Es war ausgerechnet an einem Sonntag, als sich in Schlieren am frühen Abend absurde Szenen wie in einem brutalen Mafia-Film abspielten. Ein heute 39-jähriger Monteur aus dem Kosovo und sein jüngerer Bruder stürmten die Wohnung eines Nachbarn und drängten diesen in dessen Schlafzimmer sogleich in eine Ecke. Dann würgten sie den ebenfalls aus dem Kosovo stammenden Geschädigten und prügelten auf ihn ein.

Ein Beinahe-Fenstersturz

Zum Schluss packten die Angreifer das Opfer und trugen es zum offenen Fenster. Dann versuchten sie, den Familienvater aus dem dritten Stock nach unten zu werfen. Dieser hielt sich zunächst noch verzweifelt am Heizkörper fest. Doch dann hing er plötzlich ausserhalb des Fensters mit dem Oberkörper in der Luft. Während der ältere Bruder dem Privatkläger wiederholt drohte: «Du wirst jetzt umgebracht», rief dieser mit letzter Kraft nach seiner Ehefrau. Als diese per Telefon die Polizei alarmierte, liessen die Gebrüder von ihrem Gegner ab und suchten das Weite. Der Geschädigte hatte Prellungen am Kopf, Verletzungen am Brustbein sowie einen Bruch des Zeigefingers erlitten.

Tatmotiv: Gras im T-Shirt

Kurz darauf nahm die Polizei die beiden Brüder fest und rätselte zunächst über das Tatmotiv der brutalen Abrechnung. Doch der Grund für den Gewaltakt lag in einem simplen Streit unter Kindern: Am Nachmittag hatte der zehnjährige Sohn des älteren Bruders der Tochter des Opfers Gras ins T-Shirt geworfen. Das Mädchen beschwerte sich bei seinem Vater, worauf dieser den Buben verbal massregelte. Dieser wiederum informierte seinen Vater, was zur Eskalation führte.

Bedingte Geldstrafen für Angreifer

Am Dienstag beschäftigte der Vorfall vom 13. September 2009 das Zürcher Obergericht. Die beiden Brüder beteuerten vergeblich ihre Unschuld. Der Ältere gab an, dass er vom Opfer zuerst attackiert und geschlagen worden sei. Der Jüngere behauptete, dass er bloss habe schlichten wollen. Ohne Erfolg: Die Oberrichter folgten den Darstellungen der Anklage und verurteilten die Brüder wegen Körperverletzung zu bedingten Geldstrafen von 150 Tagessätzen zu 50 Franken sowie zu 120 Tagessätzen zu 50 Franken. Dem Geschädigten wurde ein Schmerzensgeld von 400 Franken zugesprochen.