Schlieren
In Schlieren regt ein spezieller Rosthaufen zum Diskutieren an

Seit dieser Woche stehen in der Stadt Schlieren sechs neue Skulpturen im und um das Stadthaus. Damit wird die sechste Runde «Skulpturen im öffentlichen Raum» eingeläutet, ein Projekt der Stadt Schlieren und der Arbeitsgemeinschaft Zürcher Bildhauer.

Sarah Serafini
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Ein Rosthaufen in Schlieren zum Diskutieren
7 Bilder
Ursula_Hirsch, Haus im Haus
Tian Lutz, Voiceless
Mickry3, 1987
Juerg Altherr, Schlitz
Lilian Hasler, Venus von Schlieren
Heinz Niederer, Der tote Koenig

Ein Rosthaufen in Schlieren zum Diskutieren

Limmattaler Zeitung

Seit 2005 stellt die AZB in Schlieren ausgelesene Werke auf bestimmte Zeit im öffentlichen Raum aus. Zu den Skulpturen von Paul Sieber, Piero Maspoli und Heinz Niederer gesellen sich nun diejenigen von Ursula Hirsch («Haus im Haus»), Mickry3 («1987»), Lilian Hasler («Venus von Schlieren»), Tian Lutz («Voiceless»), Jürg Altherr («Schlitz») und Heinz Niederer («Der tote König»).

Unsichtbar - mitten in der Stadt

Das Werk «Voiceless» von Tian Lutz steht unmittelbar vor dem Eingang des Schlieremer Stadthauses. Die weisse Skulptur erinnert an ein überdimensionales Ungeziefer aus einem Science-Fiction Film. Drei dünne Beine verlaufen nach oben zu einer Art Astronauten-Helm - ein runder Topf, der innen hohl ist. Jürg Altherr, Kurator von «Skulpturen im öffentlichen Raum» und Mitglied des AZB steckt seinen Kopf in den Helm. Er möchte etwas sagen, doch seine Worte sind kaum hörbar. Wieder draussen wiederholt er: «Hier drin bin ich unsichtbar und unhörbar.» Die Kunst im Raum von Tian Lutz sei speziell. Er ziehe seine Betrachter immer mit in seine Werke ein, so Altherr.

Die Leute miteinbeziehen und in ihnen etwas auslösen möchte auch Jürg Altherr. Auf der Strassenseite gegenüber «Voiceless» steht sein «Schlitz» - ein sechs Meter hohes Monument aus Stahl.

Das Kunstwerk steht so schief, dass der Betrachter Angst hat, es könne umfallen. Altherr sagt: «Optisch fällt es um und physisch bleibt es stehen.» Die Skulptur fällt auf. Ein älterer Mann, der vorbeispaziert, sagt: «Das ist ein schöner Rosthaufen!» Altherr lacht herzlich. «Es ist gut, wenn sich die Leute fragen, warum das hier steht und was das soll», sagt er. Seine Skulptur sei ein «hermetisches Volumen», das einfach dastehe und Präsenz habe. «Heutzutage schauen alle auf den Boden. Kommen sie an meiner Skulptur vorbei, müssen sie aufschauen.»

Kunst und Demokratie

Nicht überall kamen Schlierens Skulpturen in der Vergangenheit gut an. 2008 wurde der Container Turm von Piero Maspoli als «rostige Blechbüchse» verschrien. Doch Stadtpräsident Toni Brühlmann sagt, dass Diskussionen um Kunstobjekte im öffentlichen Raum erwünscht seien. «Die Skulpturen in Schlieren sind Teil der Stadtgestaltung. Sie sollen Reibungen und Auseinandersetzungen verursachen.» Das Verhältnis zwischen Kunst und Demokratie sei manchmal ein Gespanntes, so Brühlmann.

Das habe man beispielsweise bei der als «Stein des Anstosses» bekannt gewordene Steinplatte von Piero Maspoli zu spüren bekommen. Politiker forderten, diese zu entfernen, da sie Fussgänger bei ihren Spaziergängen störten. Die Stadt Schlieren hat sich aber entschieden, dass der Stein bleibt. Brühlmann sagt: «Inzwischen wird der Stein sogar von der Bevölkerung als Sitzgelegenheit benutzt.»

Vernissage «Skulpturen in Schlieren»: Samstag, 1. Juni, 15 Uhr im Stadthaus Schlieren, mit Shuttlebus zum Gaswerk Areal um 15.45 Uhr.

Offene Ateliers und Werkplätze:

Samstag, 1. Juni, 14 bis 23 Uhr,
Gaswerk Areal