Das Schlieremer Familienzentrum an idyllischer Lage gleich neben Stadtpark und Ortsmuseum muss kaum wiederzuerkennen gewesen sein. Der Innenraum wurde mit Alufolie ausstaffiert, welche die Discolichter reflektierte. Innerschweizer und Limmattaler DJs sorgten für Drum’n’Bass und auf dem gepflasterten Platz davor gab es Outdoor-Fondue. So sah die erste von der Interessensgemeinschaft Paraplü organisierte Veranstaltung aus, die im vergangenen Februar über die Bühne ging. «Es war genau so, wie wir es uns vorgestellt hatten.

Fans vom Schwyzerörgeli-Verein kamen ebenso auf ihre Kosten wie junge Schlieremer, deren Musikgeschmack eher modern ist», sagt Michael Koger heute. Er ist Initiant der erst in diesem Jahr gegründeten IG. Die Gruppe hat es sich zum Ziel gesetzt, in Schlieren einen Ort zu schaffen, an dem man sich ungezwungen treffen kann – ungeachtet des Alters oder des sozialen Hintergrunds. Heute gebe es in der Stadt keinen solchen Ort, fügt die für Marketing und Werbung verantwortliche Antonia Matejka hinzu. «Es gibt in Schlieren ein oder zwei Lokale mit Atmosphäre. Doch treffen sich die Einwohner oft in Zürich, wo es viele Angebote hat. Das ist schade», sagt sie und fügt an: «Trifft man sich in Schlieren, dann meist in einem Privatgarten zum Grillieren.»

Bereits 25 Mitglieder

Neben dem 30-jährigen Koger und der 28-jährigen Matejka finden sich noch drei weitere junge Schlieremer im Vorstand der IG. Die Mitgliederzahl wuchs seit Anfang Jahr auf 25 an – sie entrichten jährlich einen Beitrag von 50 Franken. Organisatorisch ist die IG Paraplü Teil des Vereins «Freizeit Schlieren», der noch bis im vergangenen Jahr Freizeit Vereinigung Schlieren hiess. Von dieser Zusammenarbeit profitiere man enorm, betont Koger. So hätten Walter Stalder und Charly Mettier, die Vereinsvorsteher, viele Kontakte zu den wichtigen Schnittstellen der Stadt.

Die Ziele bei der Vereinsgründung seien hochgesteckt gewesen, sagt Koger schmunzelnd. So wollte man ursprünglich jeden Samstag und Donnerstagabend ein Kaffee im Familienzentrum betreiben. «Schnell zeigte sich jedoch, dass wir dazu weder die personellen noch die finanziellen Ressourcen aufbringen können», erklärt Matejka. Nun wolle man die vorhandenen Kräfte bündeln und voraussichtlich jährlich drei Anlässe im Familienzentrum organisieren. Nach dem Outdoor-Fondue mit anschliessender Drum’n’Bass-Party folgte ein Referate-Abend im April. Damals berichteten drei Asylsuchende von ihrem Werdegang: Ihr Weg in die Schweiz, ihr jetziges Leben und ihre Ziele. So unterschiedlich die beiden bisherigen Veranstaltungen auch sind, so gross scheint das Bedürfnis danach zu sein – bis zu 50 Personen besuchten die erste, rund 40 die zweite.

Holzpalette für den Stadtgarten

Die sechs Holzpaletten, welche diese Woche vor dem Familienzentrum platziert und mit Erde gefüllt wurden, zeugen vom dritten Streich der IG Paraplü. Heute ab 12 Uhr wird der Grundstein für das Urban-Garding-Projekt gelegt: mit einem Gartenfest. Die Besucher erwartet gemeinsames Gärtnern, doch im Mittelpunkt soll das Zusammensein stehen, so gibt es auch einen offenen Grill. «Die IG Paraplü ist zwar verantwortlich für den Unterhalt des Stadtgartens, doch ist jeder willkommen mitzuhelfen», so Koger, der als Sozialpädagoge arbeitet.

Damit der Unterhalt nicht zu aufwendig ausfällt, erstellte ein Paraplü-Mitglied ein Konzept für den Garten. Es sollen nur Pflanzen angebaut werden, die auch mit wenig Pflege auskommen. «Es muss auch möglich sein, dass der Garten mal nicht gegossen wird.» Ziel sei es, einen ähnlichen Ort zu gestalten, wie er etwa in Zürich auf der Brache des Hardturm-Stadions oder in Frau Gerolds Garten entstanden sei: «Wenn auch in einem weitaus kleineren Rahmen», so Matejka.

Ideen, welche Anlässe im Familienzentrum sonst noch veranstaltet werden können, sind einige vorhanden: Vom Spieleabend bis zum Food-Festival ist vieles denkbar. Letzteres ist bereits in den Startlöchern und wird voraussichtlich im Juni durchgeführt. «Dann sollen Menschen unterschiedlicher Herkunft ihre Küche anbieten. Von der Walliser Rösti bis hin zum syrischen Falafel soll alles vertreten sein», erklärt Koger. Wie sich das ganze im Detail ausgestalten soll, sei derweil noch offen.

Und das ursprüngliche Ziel eines ständigen Kaffees im Familienzentrum? Wurde dieses begraben? Koger zögert und dreht den Kopf leicht – «Nicht ganz. Aber wir würden es nun als absolutes Fernziel bezeichnen.»