Einen Schritt vorwärts, einen Schritt zurück, einen Schritt vorwärts, einen Schritt zurück: Seit zwei Jahren kommt die Stadt Dietikon mit ihrem Projekt Flussbalkone auf dem Kronenareal nicht vom Fleck. Nun macht sie wieder einen Schritt vorwärts: Der Stadtrat legt dem Gemeinderat eine Teilrevision der Bau- und Zonenordnung vor.

Damit soll die Grundlage geschaffen werden, um das von Stararchitektin Tilla Theus geplante Projekt für die Liegenschaften auf dem Kronenareal endlich zum Abschluss zu bringen. Ursprünglich wurde dem Projekt bereits im Januar 2011 die Baubewilligung erteilt. Danach blockierte der Rekurs eines Nachbars die Weiterführung um rund ein Jahr. Der Rekurs, den die Stadt verlor, ist unterdessen bereinigt, das Projekt wurde leicht angepasst.

Heutige Vorschriften sind «zu eng»

Doch im Sommer 2012 kam der nächste Rückschlag: Die kantonale Baudirektion hob die Baubewilligung auf, weil sie auf Unstimmigkeiten gestossen war. Sie entschied, dass gewisse gestalterische Elemente der geplanten Überbauung mit den Dietiker Kernzonenbestimmungen nicht konform seien. Ein Entscheid, der laut den Verantwortlichen der Stadt Dietikon nicht vorhersehbar gewesen war: Die Auslegung der Vorschriften sei Interpretationssache.

Die Stadt entschied in Absprache mit der Baudirektion, ihre Bau- und Zonenordnung leicht anzupassen, um gestalterische Abweichungen von der Kernzonenvorschrift zu erlauben, wenn das Projekt qualitativ besonders hochwertig ist. Ein Entscheid, der teilweise kritisiert wurde. So wollte CVP-Gemeinderat Gabriele Olivieri in einer Anfrage vom Stadtrat wissen, warum dieser die Bestimmungen an das Projekt anpasse statt das Projekt an das geltende Gesetz. Die Antwort steht noch aus.

Der Stadtrat kann sein Vorgehen aber durchaus rechtfertigen. Eine Anpassung des Projekts kam für ihn nicht infrage, da zur geplanten Überbauung auch drei Mehrfamilienhäuser von privaten Eigentümern gehören, die damals längst im Bau waren - und sonst nicht mehr zu den anderen Gebäuden gepasst hätten. Eine leichte Öffnung der gestalterischen Möglichkeiten sei sinnvoller, sagt Stadtpräsident Otto Müller. Denn: «Die Vorschriften, die wir heute für die Kernzone haben, sind etwas zu eng.» Man bekomme immer wieder Anfragen für Ausnahmebewilligungen. Indem man mit der angepassten Bauordnung eine Grundlage schaffe, die allen zugute komme, wolle man auch zeitgenössische Architektur in der Kernzone ermöglichen. Man hätte sich auch dafür entscheiden können, einen Gestaltungsplan für das Projekt zu erstellen, sagt Stadtplaner Jürg Bösch. «Damit hätten wir aber nur unser eigenes Problem gelöst.»

Die Klausel, mit der die Bau- und Zonenordnung ergänzt werden soll, hält fest, dass Projekte mit zeitgenössischer Architektur, die von einem durch die Baubehörde eingesetzten Fachgremium als besonders gut beurteilt werden, gestalterisch von den Kernzonenbestimmungen abweichen dürfen. Das Nutzungsmass darf sich dadurch aber nicht erhöhen.

Keine «Lex Dietikon»

Bösch betont, dass damit keine «Lex Dietikon» geschaffen werde: Diverse Zürcher Gemeinden seien mit dem gleichen Problem konfrontiert gewesen und hätten ihre Bauordnungen bereits auf ähnliche Art und Weise angepasst. Dazu gehören unter anderem Regensdorf oder Männedorf.

Der Gemeinderat wird voraussichtlich im Juni oder Juli über die revidierte Bauordnung entscheiden. Die Stadt kann frühestens Ende Jahr auf die neue Baubewilligung für das Projekt hoffen. Drei Gebäude will sie inklusive Baubewilligung an einen Investor verkaufen. Dieser wurde bereits vor mehr als einem Jahr gefunden, hat aber noch keinen Vertrag unterschrieben. Er sei aber nach wie vor interessiert, sagt Müller.