Unterengstringen
In dieser Alters-WG bestimmt Benedikt den Takt – zu Besuch im Kloster Fahr

Es ist eine geheimnisvolle Welt, die die zwanzig Benediktinerinnen im Kloster Fahr bewohnen. Ein Blick hinter die Türen der Klausur zeigt eine muntere und trotz allen Regeln selbstbestimmte Alters-WG, die sich vor den Toren zur Stadt Schritt für Schritt nach aussen öffnet.

Sophie Rüesch
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Leben im Kloster Fahr
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Herrscht gerade kein Schweigegebot, wird im Kloster viel diskutiert und gelacht. Seit der Sanierung des Wohntraktes haben die Schwestern dafür sogar endlich eine Stube.
Priorin Irene, die der Gemeinschaft seit 14 Jahren vorsteht, versteht sich als "Dienerin der Eigenart vieler".
Schwester Monika, 70, empfängt die Gäste des Klosters und ist immer zur Stelle, wenn man sie braucht.
In der Paramtentenwerkstatt entstehen sakrale Textilien.
Schwester Bernadette am Webstuhl.
Die Nonnen werden von externen Mitarbeiterinnen unterstützt - zum Beispiel Anna-Lea Witmer, die die ruhige Atmosphäre schätzt.
Die täglichen Arbeiten, die im Kloster so anfallen, werden den Schwestern im Turnus und je nach Fähigkeiten zugeteilt. Schwester Monika hat gerade Küchendienst.
Schwester Petra, mit 85 die älteste Benediktinerin im Kloster Fahr, kann zurzeit wenig helfen. Sie hat sich beim Stolpern über ein Kabel die Schulter verletzt.
Detail aus Schwester Petras Zimmer.
Schwester Christa arbeitet derweil im Garten. Sie ist zuständig für die Blumen fürs Kloster und das zugehörige Restaurant.
Auch das Bereitmachen des Speisesaals ist so ein Ämtli. Bevor es etwas zu essen gibt, geht es aber erst noch einmal in die Kirche.
Eine Holztafel gibt an, wer Dienst in der Kirche hat.
Auch in der prächtigen Barockkirche herrscht vor den Gesängen komplette Stille, vom Rascheln der Gewänder der eintrudelnden Schwestern mal abgesehen.
Fünf Mal täglich wird gebetet und gesungen. Die Gottesdienste sind auch für Aussenstehenden offen.
Priorin Irene (rechts) sitzt mit Schwester Andrea, der Subpriorin, an einem eigenen Tisch.
Die anderen Schwestern und die Gäste sitzen sich im Refektorium an langen Tischen gegenüber.
Wenn das Glöcklein bimmelt, darf nachgeschöpft werden. Das Essen beziehen die Schwestern aus dem Restaurant.
Die letzte Gebetszeit ist vor dem Schlafengehen - um 4.50 Uhr ist bereits wieder Tagwache.

Leben im Kloster Fahr

Sandra Ardizzone

Es ist still im Refektorium. Die Schwestern stehen hinter ihren Stühlen und warten, bis alle den Weg von der Kirche in den Speisesaal gefunden haben. Die Stille wird während dem Essen anhalten, durchbrochen nur vom Klappern und Scharren des Bestecks in den Tellern, gelegentlichem Räuspern und der Stimme von Schwester Fidelis, die aus der Biografie eines Bauern vorliest, der beide Arme verloren hat.

Am Schluss stellen die Schwestern ihre Trinkgläser auf die lange Schieferplatte vor ihnen: Das Zeichen, dass nun alle gesättigt sind. Nicht alle der anwesenden Gäste verstehen diesen Hinweis auf Anhieb. Doch spätestens, als die Schwestern ihre Servietten fein säuberlich falten, sie im Stoffetui verstauen und beginnen, sich in den Stühlen zu winden, fällt der Groschen auch bei der letzten.

Die 20 Benediktinerinnen des Klosters Fahr verstehen sich auch ohne Worte. Über Jahrzehnte haben sie die Abläufe des täglichen Lebens zusammen einstudiert, sie funktionieren als Gemeinschaft wie eine gut geölte Maschine, die ganz von selbst läuft. Sofern eine Armbanduhr im Spiel ist.

