Limmattaler Wirtschaft
In Dietikon auf der Suche nach dem Januarloch

Der Umsatz vieler Läden in Dietikon geht im Januar stark zurück. Laut Schuldenberatung haben die Leute zurzeit aber nicht mehr Geldprobleme als in anderen Monaten.

Anina Gepp
Merken
Drucken
Teilen
Obwohl das Portemonnaie zum Jahresbeginn leer ist, läuft der Restaurantbetrieb im Januar nicht besser und nicht schlechter als sonst.

Obwohl das Portemonnaie zum Jahresbeginn leer ist, läuft der Restaurantbetrieb im Januar nicht besser und nicht schlechter als sonst.

Der Dezember ist ein kostspieliger Monat. Teure Weihnachtsgeschenke und haufenweise Rechnungen schmälern das Budget. Doch schränken die Limmattaler deswegen ihren Konsum ein? Die Läden preisen derzeit auf grossen Werbetafeln ihre Schnäppchen an, um die Kundschaft trotzdem anzulocken und sie mit günstigen Angeboten zu überzeugen. Nicht selten wird den Kleidungs- und Schuhgeschäften vorgeworfen, damit das Januarloch erst erfunden zu haben. Doch eine Umfrage in verschiedenen Geschäften in Dietikon zeigt: Der Ausverkauf bringt gar nicht viel ein und die Läden spüren Anfang Jahr den geringen Umsatz.

Edith Bucher Inhaberin der «Edith Boutique» in Dietikon, blickt im Januar oft auf die leere Strasse vor ihrem Kleidungsgeschäft und wartet auf Kundschaft. In ihrem Schaufenster hängt nur ein kleiner Aushang, der auf um 50 Prozent reduzierte Ware hinweist. «Es bringt nichts, wenn ich das ganze Schaufenster damit voll pflastere», so Bucher. Doch der schlechte Absatz Anfang Jahr hänge nicht nur mit dem Januarloch zusammen. «Die Wirtschaftskrise ist bestimmt auch ein Faktor. Viele Leute gehen in Deutschland einkaufen.» Bucher hofft nun, dass es nochmals richtig Schnee gibt. So könnte sie ihre Winterkollektion doch noch an die Frau bringen.

Kalte Temperaturen kämen auch dem Schuhgeschäft Tiefenbacher in Dietikon zugute. Auch wenn das Geschäft zurzeit noch normal laufe: «Die Erfahrung zeigt, dass Mitte Januar der Umsatz stark zurückgeht», sagt Mitarbeiterin Jolanda Rüegg. Erstaunlicherweise ist das Januarloch sogar bei grossen Modeketten kein Fremdwort. Die Verkäuferin Brigitta Duarda arbeitet im «Zebra Fashion»- Geschäft in Dietikon und sagt: «Es ist extrem, wie wenig Kundschaft kommt.» Das könne auch der Ausverkauf nicht mehr rausholen.

Haben die Leute denn wirklich solche Geldprobleme im Januar? David Laso von der Fachstelle für Schuldenfragen im Kanton Zürich glaubt das nicht. Vielmehr ist er der Meinung, dass das berühmte Januarloch zu sehr hochstilisiert werde. «Es gibt im Januar nicht mehr Leute, die sich aufgrund von Schulden und Geldproblemen an uns wenden.»

Auch Luis Garcia versteht die Aufregung rund ums Januarloch nicht. Sein Restaurant Ochsen in Dietikon laufe im Januar nicht besser und nicht schlechter. «Im Januar kommen sogar viele Vereine, die ihr Jahresessen bei mir veranstalten wollen», sagt er. Heinz Schenker vom Restaurant Krone in Dietikon bestätigt zwar, dass es in den ersten zwei Wochen nach den Ferien ruhiger ist, führt dies aber nicht auf das schmälere Budget der Leute zurück: «Viele haben sich einen Neujahrsvorsatz genommen und machen eine Diät», sagt er. Das sei auch daran zu merken, dass im Januar vermehrt Salat und Gemüse gegessen werde. Ab Mitte Januar normalisiere sich der Betrieb aber schnell wieder.

Vom Januarloch finanziell betroffen sind vor allem Kleider- und Schuhgeschäfte. Doch könnte es sein, dass man aufgrund der fehlenden Wärme und Sonnenscheins in ein psychisches Loch fallen kann. «Dass dies im Januar der Fall ist, kann ich nicht bestätigen», sagt Angela Rast des Sozialpsychiatrischen Zentrum Limmattal. Es gehe im Vergleich zu den Monaten November und Dezember eher ruhiger zu und her. «Die Leute haben mehr Hoffnung im neuen Jahr und wollen das Beste für 2013.»