Beim Eisstockschiessen auf dem synthetischen Eisfeld fand der Austausch zunächst nur zögerlich statt. Viele Besucher versammelten sich dafür um das warme Feuer nebenan und stiessen gemeinsam mit einem Punsch an. So wurde das Zentrum in Oberengstringen am Dienstagabend dann doch zum Ort der Begegnung mit jenen Menschen, die zurzeit in der Asylunterkunft zu Hause sind. Zum Anlass geladen hat der Verein Solinetz.


«Es ist das erste Mal, dass so ein Anlass im Dorf stattfindet», sagte Irina Bauer aus Oberengstringen. Umso mehr freue sie sich über den Anklang bei den Einwohnern und die vielen Anmeldungen für das gemeinsame Essen, das später am Abend serviert wurde. Seit anderthalb Jahren ist sie bei Solinetz tätig und brachte den Stein für das Treffen zwischen der Bevölkerung und den Asylsuchenden ins Rollen. Man sei mit der Initiative bei Gemeinde und Sozialdienst auf sofortige Zustimmung gestossen, hielt sie fest.


In der Tat gab es kurze Zeit später kaum noch einen Platz in dem kleinen Chalet zu ergattern. Der Duft kulinarischer Spezialitäten von fernen Ländern lag in der Luft, und die verschiedenen Sprachen, die im Raum zu vernehmen waren, zeugten von der besonderen Begegnung. «Sie haben den ganzen Nachmittag für uns gekocht», sagte Larissa Buser, die für die Abteilung der Jugendarbeit in der Gemeinde arbeitet und den Abend mitorganisierte. Ein reichhaltiges Buffet präsentierte sich direkt neben dem Eingangsbereich und liess einem das Wasser im Mund zusammenlaufen.


Reis aus Afghanistan


«Es ist sehr lecker, besonders die verschiedenen Geschmacksrichtungen und die Granatapfelstückchen dazwischen», äusserte sich Jana Lewandowski. Zusammen mit ihrem Partner Michael Peper hatte sie sich für den Anlass angemeldet. Solinetz sei eine tolle Organisation und als sie zufällig das kleine Inserat gesehen habe, war für das Paar aus Oberengstringen klar, dass sie kommen würden. «Man kennt und sieht ja die Unterkunft im Dorf, aber von den Menschen, die dort leben, weiss man sehr wenig», sagte Michael Peper.


Bei Asylsuchenden beliebt


Neben ihnen sass der bald 20-jährige Hedayatollah aus Afghanistan. Er habe den Reis zubereitet, dieser komme aus seinem Land, erzählte er. Gleich vis à vis berichtete Marco Urban, Leiter der Asylunterkunft in Oberengstringen: «Viele wollten sofort mitwirken, als ich den Vorschlag unterbreitet und gefragt habe, wer von ihnen dabei sein möchte».


Der Einladung gefolgt ist auch Gemeindepräsident André Bender, der sich in einer kleinen Begrüssungsrede für den Abend bedankte. Bedient wurde er unter anderen von Samuel Teklia aus Eritrea. Für den 23-Jährigen, der seit zwei Jahren in der Schweiz lebt, war dieser Dienstag ein besonderer Tag: «Ich habe heute den Vertrag für eine Wohnung in Zürich unterzeichnet und nächste Woche ziehe ich in die neue WG ein», erzählte er mit einem breiten Lächeln im Gesicht.