Erntesaison
In Aesch wird jetzt exotische Vitaminbombe angebaut

Der Obstbauer Rolf Suter ist bisher der erste Limmattaler, der sich an den Anbau der Mini-Kiwi wagt. Das Business mit der kleinen Frucht hat sich zuvor im Thurgau etabliert.

Senada Haralcic
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Mini-Kiwi
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Die Geschäftsidee stammt ursprünglich aus dem Thurgau.
Der Obstbauer Rolf Suter ist bisher der erste und einzige im Limmattal, der sich an den Anbau von Mini-Kiwis wagt.
Er hat zwei Sorten von Mini-Kiwis. «Weiki» und «Ambrosia». Die grünen Mini-Kiwis sind von der Sorte «Ambrosia».
Die Sorte «Weiki».
«Ich habe schon einige Anfragen bekommen, die Mini-Kiwis auch an Detailhändler zu liefern.»

Mini-Kiwi

Senada Haralcic

Wenn es um die Ernte seiner Äpfel geht, bietet sich beim Anblick von Rolf Suters Arbeit das gewohnte Bild eines Schweizer Obstbauern: Er steigt vom Traktor und gibt seinen Mitarbeitenden Anweisungen, in einem freundlichen aber dennoch bestimmenden Ton: «Die ‹Galas› sind reif für die Ernte, fangt doch mal hier an.» Dass seine Obstanlage auch eine exotische Seite birgt, wird erst klar, als sich Suter von seinen Mitarbeitenden abwendet und feldaufwärts weiterläuft. «Ich bin dann mal bei den Kiwis», sagt er, als wäre es die normalste Sache der Welt.

Steinlos und haarfrei

Ist es aber nicht: Denn die Kiwi gilt in unseren Breitengraden als exotische Frucht, wächst sie doch üblicherweise in warmen Gebieten wie Italien, Neuseeland oder Chile. Anders sieht es bei ihrer Mini-Version aus – der sogenannten Mini-Kiwi. Dank ihrer Frostresistenz wächst sie auch in unserer Region – und zwar ohne Gewächshaus. Auf Suters Obstanlage erstrecken sich auf 30 Aaren acht Reihen Mini-Kiwi-Sträuche. Jede Reihe ist 95 Meter lang. «Das Gute an den Mini-Kiwis ist, dass sie keine Haare haben und die Schale ebenfalls gegessen werden kann. Ausserdem sind die Früchte steinlos und wahre Vitaminbomben», sagt Suter, während er bei den Sträuchern ankommt. Eine Mini-Kiwi habe sieben– bis achtmal so viel Vitamin C wie eine Zitrone.

Auch bekannt als Honigbeeren

Der Obstbauer läuft mit einem prüfenden Blick durch die Kiwi-Reihen und kontrolliert bei jedem Strauch die Reife der Früchte. «Bis jetzt brauchen die Kiwis keinen Pflanzenschutz. Sie haben weder Schädlinge noch Pilze», sagt er stolz. Es sei für ihn ein weiterer Pluspunkt, dass er die Mini-Kiwis unbehandelt verkaufen könne.

Die etwas dunkelgrüneren Früchte könne man schon essen, sagt Suter und beisst in eine hinein. Und tatsächlich schmecken die Mini-Kiwis auch mit Schale. Sie sind ausserdem sehr süss, weshalb sie auch «Honigbeeren» genannt werden. Früchte tragen nur die weiblichen Sträucher. Von den rund 250 Sträuchern sind 30 männlich. Deren einziger Zweck ist die Befruchtung. Trotz all ihrer Vorteile ist die Mini-Kiwi weit weniger bekannt als ihre grosse Schwester. Grund dafür ist ihre Haltbarkeit, welche sie, wie Suter sagt, ungeeignet für Export und Import macht. Er leistet im Limmattal Pionierarbeit, indem er die Mini-Kiwis seit zwei Jahren unters Volk bringt. Angefangen hat er mit dem Anbau als Teilnehmer eines thurgauer Projekts, das den Anbau von Mini-Kiwis schweizweit fördert. Im Thurgau hat sich das Business mit den Mini-Kiwis schon seit über fünf Jahren etabliert.

«Wir ernten die Mini-Kiwis, wenn sie noch nicht ganz ausgereift sind. Dann landen sie im Kühler», erklärt Suter. Dort sind die Kiwis fünf bis sechs Wochen lagerbar. Nachdem die Mini-Kiwis aus dem Kühler genommen werden, kann man sie nach vier bis fünf Tagen essen. So kann immer die für den Verkauf benötigte Menge bereitgestellt werden. Verderben würden die grünen Früchte übrigens nicht. «Sie reifen einfach weiter, so wie die Bananen», sagt Suter.

Eine Tonne Mini-Kiwis

«Mit dem Anbau habe ich im Jahr 2009 angefangen», so der Obstbauer. Von der Saat der Setzlinge dauerte es etwa drei Jahre, bis er zum ersten Mal Früchte ernten konnte. Im letzten Jahr hat Suter rund 700 Kilogramm von den Mini-Kiwis verkauft. «Noch sind wir auch dieses Jahr nicht beim Maximum des Ernte-Ertrags angekommen, das wird noch zwei Jahre dauern», sagt Suter. Irgendwann werde er von seinen 250 Sträuchern rund eine Tonne Mini-Kiwis gewinnen können.

Bald gibt es auch Likör

Während zwei Wochen erntet Suter die Mini-Kiwis. Nächste Woche stehen die ersten bereits auf seinem «Hofmärt». Bei seiner Kundschaft seien die grünen Früchte sehr gut angekommen. «Die Leute sind dennoch etwas erstaunt, dass im Limmattal Kiwis wachsen», sagt Suter. Aber nicht nur die Frucht an sich verkaufe sich gut – sondern auch Konfitüre und Schnaps der Mini-Kiwi. Solche Produkte stelle der Obstbauer aus den ästhetisch weniger schönen Kiwis her, der sogenannten «zweiten Klasse». «Die Konfitüre und auch der Schnaps kommen sehr gut bei den Leuten an. Ich möchte auch bald den ersten ‹Aescher Mini-Kiwi-Likör› produzieren», so der Obstbauer. Und auch bei anderen Detailhändlern aus der Region kommen die Mini-Kiwis gut an. «Ich habe schon einige Anfragen von Detailhändlern bekommen, die Mini-Kiwis bestellen wollen.» Dem Business mit der als exotisch geltenden Frucht steht also auch im Limmattal nichts mehr im Weg.