Dietikon

In Dietikon findet sich kein neues Ackerland mehr

Das Limmattalbahn-Depot entsteht auf einer Fruchtfolgefläche: Das verbleibende Ackerland sei gut geschützt, sagt der Stadtrat.

Das Limmattalbahn-Depot entsteht auf einer Fruchtfolgefläche: Das verbleibende Ackerland sei gut geschützt, sagt der Stadtrat.

Wegen drei Bauprojekten geht im Dietiker Gebiet Müsli wertvoller ackerfähiger Boden verloren: Auf Stadtgebiet kann dieser nicht kompensiert werden. Der Grünen-Politiker Andreas Wolf sorgt sich um die lokalen Landwirte, denn diese seien auf jede Are angewiesen.

Im Dietiker Müsli fallen wegen drei Bauprojekten sogenannte Fruchtfolgeflächen weg: Das neue Depot der Limmattalbahn beansprucht rund 14000 Quadratmeter ackerfähiges Land. Durch den Bau des neuen Verkehrsknotens Mutschellen- und Industriestrasse werden im selben Gebiet rund 500 Quadratmeter wegfallen, mit der Erstellung einer Strassenabwasserbehandlungsanlage weitere 2000 Quadratmeter.

Andreas Wolf (Grüne) hatte sich angesichts dieser Entwicklung im Müsli in einer Interpellation beim Stadtrat erkundigt, wie es um die Fruchtfolgeflächen bestellt sei. «Regionale Produkte sind je länger je mehr gefragt», begründete Wolf seinen Vorstoss unter anderem. Er und seine neun Mitunterzeichner wollten deshalb wissen, wie die Stadt den Landwirten wieder zu mehr Fruchtfolgeflächen verhelfen könnte. Oder wie die Strategie aussehe, dass die bestehenden Flächen zumindest erhalten werden könnten.

Die bestehenden Flächen sind geschützt

Neue Fruchtfolgeflächen können gemäss Stadtrat auf dem Stadtgebiet heute nicht mehr geschaffen werden. «Praktisch alle Flächen, welche ausserhalb des Siedlungsgebietes liegen und nicht Waldflächen oder Gewässeruferbereiche sind, sind bereits als Fruchtfolgeflächen ausgeschieden», hält der Stadtrat fest. Die wenigen verbleibenden Restflächen würden sich – beispielsweise wegen ihrer Topografie – nicht als ackerfähiges Land eignen.

Zudem weist der Stadtrat in seiner Antwort darauf hin, dass Dietikon trotz der drei Bauprojekte im Müsli nach wie vor vergleichsweise viele Fruchtfolgeflächen aufweise. «Mit vier kantonalen Freihaltegebieten zum Schutz des Landschaftsbildes sowie als Siedlungstrenngürtel steht im Vergleich zu den anderen Gemeinden im Kanton Zürich eine sehr grosse Fläche unter kantonalem Schutz.»

Die weiteren ackerfähigen Grundstücke liegen in Nichtbauzonen und sind im kantonalen Richtplan als «Fruchtfolgeflächen im Landwirtschaftsgebiet» deklariert, wie der Stadtrat weiter festhält. Sie seien entsprechend geschützt. Es sei gewährleistet, dass sie langfristig der landwirtschaftlichen Nutzung dienen könnten.

Wolf: Auch das Müsli-Land war vorher geschützt

Gemeinderat Andreas Wolf beruhigt diese Antwort nicht: Auch das Land im Müsli sei ja kantonal geschützt gewesen, sagt er. Doch wegen der Grossprojekte sei es dann geopfert worden. «Es ist zu befürchten, dass immer wieder etwas von den wertvollen Fruchtfolgeflächen abgezwackt wird.»

Der Schutz der Gebiete sei hoch, hält demgegenüber der Stadtrat in seiner Antwort fest. «Ein höherer Schutz als ein kantonales Schutzgebiet ist nicht möglich, da Fruchtfolgeflächen nicht über Bundesgesetze oder Bundesinventare geschützt werden.» Allerdings können Bund und Kantone die kantonalen Landwirtschaftszonen anderen Kantons- und Bundesinteressen unterordnen, sofern eine Interessenabwägung dies stützt», räumt der Stadtrat ein. Dies ist im Müsli nun drei Mal erfolgt.

Doch damit soll es sich nun auch haben, glaubt der Stadtrat: Denn mit dem Bau der Limmattalbahn und den damit verbundenen Strassenausbauprojekten seien die für die nächsten Jahrzehnte nötigen verkehrstechnischen Grossprojekte jedoch bald realisiert. «Entsprechend kann mit heutigem Kenntnisstand davon ausgegangen werden, dass vom Kanton Zürich oder vom Bund mit mittelfristigem bis langfristigem Horizont in der Stadt Dietikon keine weiteren Grossprojekte in der Fruchtfolgefläche realisiert werden.»

Lokale Bauernbetriebe erhalten

An dieser Aussage will Wolf den Stadtrat messen: «Es dürfen keine weiteren ackerfähigen Flächen in Dietikon verloren gehen», fordert er. Denn für die Landwirte in der Agglomeration werde es immer enger, jede Are sei für sie wichtig. «Wir müssen schauen, dass wir diese regionalen Betriebe erhalten können und sie nicht in die Enge treiben.»

Dass die Dietiker Fruchtfolgeflächen im Müsli flächenmässig nicht einfach verschwinden, sondern dass sie andernorts zwingend ersetzt werden, ist Wolf bewusst. Da in Dietikon keine geeigneten Gebiete vorhanden sind, erfolgt diese Kompensation im Knonauer Amt; in der Gemeinde Maschwanden ist eine entsprechende Fläche bereits gesichert, 2021 sollen dort die Böden rekultiviert werden.

Das sei ja schön und gut, sagt Andreas Wolf. «Aber mir geht es nicht um die landesweite Gesamtbilanz, sondern um die Bilanz für die Dietiker Landwirte.» Er erhofft sich, dass sich der Stadtrat für diese Bauern einsetzt. «Vielleicht findet er doch noch ein paar Flächen auf Stadtgebiet, die sich zu Ackerland aufwerten lassen.»

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