Unterengstringen
In die Burg Glanzenberg wird kein Burgfräulein mehr einziehen

Die Standortförderung Limmattal regt den Wiederaufbau der Ruine in Unterengstringen an – doch der Kanton winkt ab. Von der 1267 zerstörten Burg sind noch Teile der einstigen Ringmauer sichtbar. Ein Aufbau scheitert schon an der dürftigen Faktenlage.

Sandro Zimmerli
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Angebliche Zerstörung Glanzenbergs während der Regensberger Fehde (1267), Darstellung aus dem Jahr 1715 – so hätte die Burg damals aussehen können.

Angebliche Zerstörung Glanzenbergs während der Regensberger Fehde (1267), Darstellung aus dem Jahr 1715 – so hätte die Burg damals aussehen können.

Wikipedia

Es war die letzte Chance, einen Waffengang zu verhindern. Doch die Vermittlungsversuche zwischen Rudolf von Habsburg und den nach Einfluss strebenden Freiherren von Regensberg durch die Bischöfe von Konstanz und Basel scheiterten. Die kriegerischen Auseinandersetzungen im Jahr 1267 endeten mit der Niederlage der Regensberger. Ihnen fielen unter anderem das Städtchen und die Burg Glanzenberg zum Opfer.

Heute erinnern nur noch wenige Überreste an die beiden Bauwerke. Vom Städtchen Glanzenberg, beim heutigen Golfplatz Unterengstringen gelegen, sind lediglich Reste der teilweise nicht über die Fundamentgrube hinausgewachsenen Stadtmauer sichtbar. Von der Burg, die 300 Meter entfernt oberhalb der heutigen Überlandstrasse neben dem Kieswerk Hardwald liegt, sind noch Teile der Ringmauer sichtbar.

Die vier Burgen im Limmattal

Neben der Burg Glanzenberg wurden im 11. und 12. Jahrhundert im Limmattal drei weitere Burgen gebaut. Die Wasserburg Schönenwerd stand in Dietikon. Ihre Ruine befindet sich heute rund 200 Meter vom linken Limmatufer entfernt und 600 Meter östlich der SBB-Bahnstation Glanzenberg direkt an der Bahnstrecke.

Die Hasenburg und die Burg Kindhausen lagen auf heutigem Gebiet der Gemeinde Bergdietikon. Erstere befand sich am östlichen Abhang des Reppischtals, östlich des Weilers Gwinden. Zweitere stand auf einem Hügel nördlich des Weilers Ober-Schönenberg. Sämtliche vier Burgruinen wurden in den 1930er-Jahren vom Dietiker Posthalter und Gründer des Ortsmuseums Karl Heid oder unter dessen Mithilfe ausgegraben.

Im Laufe der Jahre fanden weitere Grabungen statt, später wurden die Ruinen von Kantonsarchäologen konserviert. Viel ist von den Bauwerken nicht mehr übrig. Von der Burg Glanzenberg sind es ein Doppelgraben und ein Teil der Ringmauer aus mächtigen Findlingen, die das eigentliche Burgplateau mit dem ehemaligen Wohnturm umschlossen. Der Turm dürfte etwa 12 mal 12 Meter gross gewesen sein.

Bei der Ruine Kindhausen sind noch Reste eines Rundturms sowie des Wohnhauses sichtbar. Die Burg war zweigeteilt. Turm und Wohnhaus befanden sich auf der südlichen Hügelkuppe. Auf der nördlichen stand ein Ökonomiegebäude, von dem ebenfalls Reste vorhanden sind. Der Turm mit einem Durchmesser von rund 4 Metern dürfte einst 15 Meter hoch und durch eine Galerie mit dem Wohnhaus verbunden gewesen sein.
Von der Burg Schönenwerd sind Grundmauern sowie der Grundriss des Turms übrig. Die Reste der Hasenburg wurden nach den Ausgrabungen wieder zugedeckt. (zim)

