Vereinter Widerstand
In Schlieren kämpfen mehrere Verbände gegen eine Begegnungszone

Obwohl bezüglich Verkehrsführung beim Bahnhof noch wenig bekannt ist, hagelt es bereits Kritik. Verschiedene Schlieremer Verbände verlangen in einem offenen Brief an den Stadtrat, dass bei der Planung des Gebiets nochmals über die Bücher gegangen werden müsse.

Alex Rudolf
Merken
Drucken
Teilen
Obwohl noch offen ist, ob Bahnhofsgebiet zur Begegnungszone wird, wächst Widerstand.

Obwohl noch offen ist, ob Bahnhofsgebiet zur Begegnungszone wird, wächst Widerstand.

ARU

Die beiden Wohn- und Geschäftshäuser an der Schlieremer Güterstrasse wachsen allmählich in die Höhe. Mit der Grundsteinlegung auf dem SBB-Areal vom vergangenen Mai fiel auch der Startschuss für die Neugestaltung des Bahnhofsareals. So plant auch die Stadt, dieses Gebiet aufzuwerten. Wie sich dies im Detail ausgestalten wird, ist noch offen. Einzig, dass eine Tempo-30- oder gar eine Tempo-20-Zone errichtet werden soll, stand bislang fest.

Nun erwächst heftiger Widerstand gegen die Verkehrsplanung. Die Präsidenten der Wirtschaftskammer Schlieren, des Schlieremer Gewerbevereins, der Detaillistenvereinigung Pro Schlieren und des Hauseigentümerverbands Schlieren sind sich sicher, dass die Stadt beabsichtigt, eine Tempo-20-Zone zu erstellen. In einem offenen Brief an den Stadtrat schreiben sie, dass bei der Planung des Gebiets nochmals über die Bücher gegangen werden müsse. «Auf die Erstellung einer Begegnungszone mit Geschwindigkeitsgrenze 20 ist zu verzichten», schreiben die Präsidenten.

240 Unterschriften kamen für die Volksinitiative «Flaniermeile Schlieren» zusammen. Nach dem Stadtrat lehnte auch das Gemeindeparlament das Ansinnen ab. Die Initianten sahen vor, das Bahnhofsgebiet in eine autofreie Fussgängerzone umzugestalten.

Reduktion der Parkplätze

Weiter heisst es im offenen Brief, dass sich über 30 Liegenschaftsbesitzer und ansässige Firmen im Juni von Hochbauvorstand Markus Bärtschiger (SP) über die stadträtlichen Pläne informieren liessen. Bei der Erstellung einer Tempo-20-Zone sehe man jedoch grosse Nachteile. Etwa werde die Zufahrt zum Bahnhof, zur Güter- und zur Grabenstrasse für Automobilisten zum Spiessrutenlauf, da Fussgänger in Begegnungszonen bedingungslosen Vortritt geniessen würden.

«Zudem gibt es mehr Gefahren, da die Strassenmöblierung von Begegnungszonen zu einer verschlechterten Übersicht und Durchlässigkeit führt.» Auch werde die Erschliessung des Gewerbegebiets an der Grabenstrasse – westlich des Bahnhofs – massiv beeinträchtigt und darüber hinaus würde die Errichtung einer Begegnungszone zu einer Reduktion der Anzahl Parkplätze im Strassenraum führen.

An der Veranstaltung im Juni habe es zudem zwei Konsultativabstimmungen geben, die beide fast einstimmig zu einer Ablehnung der Begegnungszone führten, schreiben die Verbände weiter.

Markus Bärtschiger auvorstand Schlieren

Markus Bärtschiger auvorstand Schlieren

ZVG

Bauvorstand Bärtschiger sagt auf Anfrage, dass derzeit noch offen sei, wie der Bereich um den Bahnhof dereinst gestaltet werde. «In diesem Gebiet sind jedoch viele Nutzer unterwegs, die zu ihrem Recht kommen sollen.» Nun vorschnell auf die Forderung einzelner Interessensgruppen einzugehen, könne deshalb kaum zielführend sein. Wann Details zur Planung auf dem Bahnhofsgebiet bekannt werden, könne man noch nicht sagen, wie der Leiter Abteilung Bau und Planung, Hans-Ueli Hohl, sagt. «Wir arbeiten daran, doch handelt es sich nicht zuletzt auch wegen der Koordination mit anderen Projekten wie dem Stadtplatz oder der Limmattalbahn um eine komplexe Arbeit», sagt er.

Attraktivität in Gefahr

Für Ueli Saxer, Vorstandsmitglied der Schlieremer Wirtschaftskammer, steht fest, dass der Stadtrat die Tempo-20-Zone gegen den Willen von Wirtschaft und Gewerbe durchzudrücken versucht. «Die Attraktivität des Bahnhofs hängt aber von seiner Erreichbarkeit ab», so Saxer. Würden die Unternehmen und Anwohner nur noch umständlich beliefert oder erreicht werden können, dann sähe es schlecht aus für das Gewerbe. «Der Ziel- und Quellverkehr rund um den Bahnhof sollte gewährleistet werden.»

Das Verkehrsregime rund um den Schlieremer Bahnhof sorgt bereits seit längerem für rote Köpfe. Die Volksinitiative «Flaniermeile Schlieren» sah gar eine autofreie Zone zwischen Bahnhofstrasse, Bahnhofsplatz und Ringstrasse vor. Rund 240 Unterschriften konnten für dieses Anliegen gesammelt werden, doch das Parlament gab dem Begehren Ende 2015 eine klare Absage. Zwar zeigte sich Bärtschiger in der Debatte damals wohlwollend gegenüber dem Begehren, doch kritisierte er, dass mit dieser Verkehrslösung einzig Fussgänger privilegiert würden und man damit nicht allen Nutzergruppen gerecht werde.