Limmattal
In der Jugendfeuerwehr lernen, sich unterzuordnen

Das Kommando der Jugendfeuerwehr des Bezirks geht auf den 1. Januar 2013 in neue Hände über. Nachfolger von Urs Rimensberger wird Peter Knuchel, 54, derzeit Vizekommandant der Gemeindefeuerwehr von Oberengstringen.

Flavio Fuoli
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Jugendfeuerwehr Bezirk Dietikon
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Spektakuläre Übung der Jugendfeuerwehr
Urs Rimensberger (l.) tritt ab, Peter Knuchel tritt die Nachfolge an. fuo
Die Mitglieder der Jugendfeuerwehr sind 14 bis 18 Jahre alt
Bei der Jugendfeuerwehr Bezirk Dietikon werden die Jugendlichen behutsam auf die Feuerwehr vorbereitet
An den gefährlichen Übungen dürfen die Jugendlichen noch nicht teilnehmen
Materialkunde ist ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitungen

Jugendfeuerwehr Bezirk Dietikon

Limmattaler Zeitung

Urs Rimensberger, 55, Urdorfer Gemeinderat und ehemals Vizekommandant der örtlichen Feuerwehr, gibt seinen Posten als Kommandant der Jugendfeuerwehr des Bezirks ab. Sein Nachfolger wird Peter Knuchel, 54, derzeit Vizekommandant der Gemeindefeuerwehr von Oberengstringen.

Jugendfeuerwehr? Was versteht man darunter? Dahinter steckt eine Nachwuchsschulung für die Milizfeuerwehr der Gemeinden. Die Ausbildung von Knaben und Mädchen erfolgt zwischen 14 und 18 Jahren. «18-Jährige sollten als fertig ausgebildete Feuerwehrsoldaten oder -soldatinnen in die Milizorganisation übertreten können», erklärt Rimensberger, der das Amt seit 2005 innehatte.

Sieben Übungen pro Jahr

Wichtig ist, dass die jungen Feuerwehrleute bis zum Ende ihrer Ausbildung keinen Ernstfällen ausgesetzt werden. Pro Jahr stehen sieben Übungen auf dem Programm. Dort werden sie an sämtlichen Geräten ausgebildet, wobei grosser Wert auf altersgerecht Übungen gelegt wird. Die Jüngsten beginnen mit Seilen und Knoten, mit der Bedienung des Hydranten, dem Leitungsbau oder mit Materialkunde. So lernen sie beispielsweise das gesamte Material eines Tanklöschfahrzeugs kennen.

«Die Ausbildung erfolgt wie in der Schule und entspricht Kindergarten, Vorstufe und Oberstufe bis zum Übertritt in die eigentliche Feuerwehr», schildert Knuchel die Philosophie dahinter. So nehme der Druck ständig zu, es werde mehr Gewicht auf Tempo gelegt, das Material muss bekannt sein.

«Sie dürfen im Einsatz nicht mehr alles hinterfragen», verlangt Rimensberger von seinen älteren Nachwuchsleuten. Feuerwehrsoldaten mit Spezialausbildung werden die jungen Leute erst nach dem Übertritt in die Dorffeuerwehren.

Spielt die Nationalität bei der Feuerwehr noch eine Rolle? «Die ist egal. Aber die Mundart müssen sie beherrschen. Wir können im Einsatz nicht Hochdeutsch sprechen», nennt Knuchel die Bedingungen.

«Es macht Spass mit den Jungen»

Der bald ehemalige und der neue Kommandant waren beide jahrelang Klassenlehrer bei der Jugendfeuerwehr der Bezirke Zürich und Dietikon, wie die Organisation offiziell heisst. Der Limmattaler Teil umfasst ungefähr 25 junge Leute, der Gesamtbestand liegt bei 55 bis 58 Leuten.

«Weil ich gesund und noch aktiv in der Feuerwehr bin, nehme ich das Amt gerne an», gesteht Knuchel. «Es mache Spass, mit den Jungen zu arbeiten. Man kann ihnen noch sehr viel weitergeben.» Dabei gehe es nicht nur um das Feuerwehrhandwerk, sondern auch ums Soziale. «Sie können auch mit ihren privaten Problemen zu uns kommen», so Knuchel.

«Das sind keine Ferien»

Rimensberger weist noch auf eine weitere Besonderheit der Feuerwehr hin, die heute vielleicht nicht mehr überall in Mode ist: «Die Ausbildung ist nahrhaft; es sind keine Ferien, obwohl der Spass nicht zu kurz kommt. Die angehenden Feuerwehrleute lernen, sich unterzuordnen.» So sage bei einer Übung immer der Chef, was zu tun ist. «In einem gewissen Masse wollen die Jungen das auch.»

Die Jugendfeuerwehr wird teilweise von den Gemeinden finanziert. Pro Jugendlicher und Übung zahlt eine Gemeinde 25 Franken. Allfällige Defizite übernimmt der Feuerwehrverband. Die Gemeinden tun gut daran, ihrem Feuerwehrnachwuchs gute Bedingungen zu schaffen. Der Nachwuchs sei allgemein «recht stark rückläufig», so Knuchel. Die Anwerbung erfolge oft durch Mundpropaganda. Vielfach würden es Jugendliche ihrem Vater nachtun, der auch bei der Feuerwehr engagiert ist, ergänzt Rimensberger.

Er selber hatte als Kommandant einmal eine spezielle Begegnung: Im Hauptbahnhof Zürich, inmitten tausender Reisender, kam eine junge Frau auf ihn zu und gab sich freudig als ehemaliges Mitglied der Jugendfeuerwehr und seiner Klasse aus. «Das hat mich wahnsinnig gefreut. Dass Junge dich in Zivil erkennen und dich grüssen, das zeigt, dass ich nicht alles falsch gemacht habe.»

Interessenten finden alles Wissenswerte unter www.jfw.li