Abstimmungskampf
In Schlieren gibt es nun auch ein Ja-Komitee für die Limmattalbahn

Nachdem in Schlieren lange nur die Gegner der Limmattalbahn lautstark auf sich aufmerksam gemacht haben, formieren sich nun auch die Befürworter. Weil SVP und CVP gespalten sind, habe man nicht das ganze Stadtparlament ins Boot geholt.

Florian Niedermann
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In Schlieren quert die Bahn den Kesslerplatz, kurz danach gehts durch den Tunnel ins Spitalquartier.

In Schlieren quert die Bahn den Kesslerplatz, kurz danach gehts durch den Tunnel ins Spitalquartier.

Nachdem in Schlieren lange nur die Gegner der Limmattalbahn lautstark auf sich aufmerksam gemacht haben, formieren sich nun auch die Befürworter: Gestern trat ein überparteiliches Pro-Komitee an die Öffentlichkeit. «Wir finden es wichtig, zu zeigen, dass die Gegner auch in Schlieren nicht in der Mehrheit sind», sagt Co-Präsident Philipp Meier.

Im Präsidium der Befürworter sind Politiker verschiedener Couleur vertreten – neben den Stadträten Pierre Dalcher (SVP) und Manuela Stiefel (FDP) etwa auch FDP-Kantonsrat Andreas Geistlich und Gemeinderatspräsident Pascal Leuchtmann (SP). Die beiden Alt-Stadträte Robert Welti (EVP) und Jean-Claude Perrin (parteilos) sowie alt Gemeinderätin Doris Gantner (FDP) engagieren sich ebenfalls für die Bahn. Gegründet wurde das Komitee vom pensionierten Lehrer Philipp Meier.

«Projekt nicht verteufeln»

Die Befürworter argumentieren in einem Pressecommuniqué, dass «die umstrittene Linienführung im Gebiet des Limmattal-Spitals nicht dazu führen» dürfe, «das ganze Projekt zu verteufeln». Die Limmattalbahn ermögliche die Realisierung eines Gesamtverkehrs-Konzepts, bei welchem auch der Individual- und Langsamverkehr stark profitieren, schreiben sie weiter. Ausserdem würde die zusätzliche Verknüpfung mit der nahen Stadt Zürich die Attraktivität des Wirtschaftsraumes deutlich steigern, Arbeitsplätze sichern und dem vom Verkehr überlasteten Limmattal «ordnende Impulse» geben. Das Ja-Komitee hält die zusätzlich anfallenden Kosten in den Gemeinden «für tragbar, weil sie einhergehen mit einer signifikanten Wertsteigerung des erschlossenen Gebiets».

Es will sich in den kommenden Monaten aktiv in den Meinungskampf vor der kantonalen Abstimmung vom 22. November einbringen. Am Samstag, den 19. September, ist eine Standaktion in Schlieren geplant. Am 17. Oktober wollen die Befürworter dann kantonsweit auf sich aufmerksam machen, wie Meier sagt: «Zu viel möchte ich nicht verraten. Wir werden den Gegnern und ihren Argumenten aber auf jeden Fall mit Humor und nicht aggressiv begegnen.»

Ein Ja-Komitee existiert bereits seit August auch in Dietikon. Im Gegensatz zum Bezirkshauptort, wo sich fast alle Parlamentsparteien geschlossen hinter die Limmattalbahn gestellt haben, rekrutierte das Schlieremer Komitee sein Präsidium grösstenteils nicht aus der Legislative. Der Grund dafür ist laut Meier, dass im Schlieremer Parlament die SVP und die CVP gespalten seien, was das Bahnprojekt betrifft: «Wir wollten keine Grabenkämpfe im Gemeinderat provozieren. Deshalb, und weil die Zeit drängte, haben wir vor der Gründung des Komitees gar nicht erst alle Parteien angefragt», sagt er. Nachdem die Gründung erfolgt ist, will man nun mit Einladungsbriefen möglichst viele Schlieremerinnen und Schlieremer ins Boot holen. «Auch wir werden am Ende ein breites Parteienspektrum in unserem Komitee vereinen», ist sich Meier sicher.