Schlieren
In Schlieren hilft jetzt die Kirche bei der Wohnungssuche

Für Grossfamilien oder Migranten ist es schwierig, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Deshalb starten die Kirchgemeinden und die Stadt das Projekt Wohnhilfe.

David Egger
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Schlieren, Badenerstrasse

Schlieren, Badenerstrasse

Keystone

Das Projekt Wohnhilfe will Türen öffnen: Türen zu Schlieremer Wohnungen, die sich auch weniger Begünstigte leisten können. Denn die Suche nach derartigem Wohnraum gestaltet sich schwierig, zum Beispiel auch für Alleinerziehende oder Menschen mit Migrationshintergrund. Die Wohnungshilfe will insbesondere jene unterstützen, die nicht wissen, wie man eine Wohnung sucht.

Judith Hüppi, Sozialarbeiterin der katholischen Kirchgemeinde, hat bisher schon einigen bei der Suche nach dem passenden Zuhause geholfen. Allmählich merkte sie, dass ihr Zeitbudget dafür nicht ausreicht — zu gross war die Nachfrage. Deshalb hat sie das Projekt Wohnhilfe aufgegleist, für das eigens eine Sozialarbeiterin angestellt wurde. Am 18. August beginnt Rahel Fuchs bei der Schlieremer Wohnhilfe zu arbeiten.

Diakon reformierte Kirchgemeinde «Fünfköpfige Familien sind teilweise schon froh, wenn sie eine Wohnung mit 2 statt 1 Zimmer finden», sagt Urs Trüb, Diakon reformierte Kirchgemeinde Schlieren.

Diakon reformierte Kirchgemeinde «Fünfköpfige Familien sind teilweise schon froh, wenn sie eine Wohnung mit 2 statt 1 Zimmer finden», sagt Urs Trüb, Diakon reformierte Kirchgemeinde Schlieren.

Limmattaler Zeitung

Geldbeschaffung dauerte lange

Finanziert wird die unentgeltliche Unterstützung für Wohnungssuchende von der Stadt Schlieren, der reformierten und der katholischen Kirchgemeinde sowie von mehreren Stiftungen.

«Es war schwierig, das nötige Geld aufzutreiben. Wir brauchten ein halbes Jahr dafür», sagt Urs Trüb, Sozial-Diakon der reformierten Kirchgemeinde. «Aber die Wohnungssuche ist noch schwieriger. Schliesslich können wir keine Wohnungen aus dem Boden stampfen.»

Stattdessen will man die Wohnhilfe auch bei den Liegenschaftsbesitzern bekannt machen. «Diese können uns vertrauen. Wir vermitteln nur Mieter, bei denen wir annehmen können, dass sie sich in der Siedlung integrieren wollen», sagt Trüb. Die Wohnhilfe wolle auch die Anliegen und Ängste der Besitzer ernst nehmen. Trüb erhofft sich, dass diese eine Zusammenarbeit mit der Wohnhilfe suchen werden.

Jene, die die Hilfe in Anspruch nehmen, müssen in Schlieren wohnen. Mitglieder der Kirchgemeinde müssen sie jedoch nicht sein. An die Wohnhilfe gelangen sie über das städtische Sozialamt, die Asylorganisation Zürich (AOZ) oder die Sozialstellen der Kirchgemeinden. Diese Institutionen wollen nur Leute vermitteln, die wirklich Hilfe brauchen. «Deshalb haben wir auch keine Angst vor Missbrauch unseres Angebots», so Trüb.

Er rechnet damit, dass es unter den Hilfesuchenden zwar Arbeitslose, aber keine Obdachlosen haben werde. Welche Ansprüche haben die Wohnungssuchenden? «Fünfköpfige Familien sind teilweise schon froh, wenn sie eine Wohnung mit zwei statt eines Zimmers finden. Andere freuen sich über eine Wohnung ohne Schimmel.»

Um möglichst vielen Wohnungssuchenden helfen zu können, ist die Wohnhilfe auf Freiwillige angewiesen. Die Freiwilligen werden von der Wohnhilfe eine Ausbildung erhalten und maximal acht Stunden pro Monat für die Freiwilligenarbeit aufwenden müssen. Sie sollen den Wohnungssuchenden vor allem Hilfe zur Selbsthilfe leisten, damit diese möglichst rasch selber geeignete Unterkünfte finden können.

Überprüfung in drei Jahren

Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt. Danach findet eine Evaluation statt, um zu entscheiden, ob es weitergeführt werden soll. Die Federführung des Projekts hat die katholische Kirchgemeinde inne, die schon Erfahrung bei dieser Art von Hilfe hat. Interessant: Laut Urs Trüb erhielt die reformierte Kirchgemeinde hingegen nur wenige Anfragen von Wohnungssuchenden. Judith Hüppi — sie ist laut Trüb das Herz und die Seele des Projekts — konnte ferienhalber keine Stellung zum Projekt nehmen.