Kati Rickenbach, Catalin Dorian Florescu und Barbara Kopp, drei preisgekrönte Zürcher Autoren, machten gestern auf ihrer Lesereise durch den Kanton Halt in der Stadtbibliothek in Dietikon. Sie lasen aus ihren Werken, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Es war eine eindrückliche Matinee mit literarischen Leckerbissen.

Einmal im Jahr vergibt die Fachstelle Kultur des Kantons Zürich Werkbeiträge an Autorinnen und Autoren, deren Texte im Entstehen begriffen sind. Sieben Zürcher Autorinnen und Autoren wurden dieses Jahr unterstützt. Zudem erhielten zwei Autoren auf Empfehlung der Fachstelle Literatur eine Anerkennung für bereits veröffentlichte Werke. Zur Zeit befinden sich diese Literaturschaffenden auf einer Lesereise, die drei von ihnen gestern nach Dietikon brachte.

Durch die Matinee führte Tilo Krause. Zu sehen gab es einen grafischen Roman, der noch im Entstehen ist. Zu Hören war der Beginn einer langen Reise, die im Rumänien der 1920er-Jahre startete. Schliesslich stellte sich die Frage, ob das Führen einer Patchworkfamilie in der heutigen Zeit tatsächlich ein «Kinderspiel» ist.

Der Bogen durch Raum und Zeit

«Woran lassen sich zwischenmenschliche Konflikte aufzeichnen?» Barbara Kopp brachte gleich zu Beginn auf den Punkt, worum es ihr in ihrem Werk geht: «Meiner Meinung nach geht das nur im Kleinen. Dort liegt auch der Abgrund.»

«Kinderspiel» heisst ihr neues Buch, das zurzeit am Entstehen ist. Im Frühling reichte die Autorin, Journalistin und Historikerin einen Auszug aus ihrem Werk der Fachjury des Kantons ein, prompt erhielt sie einen Werkbeitrag. Es geht um die Frage, ob Patchwork überhaupt möglich ist.

Schonungslos und mit unglaublicher Präzision schildert die Autorin die Geschichte des Mädchens Sib, ein Teenager ausgestattet mit Handy, Eyeliner und Umhängetasche. «Hey Leute, ich kann auch woanders schlafen», schreibt sie als SMS in ihr Handy. Eines Tages ist sie tatsächlich weg. Ist Patchwork «Kinderspiel», oder viel eher ein «Spiel» mit Kindern, das bisweilen sehr gefährlich sein kann?

Ebenso im Kleinen und im Alltäglichen begann der Autor Catalin Dorian Florescu seinen Roman «Der Mann, der das Glück bringt». Allerdings beginnt seine Geschichte im Rumänien der 1920er-Jahre. Im Donaudelta. Mit unglaublicher Empathie für die Zeit und die Orte, in denen seine Protagonisten sich bewegen, spannt er einen Bogen durch die Zeit, bis seine Reise schliesslich endet im Gewirr von 9/11, in New York, 2001.

Auf in ein ganz anderes Genre des Geschichtenerzählens hat sich die Comicautorin und Mitherausgeberin des Comicmagazins «Strapazin», Kati Rickenbach, spezialisiert – nämlich dem grafischen Roman. Ihr Werk «Nadjia» präsentierte sie gestern am Beamer, wo sie mit ihrem eigenwilligen Comicstrich und kurzen prägnanten Sätzen einen Krimi zu erzählen begann. Bewundernswert ist ihre scharfe Beobachtungsgabe, mit der sie die Schauplätze in Zürich, wo die Exilbaslerin seit zehn Jahren lebt, darstellt.

Ebenso stilsicher sind die Dialoge ihrer Protagonisten. Musikalisch wurde die Matinee von der singenden Bassistin Anna Trauffer begleitet. Die Laudatio zu den einzelnen Werken hielt die Privatdozentin der Uni Bern, Irmgard Wirtz Eybl.