei Kitas sind die Gemeinden nicht verpflichtet, Spielgruppenplätze zur Verfügung zu stellen. Wer eine Spielgruppe betreibt, tut dies auf privatwirtschaftlicher Basis, mit hohem sozialem Engagement – und viel Herzblut. Die Entlöhnung für diese Arbeit sichert den Lebensunterhalt jedoch nicht.

Die Umfrage habe gezeigt, dass Spielgruppen im Bezirk Dietikon nur vereinzelt durch die Gemeinden unterstützt werden. Diese beziehe sich gegebenenfalls vor allem auf die Räumlichkeiten, die kostenlos oder günstig zur Verfügung gestellt würden. «Spielgruppen plus» – Spielgruppen mit Sprachförderung, die sich an einem von der Bildungsdirektion entwickelten Rahmenkonzept orientieren – würden von den (Schul-)Gemeinden jedoch häufiger mitfinanziert. «Die Spielgruppenleiterinnen möchten gerne mehr Anerkennung und Unterstützung von den Gemeinden für ihre Arbeit, sei es bei der Suche nach Räumlichkeiten oder der Finanzierung von Aus- und Weiterbildungen», sagt Huber.

Als Fazit ihrer Umfrage halten Huber und Girschweiler fest, dass die Spielgruppe ein allseits geschätztes Angebot darstellt – die Rahmenbedingungen aber noch verbessert werden müssten. Der Zugang zu diesem Angebot solle nicht durch familiäre oder strukturelle Umstände verhindert werden, sondern im Sinne der Chancengleichheit für alle Kinder zugänglich gemacht werden.

Der Einfachheit halber wurden die Ergebnisse der Umfrage im Bezirk Affoltern im Artikel nicht weiter berücksichtigt.