Leerwohnungen
In Schlieren sind nur noch 30 Wohnungen zu haben

Nicht nur in der Stadt, sondern auch in der Agglomeration wird der Wohnraum knapper: In Schlieren sank die Quote der leerstehenden Wohnungen auf 0,3 Prozent.

Alex Rudolf
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Das Limmattal, von Schlieren her betrachtet: Die Region gehört zu den dichtestbesiedelten Gebieten im Kanton Zürich. Hae

Das Limmattal, von Schlieren her betrachtet: Die Region gehört zu den dichtestbesiedelten Gebieten im Kanton Zürich. Hae

Tobias Hänni

Die Leerwohnungsziffer in Schlieren ist wieder im Sinkflug. Dies teilte die städtische Standortförderung gestern mit. Von den insgesamt über 8400 Wohnungen sind derzeit gerade mal 30 leerstehende Objekte zur Vermietung ausgeschrieben. Dies ergibt eine Quote von 0,3 Prozent. Zum Vergleich: Jene der Stadt Zürich liegt bei 0,22 Prozent. Diese Marke wurde zuletzt im Jahr 2014 unterboten, als in Schlieren lediglich 0,16 Prozent aller Wohnungen ausgeschrieben waren. Für den Standortförderer Albert Schweizer ist es erfreulich, dass die Stadt so beliebt ist. Dass sich die Situation für Wohnungssuchende in absehbarer Zeit entspannen wird, glaubt er jedoch nicht. Zwar seien mit dem Geistlich-Areal und der Überbauung auf der westlichsten Parzelle des Gebiets Schlieren West weitere Grossprojekte geplant: «Diese werden jedoch gestaffelt bezugsbereit und somit auch schneller belegt sein», so Schweizer.

Dass sich der Wohnungsmarkt entspannt und künftig mehr Wohnungen leer stehen werden, prognostizierte die AXA Investment AG im Februar 2015. Daher sistierte sie ein 40-Millionen-Bauprojekt im neuen Stadtteil Schlieren West. Weitergehen mit der Überbauung wird es trotz des Bedarfs nach Wohnraum nicht: Die Mediensprecherin der AXA lässt ausrichten, dass man das Land zwischenzeitlich verkauft habe. Laut Angaben des Schlieremer Grundbuchamts ist die Ecoreal Immobilien Anlagestiftung mit Sitz in Zürich die neue Besitzerin. Auf Anfrage heisst es, dass keine Auskünfte bezüglich der weiteren Entwicklung des Gebiets gemacht werden können.

Bodenpreise verdoppelt

Die Beliebtheit der Schlieremer Immobilien hat auch Konsequenzen auf den Bodenpreis. So habe sich der Baulandpreis für Mehrfamilienhäuser in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt, schreibt die Stadt in der Mitteilung. Hat dies nun zur Folge, dass vornehmlich Wohnungen im höheren Preissegment gebaut werden? Schweizer sagt, dass zwar auf teurem Boden auch teurere Wohnungen gebaut würden. «Kein Investor kann es sich jedoch leisten, Wohnungen zu bauen, die keine Mieter finden.»

Für Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP) sind diese Zahlen keine Überraschung. «Seit längerem bewegen wir uns auf einem sehr geringen Leerwohnungs-Niveau», sagt er. Gehe es darum, diese Wohnungsnot zu mildern, seien der Stadt ein Stück weit die Hände gebunden, da sie über wenig Grundeigentum und eigene Wohnungen verfüge. «Der Schlieremer Wohnungsmarkt liegt in privaten Händen und bei wenigen Wohnbaugenossenschaften.» Jene Instrumente, welche der Stadt zur Verfügung stehen, sind längerfristige Mittel. Etwa Zonenpläne, in welchen Bauherren eine erhöhte Ausnützung des Baulandes erlaubt wird. «Das Stadtentwicklungskonzept sieht vor, dass beispielsweise entlang der Badener- und Zürcherstrasse noch eine gewisse Verdichtung möglich sein könnte. Denn: Die grösseren Baulandreserven sind in ein paar Jahren bebaut.»

Reduziert werden konnte auch der Leerstand bei Gewerbeflächen. Waren vor einem Jahr noch 23 000 Quadratmeter nicht genutzt worden, sind es heute nur noch deren 18 000 Quadratmeter. Auch diese Entwicklung ist aus Sicht Schweizers erfreulich. «Gemeinsam mit den Immobilienanbietern ist die Standortförderung stetig daran, diese Flächen abzubauen», sagt er. Insbesondere das Biotech-Cluster habe zu dieser Abnahme beigetragen. Die Fläche der NZZ-Druckerei von rund 13 000 Quadratmetern sei in dieser Berechnung jedoch nicht berücksichtigt worden.

Vor 20 Jahren betrug die Quote null Prozent

Die offiziellen Zahlen den Leerwohnungsziffern der Zürcher Gemeinden veröffentlicht das statistische Amt zwar erst im kommenden August. Ein Blick ins Archiv zeigt jedoch, dass Mieter auf Wohnungssuche im Limmattal in den vergangenen dreissig Jahren schon immer eine geringe Auswahl hatten. Höhepunkt war wohl das Jahr 1994, als Schlieren einen Wert von null Prozent aufwies. Also keine der Wohnungen auf Schlieremer Stadtgebiet zur Vermietung ausgeschrieben war.

Beim Nachbarn Dietikon bewegt sich die Anzahl leerstehender Wohnungen in den vergangenen zehn Jahren um die 0,7 Prozent des Gesamtbestandes. Vor 30 Jahren waren gerade mal 0,18 Prozent der Wohnungen nicht belegt. Aus Sicht der Wohnungssuchenden ist die heutige Ausgangslage also komfortabler, als sie es damals war.

Urdorf und Aesch waren die einzigen Limmattaler Gemeinden, die im Jahr 2014 auf einen Wert von über einem Prozent gekommen sind. Mit 1,14 und 1,09 Prozent Leerstand hatten die Mieter in diesen Gemeinden eine grössere Auswahl bezüglich ihres neuen Heims.

Vor rund zehn Jahren war es am schwierigsten in Birmensdorf eine Wohnung zu finden. So wies die Gemeinde im Jahr 2004 mit 0,15 Prozent die tiefste Leerwohnungsziffer der gesamten Region auf. Im Jahr 1994 kam diese Ehre Oberengstringen zuteil, als der Wert bei 0,11 Prozent lag.

Oetwil als Wohn-Schlaraffenland

Einen Rekordwert verbuchte die Gemeinde Oetwil im Jahr 1984. Damals waren 8,13 Prozent aller bestehenden Wohnungen auf dem Markt zu haben – ein wahres Schlaraffenland für Wohnungssuchende. Doch bereits ein Jahr später hatte sich die Leerwohnungsziffer auf rund 4 Prozent halbiert.

Die Leerwohnungsziffer zeigt an, wie viele Wohnungen in einem bestimmten Gebiet auf dem Markt erhältlich sind im Verhältnis zur gesamten Anzahl Wohnungen in demselben Gebiet. Wie hoch diese Ziffer für einen gesunden Wohnungsmarkt sein sollte, darüber gehen die Meinungen von Immobilienexperten auseinander.

Zwischen mindestens einem Prozent und nicht über zwei Prozent gilt jedoch als Richtwert.