Zwischen sauber geordneten Büchern und Magazinen befindet sich das Reich von Marianna Portaluri. So heisst die Leiterin der Geroldswiler Bibliothek. Nachdem ihre Vorgängerin Cornelia Voltzenlogel im Sommer letzten Jahres kündigte, entschied sich das Bibliotheksteam für Portaluri. Wirklich neu ist die Geroldswilerin aber nicht in der Bibliothek. Sie arbeitet bereits seit 2013 dort. Nun, als Herrin über Tausende Bücher, sitzt sie umstellt von Bücherregalen und spricht über ihren Werdegang. «2013 war die Stelle in den ‹Geroldswiler Nachrichten› ausgeschrieben», sagt sie.

Davor arbeitete Portaluri bei einer Bank, danach in der Telekommunikation. Doch ihr war nach einer neuen Herausforderung. Kurzum bewarb sie sich für die Stelle in der Bibliothek und wurde eingestellt. Nach mehr als sechs Jahren als Mitarbeiterin folgte im August letzten Jahres ein neuer Meilenstein für Portaluri. Die Leitung der Bibliothek zu übernehmen sei eine Herausforderung, sagt sie. Bisher verwaltete sie nur ihr eigenes Budget, und nun hat sie die Verantwortung über die gesamte Bibliothek. Auch muss sie verschiedene administrative Aufgaben übernehmen. Abgeschreckt haben sie diese Herausforderungen aber nicht. Und: «Ich habe die Leitung angenommen, weil ich wusste, dass das Team auch gut ist. Die Arbeit hier interessiert mich und macht mir vor allem Spass.»

Kinder zum Lesen motivieren

Marianna Portaluri ist eine Leseratte. Ein Lieblingsbuch hat sie jedoch nicht. «Ich bin offen. Bei mir hängen meine Lesevorlieben von den Lebensphasen ab», sagt sie. Als sie zum Beispiel ihre Tochter erwartete, las sie Sachbücher zum Thema Schwangerschaft. Inzwischen hat sie ein Faible für Thriller entwickelt. «Beim Lesen ist man in einer anderen Welt und kann abschalten».

Dieses Gefühl will Portaluri auch anderen mitgeben – angefangen bei den Jüngsten. Die Bibliotheksleiterin folgt nicht der gängigen Meinung, dass die heutige Jugend nicht mehr liest. «Ja, Spielzeuge und Spielverhalten haben sich sicherlich verändert. Aber die Printmedien sterben nicht aus», sagt sie. Man müsse den Nachwuchs nur früh genug für Bücher begeistern. Dafür gebe es in der Geroldswiler Bibliothek den «Buchstart» für Kinder ab einem Alter von 18 Monaten. Zusammen mit einer Animatorin singen die Kinder, sagen Versli auf oder spielen zusammen. Auch die Märchenstunden stossen auf Anklang beim Nachwuchs. «Familien machen einen grossen Teil der Kundschaft aus», so Portaluri. Sie weiss, von was sie spricht. Sie hat selbst eine Tochter, die inzwischen 18 Jahre alt ist. Diese habe als Kind viel gelesen, mit der Pubertät nahm ihre Begeisterung für Bücher wieder ab. «Ich denke, es ist normal, wenn Teenager zeitweise weniger Interesse zeigen. Aber das kommt wieder.» Inzwischen liest die Tochter wieder gerne.

Die Autoren live erleben

Für motivierende Massnahmen beim Nachwuchs hat die Bibliothek Geroldswil bereits gesorgt. Nur was ist mit den Erwachsenen? Welche Rolle spielt hier die Digitalisierung? «Wir leihen E-Reader sowie E-Books aus», so Portaluri. Auch ist die Bibliothek Teil des Medio-Pass-Verbunds. Mit dem entsprechenden Ausweis können in rund 18 Bibliotheken in der Region Medien ausgeliehen werden. Um den erwachsenen Kundenstamm nicht zu verlieren, wird aber noch mehr unternommen: «Rund zwei Mal im Jahr veranstalten wir Lesungen mit Autoren», sagt Portaluri. Diese Events habe sie besonders gern. «Hat mich ein Buch fasziniert, kann es sehr spannend sein, den Autor persönlich kennen zu lernen.» Möglichkeiten zum Austausch bietet auch das «Café Littéraire», das jeden Monat stattfindet und kürzlich sein 40-Jahr-Jubiläum feierte.

Hoffnung Zentrumsentwicklung

Portaluri fasst zusammen: «Mein Beruf ist nicht derselbe wie früher. Die Aufgaben einer Bibliothekarin sind vielfältiger und komplexer geworden. Heute muss man die Leute in die Bibliothek locken. Ausserdem ist die Bibliothek kein Ort mehr, an dem man still sein muss. Es darf gelebt werden.» Die Bibliotheksleiterin hat ein genaues Ziel: «Wir müssen am Ball bleiben, publikumsnah und im Dorf integriert sein.» Portaluri sieht Chancen im Projekt Zentrumsentwicklung. Die Bibliothek bekomme dann einen neuen Standort, der noch zentraler sei.