Noch fehlt ein Teigbällchen des Dreikönigskuchens, noch fehlt der weisse Plastikkönig. Erst in das letzte Stück des Kranzes steckt Michael Bode Gioffreda das Figürchen. So behält der Bäcker und Inhaber der Bäckerei Meuli in Oberengstringen den Überblick und weiss, dass er nur einen König pro Kuchen versteckt hat. Es sollen sich schliesslich nicht zwei Leute um dieselbe Krone streiten müssen.

Seit dem frühen Morgen steht Bode Gioffreda zusammen mit Mitarbeiter Heinz Wisler in der Backstube und verarbeitet den süsslichen Hefeteig zu Dreikönigskuchen. Sind Mehl, Hefe, Zucker, Milch, Butter und Rosinen zu einer Masse geknetet, muss der Teig erst eine halbe Stunde ruhen. Dann trennt der Bäcker nach und nach 1,4 Kilogramm schwere Stücke davon ab und klopft den Teig flach zu einem Fladen auf eine Vorlage.

Maschine übernimmt Kneten

Das Kneten der Teiglinge ist heute keine Handarbeit mehr. Eine Maschine formt aus dem Teig Bällchen, die alle genau gleich gross und gleich schwer sind. «Die werden im Ofen noch mindestens doppelt so gross», sagt Bode Gioffreda und beginnt, die Bollen um das Mittelstück des Gebäcks zu legen. Je nach Grösse des Kuchens kann das Mittelstück auch aus drei oder mehr Bollen bestehen.
Da die Kundenwünsche unterschiedlich sind, werden Dreikönigskuchen in allen Grössen gebacken. Am beliebtesten sind jene mit sechs und acht Stücken. «Wir haben aber auch schon 200 Teiglinge aneinander gereiht», sagt Wisler und schmunzelt.

Der Kunde ist in der Bäckerei Meuli König. Auch an Alleinstehende wird gedacht: Für sie gibt es Dreikönigskuchen mit lediglich drei Brötchen. Andere wollen gleich mehrere Könige im Kuchen versteckt haben. «Ob in jedem Brötchen einen König oder nur im Mittelstück - wir machen alles», sagt Bode Gioffreda. Sogar den Teig gibt es in zweierlei Ausführung: klassisch mit Rosinen oder alternativ mit Schokoladenstückchen.

Doch wie erkennt man, in welchem Brötchen der König steckt? Die beiden Bäcker schauen sich lachend an. Im besten Fall merke man das eben gar nicht, meint Bode Gioffreda. «Nun gut, manchmal hat der Teigling, in dem der König steckt, auf der Unterseite eine Falte», verrät Wisler und fügt schnell an: «Aber wirklich nur manchmal.»

200 Kilo Teig

Während sieben Tagen werden bei der Bäckerei Meuli Dreikönigskuchen gebacken. Wie viel Teig dabei verarbeitet werden muss, um die Nachfrage abzudecken, ist für die Bäckerei schwierig einzuschätzen. Gerade in der Ferienzeit brauche es aber etwas weniger, weiss Bode Gioffreda. «Ich schätze, dass es um die 200 Kilogramm Teig sind, die wir verarbeiten werden.» Sollte das doch nicht ausreichen, sei in zwei bis drei Stunden für Nachschub gesorgt.

Der zu Kuchen geformte Teig wird jeweils kurz nach dem Formen eingefroren. Am nächsten Morgen wird er in der Backstube aufgetaut und frisch gebacken. Weil der Dreikönigstag dieses Jahr auf einen Sonntag fällt, hat die Bäckerei Meuli heute ausnahmsweise bis 12 Uhr geöffnet. «So kann der Dreikönigskuchen frisch bei uns gekauft werden», sagt Bode Gioffreda.