Der Gedanke, eine Weltreise zu unternehmen, fasziniert viele, aber schreckt zugleich ab. Doch nicht Romy Müller und Miro Slezak aus Weiningen. Das Paar erfüllte sich diesen Traum. In vier rund sechsmonatigen Etappen reisten die beiden von Europa bis nach Asien, vom Himalaja-Gebirge nach Australien, über die USA und Kanada bis nach Alaska. Ein Gebiet jedoch fehlte auf ihrer Weltreise Route: Südamerika. Von dieser neun-wöchigen Reise werden sie heute im Embrisaal Urdorf mittels einer Multimediashow berichten.

Müller hat das Fernweh schon früh gepackt. Die 67-Jährige ist mit ihren Eltern auf einem Bauernhof aufgewachsen. «Ich wollte schon immer reisen. Meine Eltern hatten aber nie das Bedürfnis danach», sagt sie. Im Alter von 18 Jahren kaufte sie sich ihre erste eigene Kamera und machte sich fünf Jahre später dann mit ihrem damaligen Partner auf die erste grosse Reise nach Indien. Zufälligerweise war auch Slezak zur selben Zeit in Indien.

«Wer möchte mit nach Kuba?»

Doch damals in Indien begegneten sich die beiden noch nicht. Erst vor 20 Jahren, als Müller ein Inserat im Reisemagazin «Globetrotter» schaltete. Sie suchte einen Begleiter für eine Kuba-Reise. «Ich habe nur die Überschrift ‹Wer hat Lust nach Kuba zu reisen?› gesehen und habe mich daraufhin sofort bei ihr gemeldet», erzählt Slezak und lacht.

So begann die Liebesgeschichte der beiden. Gemeinsam reisten sie um die Welt. Meist waren sie mit Slezaks orangefarbenen VW-Bus unterwegs, das momentan in einer Garage in Urdorf steht. Müller schaut Slezak an und klopft ihm auf die Schulter. «Den Bus wird er nie verkaufen, er ist sein Baby.»

Auf ihrer letzten grossen Reise war das pensionierte Paar zwar nicht mit dem VW-Bus unterwegs, hat aber vor Ort, wo möglich, jeweils ein Gefährt gemietet. Südamerika hatten die zwei bereits früher bereist. «Man muss nach einer Reise nicht meinen, man sei nun ein Experte», sagt Müller. «Man erhält einen kleinen Einblick in die ausländische Kultur. Es gibt aber jedes Mal viele neue Dinge zu entdecken.»

Bilder aus den USA von Romy Müller:

 

Das Paar bereiste in Südamerika touristische Anziehungspunkte, wie beispielsweise die Kleinstadt Puerto Igazu, die zwischen Argentinien, Brasilien und Paraguay liegt. Dort bestaunten die beiden die Wasserfälle in einem Nationalpark und begegneten heimtückischen Nasenbären, die bei einer Wanderung ihre Nahrungsverpflegung stibitzten. Doch sie besuchten auch isolierte Orte, wie die geheimnisvolle Osterinsel, mitten im Pazifik.

Die Insel gehört zwar politisch zu Chile, jedoch ist die Entfernung vom Festland gross und die Kultur daher eigenständig. Die Inselbewohner gehören zu einer Südseevölkergruppe. Die polynesische Kultur beeindruckte Müller und Slezak besonders. «Die Bewohner haben uns mit Blumenkränzen empfangen», erzählt Slezak. Unweit ihres Hotels, nahe am Meer, fand ein Gesangs- und Tanzwettbewerb statt. «Gesungen wird so lange, bis eine Gruppe einen Fehler macht, maximal aber sieben Stunden. Wir hielten ganze fünf Stunden durch», sagt Müller lachend.

Gar nicht so teuer

Vom subtropisch warmen Klima ging es weiter zur eisigen Antarktis. Mit einem Schlauchboot fahren sie kreuz und quer durch eine Bucht. Immer wieder tauchen riesige Wale auf, oft in sehr kleiner Entfernung zum Boot. «Es ist faszinierend, ihnen zuzuschauen, gleichzeitig aber auch etwas beängstigend, in einem zerbrechlichen Boot so nah bei diesen gewaltigen Tieren zu sitzen», erzählt Müller.

Seit zwei Jahren sind die beiden nun wieder zu Hause in der Schweiz. Die Reise sei anstrengend gewesen, ist sich das Limmattaler Paar einig. Im Wohnmobil standen nur wenige Quadratmeter zur Verfügung. Heute geniessen sie den Komfort in ihrer neuen Wohnung in Weiningen, obwohl sie ab und zu die Ferne vermissen. «Uns zog es zu den Polarlichtern, weshalb wir erst kürzlich eine Woche in Norwegen verbrachten», sagt Slezak. Das nächste Ziel ist auch schon bekannt: Im Herbst wird es nach Südafrika gehen.

Doch wie finanzieren sie sich ihre Reisen? «Es ist gar nicht so teuer, wie manch einer denkt. Im Ausland ist das Leben meist günstiger und oft haben wir im Wohnmobil gekocht», sagt Müller. «Wir hatten damals auch eine günstige Genossenschaftswohnung in Urdorf», fügt Slezak an. Diese stand während der Weltreise meist leer.

Sie machten jedoch Reise-Pausen, um wieder in der Wohnung zu sein und soziale Kontakte aus der Schweiz zu pflegen.
Das Reisen wird wohl immer ein Bestandteil von Müller und Slezaks Leben sein. «Aber eine solch lange Reise werden wir bestimmt nicht mehr machen», sagt Müller.