Die Leerwohnungsziffer in Schlieren ist wieder im Sinkflug. Dies teilte die städtische Standortförderung gestern mit. Von den insgesamt über 8400 Wohnungen sind derzeit gerade mal 30 leerstehende Objekte zur Vermietung ausgeschrieben. Dies ergibt eine Quote von 0,3 Prozent. Zum Vergleich: Jene der Stadt Zürich liegt bei 0,22 Prozent. Diese Marke wurde zuletzt im Jahr 2014 unterboten, als in Schlieren lediglich 0,16 Prozent aller Wohnungen ausgeschrieben waren. Für den Standortförderer Albert Schweizer ist es erfreulich, dass die Stadt so beliebt ist. Dass sich die Situation für Wohnungssuchende in absehbarer Zeit entspannen wird, glaubt er jedoch nicht. Zwar seien mit dem Geistlich-Areal und der Überbauung auf der westlichsten Parzelle des Gebiets Schlieren West weitere Grossprojekte geplant: «Diese werden jedoch gestaffelt bezugsbereit und somit auch schneller belegt sein», so Schweizer.

Dass sich der Wohnungsmarkt entspannt und künftig mehr Wohnungen leer stehen werden, prognostizierte die AXA Investment AG im Februar 2015. Daher sistierte sie ein 40-Millionen-Bauprojekt im neuen Stadtteil Schlieren West. Weitergehen mit der Überbauung wird es trotz des Bedarfs nach Wohnraum nicht: Die Mediensprecherin der AXA lässt ausrichten, dass man das Land zwischenzeitlich verkauft habe. Laut Angaben des Schlieremer Grundbuchamts ist die Ecoreal Immobilien Anlagestiftung mit Sitz in Zürich die neue Besitzerin. Auf Anfrage heisst es, dass keine Auskünfte bezüglich der weiteren Entwicklung des Gebiets gemacht werden können.

Bodenpreise verdoppelt

Die Beliebtheit der Schlieremer Immobilien hat auch Konsequenzen auf den Bodenpreis. So habe sich der Baulandpreis für Mehrfamilienhäuser in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt, schreibt die Stadt in der Mitteilung. Hat dies nun zur Folge, dass vornehmlich Wohnungen im höheren Preissegment gebaut werden? Schweizer sagt, dass zwar auf teurem Boden auch teurere Wohnungen gebaut würden. «Kein Investor kann es sich jedoch leisten, Wohnungen zu bauen, die keine Mieter finden.»

Für Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP) sind diese Zahlen keine Überraschung. «Seit längerem bewegen wir uns auf einem sehr geringen Leerwohnungs-Niveau», sagt er. Gehe es darum, diese Wohnungsnot zu mildern, seien der Stadt ein Stück weit die Hände gebunden, da sie über wenig Grundeigentum und eigene Wohnungen verfüge. «Der Schlieremer Wohnungsmarkt liegt in privaten Händen und bei wenigen Wohnbaugenossenschaften.» Jene Instrumente, welche der Stadt zur Verfügung stehen, sind längerfristige Mittel. Etwa Zonenpläne, in welchen Bauherren eine erhöhte Ausnützung des Baulandes erlaubt wird. «Das Stadtentwicklungskonzept sieht vor, dass beispielsweise entlang der Badener- und Zürcherstrasse noch eine gewisse Verdichtung möglich sein könnte. Denn: Die grösseren Baulandreserven sind in ein paar Jahren bebaut.»

Reduziert werden konnte auch der Leerstand bei Gewerbeflächen. Waren vor einem Jahr noch 23 000 Quadratmeter nicht genutzt worden, sind es heute nur noch deren 18 000 Quadratmeter. Auch diese Entwicklung ist aus Sicht Schweizers erfreulich. «Gemeinsam mit den Immobilienanbietern ist die Standortförderung stetig daran, diese Flächen abzubauen», sagt er. Insbesondere das Biotech-Cluster habe zu dieser Abnahme beigetragen. Die Fläche der NZZ-Druckerei von rund 13 000 Quadratmetern sei in dieser Berechnung jedoch nicht berücksichtigt worden.

Infogram: Leerwohnungsquote Limmattal