Dietikon

In ihrer Welt ist alles 87-mal kleiner als in der Realität: viele Besucher beim Modell Bahn Club

Besucher bewundern die liebevoll gestaltete Anlage.

Besucher bewundern die liebevoll gestaltete Anlage.

Der Modellbahnclub Dietikon öffnet die Türen seines Vereinslokals und gewährt Einblicke in eine Miniaturwelt.

Es ist eine glückliche Fügung, dass der Modellbahnclub Dietikon sein Clubhaus im alten Spanisch-Brötli-Bahn-Bahnhof gleich neben den SBB-Gleisen hat. Während draussen die ICs, Regio-Züge und S-Bahnen am Bahnhof Dietikon vorbeirauschen, passiert im Häuschen mehr oder weniger das Gleiche – nur in kleinerem Massstab. 87-mal kleiner, um genau zu sein. An den Tagen der offenen Türen können sich Interessierte selber ein Bild von der Anlage machen.

Der Verein trifft sich seit gut 40 Jahren dort, wo einst die historische Spanisch-Brötli-Bahn verkehrte. 1981 – drei Jahre nach der Gründung des Vereins – begannen die Mitglieder mit dem Aufbau ihrer Modellbahnanlage. Ob Reparaturen, Neuerungen oder Umbauten: «Es ist ein endloses Projekt», sagt Clubpräsident Gregor Haug aus Geroldswil. Und so treffen sich die Eisenbahnfreunde jeden Montagabend im Clubhaus und feilen an ihrem Lebenswerk.

Es sind Einblicke in eine einem doch bekannte, aber irgendwie auch neue und faszinierende Welt. Eine Welt im Miniaturformat, die durch Liebe zum Detail besticht. So etwa, wenn die selbst gebaute, winzig kleine Feuerstelle, um die einzelne Figürchen versammelt sind, zu glühen und rauchen beginnt. Oder aber der gesamte Raum in die Dämmerung übergeht und die Nacht über die liebevoll gestaltete Berg- und Stadtlandschaft hereinbricht und die Lichter in den Häuschen und Zügen angehen. Ein neues Feature, das der Club am Wochenende erstmals präsentierte.

Die gesamte Anlage erstreckt sich über rund 40 Quadratmeter und nimmt einen Grossteil des Raums im alten Spanisch-Brötli-Bahn-Bahnhof in Beschlag. Die Besucher an vergangenen Wochenende müssen sich aneinander vorbeizwängen, um einen Blick auf das Geschehen in der erfundenen, aber einer schweizerisch alpinen Landschaft nachempfundenen Szenerie zu erhaschen. Autos, Lastwagen und Busse fahren alle selbstständig auf den Strassen neben den Gleisen. Bei den Bahnschranken halten sie automatisch, wenn ein Zug vorbeifährt. Alles passiert vollautomatisch. Nur manchmal muss jemand vom Team eingreifen. Etwa wenn ein Zug entgleist oder stecken bleibt, was an diesem Nachmittag gleich mehrmals geschieht. Der Zufriedenheit der Besucher tut dies jedoch keinen Abbruch.

«Bähnler sind ein spezielles Volk»

Es sind viele Eltern mit ihren Kindern gekommen, die alle interessiert den vorbeifahrenden Zügen nachblicken und aufhorchen, wenn wieder mal ein Krankenwagen mit Sirene und Blaulicht ausrückt. Trotz des offensichtlichen Interesses vieler kleinerer Besucher ist die Zahl der Jungen im Verein relativ klein. Rund ein Fünftel der 20 Aktivmitglieder gehört zur jüngeren Generation. Die Anzahl der Gesamtmitglieder sei eher rückläufig, meint Haug. Zwar gebe es momentan genügend Aktivmitglieder. «Über mehr Nachwuchs würden wir uns jedoch nicht beschweren», sagt er.

Aber nicht jeder ist zum Bähnler geboren. Irgendwie liege es schon in den Genen, meint Haug. Viele Mitglieder sind ehemalige Bahnmitarbeiter oder wurden durch ihre Familie dahingehend beeinflusst. So auch der 25-jährige Haug, der seit gut einem halben Jahr Präsident ist. Er sehe es jemandem direkt an, wenn er Bähnler sei. «Bähnler sind halt schon ein spezielles Volk.»

Meistgesehen

Artboard 1