Birmensdorf

In Birmensdorf funktioniert die Vernetzung von Natur und Mensch

Wer achtlos durch eine Blumenwiese läuft, kann viele Lebensräume zerstören.

Wer achtlos durch eine Blumenwiese läuft, kann viele Lebensräume zerstören.

Die Gemeinde Birmensdorf arbeitet in einem Vernetzungsprojekt mit den Landwirten zusammen. Das Ziel: die Erhaltung und Förderung der Natur und Landschaftswerte und die Vernetzung naturnaher Lebensräume.

Gemeinderat Bruno Knecht war überwältigt ob dem Ansturm. Rund 60 Personen haben sich am Samstag bei der Waldhütte Ettenberg versammelt, um bei einer Flurbegehung mehr über das Vernetzungsprojekt zu erfahren: «Wir haben mit etwa 20 Personen gerechnet, nun sind es viel mehr», freut sich Knecht.

In seiner Ansprache erklärt er, dass ein Vernetzungsprojekt mit der Arbeit im heimischen Garten vergleichbar ist: die optimale Symbiose zwischen Natur und von Menschenhand geschaffener Eingriffe. Ein bisschen komplexer ist es natürlich schon: Bei der Flurbegehung durch das malerische Wüerital stehen Bruno Knecht auch Stefan Gut, Landwirt und Leiter des Vernetzungsprojekts Birmensdorf, sowie Experten aus Natur- und Vogelschutz und dem Forstdienst zur Seite.

Teilnahme ist freiwillig

Die Teilnehmer lernen schon zu Beginn, dass auch ein Waldrand ein wichtiger Bestandteil im Vernetzungsprojekt darstellt. Wenn ein solcher in verschiedenen Stufen gestaltet wird, bietet er Schutz vor Wind und für heimisches Wild. Schnell wird klar, dass die Landwirte bei diesem Projekt stark in der Pflicht stehen. Die Teilnahme ist allerdings freiwillig, sie werden jedoch mit Förderbeiträgen des Kantons «belohnt». Denn die Vernetzungsprojekte stützen sich auf die Bundes-Verordnung zur regionalen Förderung von ökologischen Ausgleichsflächen in der Landwirtschaft (Ökoqualitätsverordnung ÖQV). Ein Bewirtschafter verpflichtet sich dabei, einen sechsjährigen Vertrag einzuhalten, den er mit der Trägerschaft des Projekts - in der Regel der Gemeinde - abschliesst.

Bio-Kläranlage und Blumenwiesen

Das verfügbare Gebiet in Birmensdorf bringt für das Projekt bereits die optimalen Voraussetzungen mit. Doch weshalb soll man die Natur an der langen Leine halten? «Wenn der Mensch nicht eingreift, dann würde hier bald wieder überall ein Wald stehen», so Stefan Gut auf eine Frage aus dem Publikum.

Ein besonderes Interesse gilt auch den künstlich angelegten Weihern im Wüerital. Es handelt sich dabei um eine Strassenabwasser-Reinigungsanlage, oder auch «Bio-Kläranlage» genannt. Bei Regen fliesst das Schmutzwasser der Autobahn vom Verkehrsdreieck Filderen durch einen Zuleitungsstollen in die Absatzbecken. Ein biochemischer Prozess beginnt und es entstehen Biotope, welche einen Lebensraum für Grasfrösche oder die grosse Königslibelle schaffen.

Neben den Feuchtgebieten stehen besonders die Blumenwiesen im Zentrum. Die Idylle macht vielen Besuchern des Rundgangs Lust, sich darin zu erfreuen. Allerdings hielt sich jeder an die eigens vorbereiteten Pfade. «Viele denken oft nicht nach, wenn sie achtlos durch eine Wiese laufen. Dabei können Lebensräume zerstört werden», meint Bruno Knecht. Auch bei Wiesen gelten übrigens feste Schneide-Daten.

Die Flurbegehung in Birmensdorf war ein voller Erfolg. «Für uns war es wichtig zu erklären, was das Vernetzungsprojekt ist und die Wichtigkeit dessen zu betonen», sagt Bruno Knecht am Schluss der kleinen Reise. Ausserdem sei das Projekt mit weniger als 25 000 Franken im Jahr für die Gemeinde finanziell tragbar.

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