Gekleidet in einen weissen Kittel steht der Verkäufer mit strengem Seitenscheitel hinter dem Tresen. Er wartet auf Kundschaft, die ihm seine Maggi-Fleischbrühwürfel und Sarotti-Schokolade abkaufen. Auch Nivea-Creme, Leibnizkekse und Persil-Waschmittel stehen fein säuberlich sortiert in den hölzernen Regalen, die sich bis zur Decke erstrecken. Vor ihm steht eine goldene Kasse, links davon eine weisse Waage.

Echtes Geld verdient der Verkäufer mit seinen Waren aber nicht. Wer hier einkauft, bezahlt mit Spielgeld. Der alte Verkaufsladen für Kinder, mit dem jahrelang gespielt wurde, wird nun im Ortsmuseum in Urdorf nebst zahlreichen anderen Spielwaren ausgestellt.

Spiele, Puppen und Bauklötze

Am kommenden Sonntag öffnet die neue Ausstellung, die ein ganzes Sammelsurium an Gesellschaftsspielen, Puppen, Karten und Bauklötzen zeigt. Die Spielwaren haben sich über Jahrzehnte im Fundus des Ortsmuseums angesammelt, einige der Stücke sind Leihgaben. Die Besucher erwartet eine Zeitreise zurück in die eigene Kindheit. Auch Beatrice Senn, Vertreterin der heimatkundlichen Vereinigung, ist es so ergangen, als sie die ganzen Kisten voller Spielwaren durchwühlt, aussortiert und die schönsten Stücke in den Räumlichkeiten des Ortsmuseums ins rechte Licht gerückt hat. «Für mich gab es so viele Aha-Effekte und ich erinnerte mich an die Zeit zurück, als ich noch gespielt habe», sagt sie.

Auf einem Rundgang durch die Ausstellung entdeckt der Besucher allerlei Bekanntes. Dreierlei alte Mühlespiele, dessen Steine schon ganz vergriffen sind und das Gesellschaftsspiel «Fang den Hut» mit Spielfiguren aus Karton liegen neben verschiedenen Ausgaben des «Leiterlispiels».

Vieles darf angefasst werden

In einer anderen Ecke hocken drei Puppen auf ihren Stühlchen zum Kaffeekränzchen. Die eine ist aus feinem Porzellan gefertigt und trägt eine braune Perücke. Die Zweite hat alte Kniegelenke aus Leder, die mit einer Schraube zusammengehalten werden. Die Letzte am Tisch ist von Kopf bis Fuss aus Plastik und ihr kleiner Mund ist rot bemalt.

Auch Spielsachen, die das Herz von Knaben höher schlagen lassen, finden ihren Platz. Dazu gehören im Erzgebirge gefertigte Holzfiguren, die auf rot bemalten Feuerwehrautos mit goldigen Rädern sitzen.
Die Ausstellung wird für mindestens ein Jahr im Ortsmuseum bleiben. Mit allem, was nicht hinter Glasvitrinen sei, dürfe man übrigens spielen, so Senn. Familien mit Kindern seien deshalb ebenfalls herzlich willkommen.

Die Ausstellung im Ortsmuseum ist jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr geöffnet.