Hof-Theater
In diesem Bergdietiker Stall gibt es Gesang anstelle von Rindern

Das Hof-Theater gastiert mit den Urstimmen bei der Familie Eichenberger im Oberen Schönenberg.

Franziska Schädel
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Die Scheune wird zur gemütlichen Beiz.
8 Bilder
Logenplätze auf Stühlen und Heuballen.
Die Angus Rinder der Familie Eichenberger
Bratwürste und Kartoffeln zur Stärkung vor der Aufführung.
Warum nicht einmal Unbekannte umarmen
Die Urstsimmen sinnieren u¦êber Beziehungen aller Art
Hof-Theater Bergdietikon
Brillianter A-Cappella-Gesang

Die Scheune wird zur gemütlichen Beiz.

Franziska Schädel

Apolonia und Fanny, die beiden grauen Esel, wundern sich wohl über die vielen Leute, die an diesem lauen Sommerabend ihrem Hof einen Besuch abstatten. Und auch die schwarzen Angus Rinder, die neugierig ihre Köpfe durch die Futterkrippen strecken, sind sich ruhigere Abende gewohnt. Familie Eichenberger im Oberen Schönenberg in Bergdietikon lädt zu Essen und Theater auf ihren Hof.

Im Stall, wo im Winter die Rinder muhen, stehen Festbänke für die Besucher bereit. Viele machen es sich auf den Strohballen entlang der Wände bequem. Ein ungewöhnlicher Theatersaal. Ungewöhnlich auch die vier Urstimmen, die mit Können und Charme das Publikum vom ersten Moment an in ihren Bann ziehen. Tiziana Sarro, Rita Bänziger, Balz Aliesch und Daniel Koller kombinieren in ihren unterhaltsamen Kompositionen aus A-Cappella-Gesang und Schauspiel Szenisches, Musikalisches und Textliches auf immer wieder neue und überraschende Weise. Sie sprühen vor Witz und Ironie, legen mit scharfem Skalpell unsere menschlichen Schwächen bloss, ohne jemals blosszustellen. «Beziehungsweise» nennen sie ihre Aufführung und um Beziehungen geht es. Sie sinnieren über Beziehungskiller, fordern das Publikum auf, sich mit Vornamen zu begrüssen und laden für einen «free hug» auf die Bühne. Selbst unverfängliche Kinderlieder wie «Es wott es Fraueli z’Märit gah» sind vor ihrem Witz nicht sicher. Beziehungsfragen auch dort, warnen die vier Urstimmen. Um häusliche Gewalt und Genderfragen gehe es, erklären sie und setzen an zu einem weiteren atemberaubend präzisen A-Cappella-Gesang.

Martin Eichenberger, der mit seiner Familie bereits in der siebten Generation den Hof führt, ist offen für Neues. Als er vom Hof-Theater hörte, hat er sich spontan als Durchführungsort angemeldet und ist dieses Jahr bereits zum fünften Mal Gastgeber. «Der Stall ist leer, die meisten unserer Rinder sind im Sommer auf der Alp im Engadin. Genug Platz also für einen solchen Anlass», sagt er. Er sorgt mit seiner Familie für das leibliche Wohl der Gäste. Angusbeef-Bratwürste und Bratkartoffeln – ein naheliegendes Angebot, hat sich der Hof doch auf die Aufzucht von Angus Rindern spezialisiert.

Auf offener Strasse künftig Unbekannte zu umarmen, wie es die Urstimmen dem Publikum zur Beziehungspflege ans Herz legen, das kann sich Peter Leuenberger zwar nicht vorstellen. «Da würde ich mir wohl die eine oder andere Ohrfeige einhandeln», sagt er lachend. Aber der Abend hat ihm gut gefallen. Auch Marika Barro ist voll des Lobes: «Ich bin positiv überrascht. Beim A-Cappella-Gesang muss jeder Ton stimmen, denn einen Fehler hört man sofort. Die Vier haben das super gemacht und dabei für gute Stimmung gesorgt.»

«Wir kommen wieder»

«Ein volles Haus, ein idyllischer Ort, gutes Essen und dieser schöne Sommerabend – was will man mehr», sagt Hans Peter Incondi nach der Aufführung. Er ist Geschäftsführer des Vereins Hof-Theater und organisiert seit elf Jahren Theateraufführungen auf Bauernhöfen in der ganzen Schweiz. «Begonnen haben wir mit zwei bis drei Höfen. Mittlerweile beteiligen sich 35 Bauernfamilien in 17 Kantonen», sagt er. Ziel des Vereins ist es, jedes Jahr mit einer neuen Theaterproduktion auf Tournee zu gehen. «Wir kommen wieder», verspricht Incondi. Das Programm steht bereits. Es wird ein intelligenter Heubodenkrimi sein.