Kunst und Kirschgarten — zwei Dinge, die normalerweise nicht viel gemeinsam haben. Dass sie aber durchaus gut zusammenpassen, bewies bereits die erste Kunstaustellung zwischen den Kirschbäumen des Biohofs Fondli vor drei Jahren. Hofbesitzerin Anita Lê und ihr Mann Samuel Spahn konnten dieses Jahr erneut sechs Künstler begeistern, ihre Werke in Dietikon zu präsentieren. Sie verschönerten damit jeweils eine eigene Passage zwischen den Kirschbaumreihen. «Jeder Künstler konnte seinen Platz nach seinem eigenen Geschmack gestalten», sagt Lê. Auch sie selbst war kreativ und stellt in ihrem Gang Werke aus Metall aus Papier aus.

Über einen Künstler freuen sich die Besucher besonders: Herbi Gmür, der seit vielen Jahrzehnten im Limmattal Kunst schafft, stellt hier zum ersten Mal seine Werke aus. «Es wird meine erste und letzte Ausstellung», sagt Gmür. Denn er mache Kunst aus Leidenschaft und nicht, um damit Ansehen zu erlangen oder Geld zu verdienen. Der Künstler arbeitet für seine Werke bevorzugt mit Metall und Holz und setzt dabei farbige Akzente. «Auf Kunst stosse ich immer per Zufall. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, findet sie automatisch», sagt er.

Werke mit Geschichte

So hat Gmür beispielsweise einen Holzstecken im Dietiker Honeret gefunden, der aussah wie ein Hirsch. Ihm gefiel die Gestalt so gut, dass er sie kurzerhand in Metall giessen liess. Ein anderes Werk stammt von einer Baustelle auf dem Zürcher Lindenplatz, wo Gmür damals gearbeitet hat. Das 300 Jahre alte Brett sollte schon weggeworfen werden. Da rettete der Künstler das Stück Holz und peppte es mit roter Farbe auf. Wie bei diesen beiden Objekten hat Gmür zu jedem seiner Werke eine Geschichte zu erzählen. Wann immer er durch seine Kirschbaumpassage schreitet, folgen ihm eine Handvoll Besucher und hören ihm aufmerksam zu.

Künstlerin Sabine Nadler hingegen holte sich die Inspiration für ihre Kunstwerke in den gemeinsamen Ferien mit Anita Lê auf Lanzarote. Das Resultat sind übergrosse Samenkapseln, die sie mit unterschiedlichen Inhalten füllte. «Sie symbolisieren Schutz. Die Hülle sorgt dafür, dass in ihr wieder Neues entstehen kann», sagt sie. Die Ausstellung im Kirschgarten gefalle ihr ausgesprochen gut: Sie könne sich auch vorstellen, ein weiteres Mal auf dem Biohof auszustellen.

Die Gäste geniessen an diesem Sonntagnachmittag die spätsommerliche Wärme auf dem Vorplatz des Fondlihofs und lauschen der Musik des Trios «Absiits», das für einmal nur aus Samuel Spahn und Köbi Alt besteht. Die beiden Musiker spielen Klarinette und Gitarre. Neben frischem Süssmost und einem Gläschen Wein werden die zahlreichen Besucher mit grillierten Biowürsten verpflegt.

Anita Lê bestärkt die Vernissage, bereits einen Blick in die Zukunft zu wagen. «Ich kann mir durchaus vorstellen, in den kommenden Jahren wieder eine Kunstaustellung im Kirschgarten zu organisieren», sagt sie.