Zürich
In Member-Discos können nur Auserwählte tanzen

Im Zürcher Club Kauz an der Ausstellungsstrasse feierten in der vergangenen Silvesternacht nur jene miteinander, die von den Clubbetreibern eingeladen waren. Private Clubs leben wieder auf, und dabei ist das Phänomen ziemlich alt.

Lina Giusto
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In Diskotheken mit einem Member-System sollen Gleichgesinnte unter sich feiern können.

In Diskotheken mit einem Member-System sollen Gleichgesinnte unter sich feiern können.

ZVG

Diesem Prinzip folgt seit nun gut einem Jahr der Club Klaus an der Langstrasse, der kommendes Wochenende sein einjähriges Bestehen feiert. Die Macher selber bezeichnen ihn als «Club von Freunden für Freunde». Sie wollten damit einen Ort schaffen, an dem Partygänger mit Gleichgesinnten feiern können und sich selber als Teil der Party und nicht nur als Konsumenten fühlen. Bei der Auswahl dagegen achten die Betreiber darauf, dass die Selektion der Mitglieder nicht auf ihrem sozialen Hintergrund oder deren Portemonnaie beruht.

0 Franken...

...kostet die Mitgliedschaft in Zürcher Diskotheken, die das Member-System haben. Aufgenommen wird man in der Regel, wenn man jemanden kennt, der jemanden kennt. Anders sieht das bei den Zürcher Privatclubs
in den gehobeneren Kreisen aus.

Eine der ersten Diskotheken, die das Member-System einführte – und wie die beiden anderen der elektronischen Musik fröhnte — aber war der nun seit 2013 geschlossene Club Cabaret im Zürcher Kreis 5 an der Hardbrücke. Nur wer den goldenen Schlüsselanhänger mit der Gravur Le Club Privé besass, durfte im Lokal mit den roten Wänden die Nächte durchtanzen.

Insgesamt verbindet diese drei Diskotheken nicht nur ihre musikalische Ausrichtung, sondern vor allem ihre familiäre Atmosphäre.Das Member-System erlebt derzeit eine Renaissance.

Ursprünglich hat es sich aus den britischen Gentlemen’s Clubs im 18. Jahrhundert entwickelt, zu welchen anfänglich lediglich Männer aus der bürgerlichen Oberschicht zugelassen waren. Erst seit wenigen Jahren erhalten auch Frauen Einlass zu den illustren Diskussionsrunden. Diese Treffen wurden vor allem für informelle Geschäftsgespräche, Vertragsabschlüsse und die Pflege des unternehmerischen Netzwerks genutzt. Was ursprünglich von der Insel kommt, hat sich auch in der Limmatstadt etabliert. Mittlerweile entscheiden auch Diskotheken, wem Einlass gewährt wird und wem nicht. Alex Flach, Nightlife-Experte, sieht darin das elitäre der Partyszene: «Wer teilnimmt gehört zu einem exklusiven Kreis. Aber Member-Systeme muss man sich leisten können. Nur wer ein grosses Netzwerk hat, überlebt damit.»

Private Clubs haben Einfluss

Wer in einem Zürcher Club Mitglied ist, gehört zu den Auserwählten unter den Nachtschwärmern. Als lokale Kenner bewegen sie sich unter Gleichgesinnten und sind damit Teil eines geschlossenen Kreises in der offenen Gesellschaft. Doch hat Zürich eine längere Geschichte mit diesen privaten Clubs. Und mehrheitlich sind diese den zahlungskräftigeren Klienten vorbehalten, um ihr Netzwerk zu pflegen.

Das wohl bekannteste Restaurant ist das Haute an der Talstrasse. Im 13. und 14. Stockwerk des Hochhauses zur Schanze lassen sich all jene verköstigen, die einen Mitgliederbeitrag von jährlich 2000 Franken bezahlt haben – oder zumindest die Begleitung eines solchen Mitgliedes sind. Bei Speis und Trank kann die Sicht über die Dächer Zürichs genossen werden.

Anders läuft das Aufnahmeverfahren im Club zum Rennweg ab. Mitglied werden können nur «liberal denkende UnternehmerPersönlichkeiten», aber auch Männer und Frauen, die «Ausserordentliches geleistet haben und zum Zeitpunkt des Clubeintritts in der Regel nicht älter als 50 Jahre alt sind». Entweder sie werden persönlich vom Memberkomittee eingeladen, oder aber durch ein aktives Mitglied empfohlen.

Keine neue Erscheinung

Der wohl fast älteste Netzwerk-Verein in Zürich ist bereits über 630 Jahre alt. Es handelt sich dabei um die Stubengesellschaft der Schildner zum Schneggen. Seit je vereint er 65 Männer aus einflussreichen Zürcher Familien. Ihr politischer Einfluss dürfte einst sehr gross gewesen sein. Zumindest bis ins Jahr 1789 waren die Hälfte aller Zürcher Bürgermeister Schildner und noch bis 1830 waren 46 Mitglieder zeitgleich auch im Zürcher Kantonsrat aktiv.

Die Eintrittskarte ist – dem Vereinsnamen nachempfunden – ein Schild. In der Regel wird es vom Vater an den Sohn weitervererbt. Es kann auch verschenkt oder verkauft werden. Die Mitglieder der Gesellschaft jedoch haben das letzte Wort bei der Entscheidung über die Aufnahme oder Ablehnung der neuen Anwärter.

Heute pflegt die Gesellschaft eher den geselligen Aspekt des Beisammenseins. Jeweils dienstags trifft sich die Vereinigung zu einem Mittagessen in ihren Räumen am Limmatquai. Eine weitere geschlossene Gesellschaft beschränkt sich ebenfalls und fast ausschliesslich auf die Geselligkeit: der Club of Nine, der aus nur acht Mitgliedern besteht. Berühmt ist er für seinen jährlichen Winterball geladener Gäste. Zudem pflegt er einen Ausbildungsfonds zur Förderung junger, begabter Personen.