Kloster Fahr Das Kloster, das in einer von Unterengstringen umschlossenen Aargauer Exklave liegt, wurde 1130 gegründet. Es bildet - weltweit einzigartig - mit Einsiedeln ein Doppelkloster des Benediktinerordens. Die Schwestern teilen mit Einsiedeln den Abt, Urban Federer, der in der Regel einmal pro Woche einen Besuch abstattet. Seit 2003 steht Priorin Irene der Klostergemeinschaft und den angegliederten Betrieben vor. Das Kloster befindet sich mitten in einer auf Jahrzehnte angelegten Sanierung, deren Finanzierung noch nicht gesichert ist.

Kloster Fahr Das Kloster, das in einer von Unterengstringen umschlossenen Aargauer Exklave liegt, wurde 1130 gegründet. Es bildet - weltweit einzigartig - mit Einsiedeln ein Doppelkloster des Benediktinerordens. Die Schwestern teilen mit Einsiedeln den Abt, Urban Federer, der in der Regel einmal pro Woche einen Besuch abstattet. Seit 2003 steht Priorin Irene der Klostergemeinschaft und den angegliederten Betrieben vor. Das Kloster befindet sich mitten in einer auf Jahrzehnte angelegten Sanierung, deren Finanzierung noch nicht gesichert ist.

Sandra Ardizzone

Denn es ist eine komplexe Maschine: Der benediktinische Tag ist eng getaktet und durch eine strenge Routine mit kleinen Variationen geprägt. Er beginnt um 4.50 Uhr – eine halbe Stunde später steht das erste von fünf Tagesgebeten an. Für diese treffen sich alle in der Kirche. Auch hier herrscht abgesehen von den Schritten der eintrudelnden Schwestern und dem Rascheln ihrer Gewänder, wenn sie sich vor dem Jesus am Kreuz verneigen, absolute Ruhe. Nach einer Weile durchbricht eine einsame, helle Stimme die Stille – an diesem Tag ist es Schwester Veronika, die als Kantorin vorsingt. Die anderen erwidern ihre Klänge, der in hohen Tonlagen gehaltene Chorgesang schwillt an und ab, erfüllt die prächtige Barockkirche. Es ist eine imposante Zeremonie, und gleichzeitig eine sehr intime – hier spürt man die tiefe Verbundenheit der Schwesterngemeinschaft untereinander, vor allem aber die jeder einzelnen mit Gott.

Schweigegebot und Balanceboard

Die Stille ist ein zentraler Aspekt des Benediktinerinnenlebens. Sie soll Raum schaffen für Introspektion, für die Suche nach Gott. Dafür geht es umso lebhafter zu und her, wenn das Schweigegebot endet. Etwa während der «Rekreation», bei der die Schwestern auf einem Balanceboard herumalbern und über die anstehenden Ferien, die Gesundheit oder ehemalige Weggefährtinnen plaudern. Oder wenn sich die Wege von zweien in den Gängen oder im Garten kreuzen. In solchen Momenten könnte man schnell auf die Idee kommen, hier bloss in einer besonders munteren Alters-WG untergekommen zu sein, denkt man sich die schwarzen Gewänder und die allgegenwärtigen Kreuze an den Wänden mal weg.

Schwester Gabriela hat heute ihren Wüstentag – eine Art Jokertag, an dem die Schwestern sich komplett zurückziehen können, nicht zu Tisch, den Gebeten und der Arbeit erscheinen müssen. Auch im Kloster kann mal bei einer der Lagerkoller ausbrechen. Besser, dem beugt man vor. «Vielleicht huscht man kurz in die Küche, um etwas zu essen zu holen, doch man muss sich an diesem Tag niemandem zeigen», erklärt Schwester Martina, die sich um die Gäste kümmert und so oft auch als Übersetzerin der nach aussen fremden Sprache des klösterlichen Zusammenlebens fungiert.