Doch das müsse nicht so bleiben, findet Bruno Hofer, Geschäftsleiter der die Standortförderung Limmattal. Als Reaktion auf die Diskussion zum Wiederaufbau des Schlosses Stein in Baden hat er in einem Tweet der Standortförderung die Frage aufgeworfen, warum im Limmattal nicht auch die Ruine Glanzenberg wieder aufgebaut werden sollte. Das sei natürlich nur teilweise ernst gemeint, sagt Hofer. «Wir wollen aber darauf aufmerksam machen, dass es im Limmattal durchaus auch Historisches gibt. Viele Leute wissen das gar nicht, kennen beispielsweise keine Ruine Glanzenberg aus eigener Anschauung.»

Mit der Freizeitkarte, die von den Limmattaler Gemeinden an die Neuzuzüger abgegeben wird, hat die Standortförderung Schritte unternommen, daran etwas zu ändern. Darauf ist auch die Ruine Glanzenberg als Sehenswürdigkeit der Gemeinde Unterengstringen verzeichnet.

Hier könnte man aber weiter gehen, meint Hofer. «Auch das Limmattal hat Historisches zu bieten.» Deshalb sei es lohnenswert, selbst über einen Wiederaufbau der Burg zu diskutieren. «Natürlich kostet das viel Geld», so Hofer. Deshalb könnte aus seiner Sicht ein erster Schritt auch darin bestehen, alte Illustrationen beizuziehen und ein mögliches Modell der einstigen Burg zu erstellen und dieses in einem Pavillon bei der Ruine zu zeigen. «Das könnte Kulturinteressierte begeistern.»

Es dürfte allerdings schwierig werden, eine vollständige Rekonstruktion der Burg Glanzenberg zu realisieren, wie Christoph Renold, Leiter Ressort Technik der Zürcher Kantonsarchäologie, erklärt. «Bei vielen Objekten wissen wir gar nicht, wie sie wirklich ausschauten. Nur aufgrund sichtbarer Grundmauern und Grabungsresultaten lässt sich meist nicht sagen, wie die Obergeschosse beschaffen waren», so Renold. Oft basiere das Wissen über ein historisches Gebäude auf wenigen archäologischen Befunden und Funden. Eine Rekonstruktion wäre deshalb in den meisten Fällen ein Fantasiegebilde. Dies gelte auch für ein mögliches Modell.

Im Fall der Burg Glanzenberg komme zudem eine weitere Schwierigkeit hinzu, sagt Renold. «Eine Rekonstruktion an historischer Stätte könnte gar nicht realisiert werden, weil der einstige Burghügel de facto gar nicht mehr existiert», erklärt er. So sind weite Teile durch bauliche Eingriffe abgegraben worden. Etwa bei der Erstellung des Industriegleises südlich der Ruine.

Der «Kommission für zürcherische Altertümer» der antiquarischen Gesellschaft Zürich ist es zu verdanken, dass heute überhaupt noch Reste der Burg sichtbar sind. Sie setzte sich 1923 für den Erhalt des Burghügels ein. Damals war geplant, diesen als Kiesgrube für die neue Überlandstrasse zu nutzen.

Obschon die Rekonstruktion der Burg Glanzenberg wohl eine Idee bleiben wird, werden die Ruinen nicht sich selbst überlassen. So wurden erst Ende letzten Jahres gewisse Konservierungsarbeiten an den Überresten der Burg und des Städtchens Glanzenberg vorgenommen. «Es handelte sich um kleinere Ausbesserungen», sagt Renold.

Meistens müssten die Abdeckungen, welche die Originalsubstanz schützen, geflickt werden. «Unser oberstes Ziel gilt dem Schutz der Originalsubstanz. Deshalb werden die später aufgemauerten Teile immer wieder nachgebessert», so Renold. Insbesondere der Mörtel verfalle wegen der Witterung sehr schnell. Um die Ruinen in Schuss zu halten, würden sie hin und wieder besucht. Zudem sei man auf Hinweise auf schadhafte Stellen angewiesen. «Bei der Ruine Glanzenberg funktioniert das sehr gut.»