Nationaler Wettbewerb

In der Debattier-Arena gibt es für die beiden Urdorfer keine Zurückhaltung

Die Notenständer dienen zu Übungszwecken als Rednerpulte: Manuel Rölli und Jannina Stüben sind bereit für die grosse Debatte.

Die Notenständer dienen zu Übungszwecken als Rednerpulte: Manuel Rölli und Jannina Stüben sind bereit für die grosse Debatte.

Zwei Urdorfer haben die Chance, sich für einen nationalen Debattierwettbewerb zu qualifizieren.

Zuerst haben sich die beiden Schüler der Kantonsschule Limmattal gegen ihre Klassenkameraden durchgesetzt. Dann hatten sie auch bei der schulinternen Ausscheidung die Nase vorn. Die 17-jährige Jannina Stüben und der 16-jährige Manuel Rölli haben sich für das Zürcher Finale des nationalen Wettbewerbs «Jugend debattiert» qualifiziert.

Bei diesem geht es darum, dass Jugendliche lernen, wie man debattiert. Die Idee stammt aus Deutschland und kam vor rund zehn Jahren in die Schweiz. An den Vorausscheidungen für den diesjährigen nationalen Wettbewerb, der jedes zweite Jahr stattfindet, haben rund 8500 Jugendliche von 70 Schulen teilgenommen.

Die Durchführung der Debatten ist streng geregelt. Eine Woche vor der Debatte wird das Thema bekannt gegeben, später folgt die Zuteilung zur Pro- und Contraseite. In der Debatte treten vier Einzelkämpfer gegeneinander an: zwei Befürworter und zwei Gegner. Nach einer kurzen Eröffnungsrede bleiben ihnen zwölf Minuten, um ihre Argumente vorzubringen und die Jury zu überzeugen. Am Ende der Debatte hat jeder die Möglichkeit, in einer Minute seinen Standpunkt nochmals darzulegen.

Gespannt auf das kantonale Niveau

An der Kantonsschule Limmattal gehört das Training im Debattieren zum Programm im Deutschunterricht. Innerhalb der Klasse finden jeweils Ausscheidungen statt, bei denen die Schüler ihre Mitschüler an Kriterien wie Ausdruck, Überzeugungskraft oder Sachkenntnis messen. Zu den diskutierten Themen gehören etwa Abstimmungsvorlagen und ethische Fragen wie die Todesstrafe. Vor 80 Mitschülern fand dann das schulinterne Finale statt, das Jannina Stüben und Manuel Rölli für sich entschieden haben.

«Vor dem Final war ich sehr nervös, obwohl ich sonst keine Probleme habe, Vorträge vor der Klasse zu halten», gesteht Rölli. Dies bestätigt auch Stüben. «Mir hilft, wenn ich im Publikum vertraute Gesichter anschauen kann», sagt sie. Beide hätten nie gedacht, dass sie in das Finale kommen und dort erfolgreich sind. Umso grösser ist ihre Freude, dass sie Anfang Februar in der Kantonsschule Rämibühl gegen andere Zürcher antreten dürfen: «Wir sind gespannt, wie hoch das Niveau sein wird, da wir bisher nur einen schulinternen Vergleich hatten», sagt Stüben.

Argumente des Gegners verstehen

Obwohl beide bisher keine politischen Ambitionen haben, nehmen sie den Zusatzaufwand gerne auf sich. «Es ist in vielen Bereichen nützlich, sich und seine Argumente gut zu präsentieren», so Rölli. Man lerne auch, sich mit den Argumenten des Gegners auseinanderzusetzen, weil man auch Positionen vertreten muss, die nicht der persönlichen Meinung entsprechen. «Man ist viel offener, wenn man sich nicht mit einer vorgefertigten Meinung einbringen kann», sagt Stüben. «Die Auseinandersetzung mit gegnerischen Argumenten kann auch sehr lehrreich sein, weil man sich immer wieder mit neuen Aspekten befasst», pflichtet Rölli bei.

Im Unterschied zu persönlichen Gesprächen sei die Debattier-Arena eine Kampfzone: «Die Zurückhaltung ist geringer, weil niemand persönlich verletzt werden kann», sagt Stüben. Wichtig sei nur, dass man überzeugen kann, fügt Rölli hinzu. Wie gut sich die Wirtschaftlerin Stüben – die blitzschnell auf Argumente reagieren könne – und der Altsprachler Rölli – der mit seiner Präsenz überzeuge – schlagen werden, wird sich am Freitag in einer Woche zeigen.

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