Auf die Frage, ob man sich beim ständigen Beisammensein nicht auf die Nerven gehe, lachen die Schwestern alle. «Natürlich», sagt Schwester Petra, und lacht gleich noch lauter, «man ist ja schliesslich auch ein Mensch.» Und hat als solcher seine Meinungen, sein Temperament, seine Eigenarten. «Das wäre ja nicht normal, wenn es nicht wie in jeder Familie auch mal Misstöne gäbe», sagt Schwester Christa. «Aber an denen arbeitet man dann, zusammen und für sich alleine», so Schwester Matthäa. Ordensvater Benedikt hat auch für diese Situationen vorgesorgt. Seine Lösung: Vor dem Schlafengehen muss man Frieden geschlossen haben. Danach ist wieder ein neuer Tag. Priorin Irene ist dann, wenn ein Konflikt sich ankündigt, zur Stelle, um zu vermitteln. Sie versteht sich als «Dienerin der Eigenarten vieler», so wie es Benedikt in seiner Regel für die Äbte vorsieht. «Das ist immer wieder herausfordernd, aber bei so vielen verschiedenen Charakteren manchmal nötig.»

So lebt das Limmattal: Sommerserie 5/12

Wohnformen sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Die Redaktion begibt sich auf die Suche nach unkonventionellen Lebens- und Wohnformen im Limmattal, die wir Ihnen in unserer Sommerserie vorstellen. Die nächste Folge erscheint am Mittwoch.

Lesen Sie hier die vorherige Folge.

«Das ist wie mit dem Verliebtsein»

Die meisten der 20 Frauen – die jüngste 52, die älteste 85 – haben eines gemein: Sie haben als Absolventinnen der mittlerweile aufgehobenen Bäuerinnenschule zum Kloster Fahr gefunden. Alle erzählen sie in etwa dieselbe Geschichte: Es habe ihnen einfach «den Ärmel reingenommen», als sie Fuss in diese Oase an der Limmat gesetzt haben, und so ist es geblieben. Denn ein weiteres ist allen gemein: Hier haben sie ihre Berufung gefunden. Sie ringen hilflos mit den Händen, dieses Gefühl in Worte zu fassen. Und sie finden früher oder später alle zur gleichen Metapher. «Das ist wie mit dem Verliebtsein: Wenn Sie einen Freund haben, wissen Sie ja auch nicht, was genau es ist, das diese Anziehung ausmacht, aber Sie spüren, dass sie da ist», versucht es etwa Schwester Matthäa, während sie am Webstuhl an einer leuchtend grünen Seidenstola arbeitet.

Vielleicht ist es dieses anhaltende Verliebtsein, auch Jahrzehnte nach dem Eintritt ins Kloster, das für so viele selige Gesichter in den Gängen der frisch sanierten Anlage sorgt. Die Schwestern scheinen völlig in sich zu ruhen; sie pflegen einen herzlichen Umgang miteinander und den Gästen, die immer zahlreicher aus der schnellen, gestressten Welt da draussen für ein paar Tage der Ruhe hier erscheinen. Sie dürfen an den meisten gemeinsamen Aktivitäten teilnehmen. Früher wäre das unvorstellbar gewesen: Die Klausur – der geschlossene Wohntrakt, der eigentlich nur den Schwestern vorbehalten wäre – stellte lange eine fast eiserne Grenze zur Aussenwelt dar. Heute wird diese, zum Beispiel für das gemeinsame Essen, in das heilige Refugium zugelassen.

Priorin Irene, die der Gemeinschaft seit 14 Jahren vorsteht, versteht sich als "Dienerin der Eigenart vieler".
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Schwester Monika, 70, empfängt die Gäste des Klosters und ist immer zur Stelle, wenn man sie braucht.
Schwester Petra, mit 85 die älteste Benediktinerin im Kloster Fahr, kann zurzeit wenig helfen. Sie hat sich beim Stolpern über ein Kabel die Schulter verletzt.
Die ruhige Kreative Vor bald 50 Jahren hat Schwester Matthäa ihr Gelübde abgelegt. «Das beschäftigt einen schon innerlich», sagt die 71-Jährige. Die Profess sei im Leben einer Nonne schliesslich auch so wichtig «wie für andere Frauen der Hochzeitstag». Die wichtigsten Jahrestage werden in der Gemeinschaft gefeiert, wie auch die Namenstage der Frauen, die sich zu Beginn des Klosterlebens einen neuen Namen geben können. Als Bauernkind im Thurgau geboren, lernte Schwester Matthäa das Kloster Fahr in den 1960er-Jahren über die Bäuerinnenschule kennen. Die Berufung habe sie nicht sofort gespürt, obwohl das klösterliche Leben sie schnell reizte. So begann sie nach der Schule als Wochenpflegerin zu arbeiten, griff Müttern nach der Geburt eines neuen Kindes unter die Arme. Doch es habe sie immer wieder zurückgezogen zum Kloster Fahr, sie spürte «von tief innen heraus eine Faszination für diesen Ort». So begann sie als 21-Jährige ihre Probezeit bei den Benediktinerinnen. Sie habe es nicht gleich in den ersten Wochen gespürt, doch mit der Zeit kam die Gewissheit: «Das ist der Weg für mich.» Zwei Jahre später hat sie ihre ersten, die zeitlichen Gelübde abgelegt, nach weiteren drei die ewigen. Am Leben im Kloster geniesst sie vor allem das gemeinsame Beten und Singen, überhaupt die Gemeinschaft mit den Schwestern und den Tagesrhythmus. «Er gibt mir die Ruhe, bei Gott zu sein.» Auch ihre Tätigkeit in der Paramentenwerkstatt erfüllt sie: Die Arbeit am Webstuhl sei «etwas Schönes und Kreatives», bei dem sie auch immer wieder mal etwas Neues ausprobieren könne.
Die Blumenfrau Schwester Christa wusste schon als Zehnjährige in Beromünster, dass sie im Kloster an der Limmat leben will. Zwei ihrer Tanten waren Fahrer Schwestern; schon beim ersten Besuch sei es um sie geschehen. «Als ich von weitem den Kirchturm sah, hat es mich innerlich fast zerrissen beim Gedanken, hier je wieder wegzumüssen». Am Tag des Eintritts, da war sie 23, habe sie es kaum erwarten können, endlich das schwarze Gewand anzuziehen. «Es war der glücklichste Tag meines Lebens», erzählt sie, während sie Blumen für die ehemalige Haushälterin des Propstes arrangiert. Die Blumen dafür hat sie aus dem prächtigen Klostergarten, der im spätmittäglichen Licht in allen Farben leuchtet. Die ersten Samen sät sie im Februar, geerntet wird bis im Oktober. Sie sei damals vor die Wahl gestellt worden: Entweder eine Köchin oder Gärtnerin habe das Kloster gerade gebraucht. So hat sie sich entschieden, vor dem Eintritt eine Gartenbauausbildung zu absolvieren. 30 Jahre lang unterrichtete sie dann an der Bäuerinnenschule Gartenbau, in den späteren Jahren übernahm sie die Verantwortung über die Blumen. Diese nennt sie auch «Boten Gottes». Nach all den Jahren kämen sie ihr immer wieder wie ein Wunder vor; sie vermittelten «eine Ahnung der Schönheit Gottes». Sie könne mit den Gestecken, die sie für die Klosteranlage und das Restaurant produziert, vielen Menschen eine Freude das bereiten, sagt die 70-Jährige. «Dafür bin ich sehr dankbar.» Das ist sie auch für die Zeit und den Raum, den ihr das Kloster für das Erfahren von Gott biete – «dem grossen Du, das dem kleinen du täglich neu begegnet».
Das Nesthäkchen In Lebensjahren ist sie zwar nicht die Jüngste im Kloster Fahr. Doch Schwester Veronika ist als letzte zur Gemeinschaft gekommen. 28 Jahre ist es her, dass sie als 24-Jährige den Eintritt wagte. Dass ihr das Klosterleben zusagen würde, hat sie schon Jahre zuvor während dem Besuch der Bäuerinnenschule gemerkt. Doch sie liess sich genug Zeit für solch einen endgültigen Schritt, studierte erst Krankenpflege, sah sich andere Gemeinschaften an, half noch mehrere Sommer den Eltern beim Bauern «am Berg obe» in Nidwalden, wo es im stotzigen Gelände viel zu heuen gab. Lange rang sie mit sich, ob sie wirklich in einem geschlossenen Kloster leben kann, auch ihre Familie war zuerst nicht begeistert. Ihr geistlicher Begleiter habe sie dann irgendwann gefragt, welche Institution sie wählen würde, wenn sie jetzt sofort müsste. Sie weigerte sich, darauf eine Antwort zu geben, doch in derselben Nacht kam diese zu ihr: Das Kloster Fahr wäre es, war ihr plötzlich klar. Bereut hat sie den Schritt bis heute nicht. «Das Leben hier ist spannend», sagt die 52-Jährige; es ist meist sie, die bei den Gottesdiensten vorsingt, zudem arbeitet sie in der Paramentenwerkstatt und hilft, die älteren Schwestern zu pflegen. Ihr gefällt, dass sich das Kloster mittlerweile offener zeigt. «Ich kann heute besser dahinterstehen.» Als Zweitjüngste wird sie wohl auch eine der letzten der Gemeinschaft sein. Da man die heutigen Strukturen wohl nicht ewig aufrechterhalten könne, wäre Schwester Veronika auch offen für neue Formen der Gemeinschaft – «aber nicht zu neue, ein Leben nur in Anlehnung an die benediktinische Regel wäre mir zu wenig».

Priorin Irene, die der Gemeinschaft seit 14 Jahren vorsteht, versteht sich als "Dienerin der Eigenart vieler".

Sandra Ardizzone

Mit Gottvertrauen in die Zukunft

Überhaupt befindet sich das Kloster zurzeit in einem Prozess der Öffnung. Nicht nur freiwillig: Der letzte Eintritt liegt 28 Jahre zurück, für neue Anwärterinnen ist man zwar offen, «diese sind aber nicht einfach in Sicht», so die Priorin. Die Gemeinschaft zählte zur Zeit, in der die meisten eintraten, knapp 50 Schwestern. Heute sind es noch 20. Und in welcher Form das Kloster weiterlebt in der absehbaren Zeit, in der die meisten von ihnen zum Herrgott gegangen sein werden, ist ungewiss. Klarer ist hingegen: Will es Bestand halten, kann es sich nicht gegen aussen abschotten.

Priorin Irene, die der Gemeinschaft seit 14 Jahren vorsteht, hat dies früh erkannt und die Öffnung sachte vorangetrieben. Grosse Überzeugungsarbeit musste sie auf diese Weise nicht einmal leisten: Schritt für Schritt erkannten auch die anfangs skeptischen Schwestern, wie bereichernd der Austausch mit den Menschen von draussen für sie ist – besonders nach dem Ende der Bäuerinnenschule vor vier Jahren, in der die Schwestern Generationen von jungen Frauen auf ein Leben auf dem Bauernhof vorbereitet hatten.

Wer sich selbst ein Bild vom Leben im Kloster verschaffen will, kann auf dessen Website ein Gästezimmer buchen und Tage im benediktinischen Rhythmus verbringen. Richtpreis:
80 Franken pro Nacht, kann variieren.

Zudem funktioniert eine Öffnung ja auch in beide Richtungen: Manche juchzen lachend auf, andere heben vielsagend die Augenbrauen, wenn sie von den Zeiten erzählen, in denen man noch für jeden Schritt ausserhalb des Klostergeländes um Erlaubnis bitten musste. Heute haben die Schwestern zwei Wochen Ferien pro Jahr zugute. Es ist ein freiwilliges Angebot, doch Priorin Irene legt solche Auszeiten allen ans Herz – auch hier ist es wie mit dem Verliebtsein: Ist man eine Weile getrennt, ist das Wiedersehen umso schöner.

Nach dem Nachtgebet kehrt die Stille wieder ein, die Benedikt für den Rest des Tages vorgegeben hat. Ein paar Worte werden trotzdem noch gewechselt: Abklärungen für den nächsten Tag, ein kurzer Schwatz mit den neuen Gästen. Schwester Martina führt diese sicheren Schrittes durch die Gänge, während eine andere noch einmal kontrolliert, ob alle Türen verriegelt sind. Draussen trotzt Schwester Beatrice mit einer dicken Regenjacke über ihrem Gewand dem hereinbrechenden Sommergewitter und sammelt den Weidezaun im Garten ein. Ihre «Rasenmäher», die 14 Schafe des Klosters, grasen fröhlich bimmelnd in der Wiese. Und sollte es an diesem Tag irgendwo hinter verschlossenen Türen Reibungen gegeben haben, ist spätestens jetzt wieder Frieden geschlossen.