SBB
In 54-Meter-Schritten zu neuen Gleisen zwischen Altstetten und Schlieren

Seit Juni sind die SBB daran, insgesamt vier Gleise à je 1,7 Kilometer zwischen den Bahnhöfen Altstetten und Schlieren zu erneuern. In sechs Nächten pro Woche wird zwischen sechs und acht Stunden gearbeitet.

Sandro Zimmerli
Merken
Drucken
Teilen
Das vorgefertigte Schienenstück wird verschraubt
6 Bilder
Die zweite Schicht Kiessand wird aufgetragen
Der Aushub wird mit Schotter aufgefüllt
Ivica Bojic ist für Sicherheit auf der Baustelle verantwortlich
Immer wieder fahren Züge an der Baustelle vorbei
SBB: Zwischen Altstetten und Schlieren wir am Schienennetz gearbeitet

Das vorgefertigte Schienenstück wird verschraubt

Paolo Foschini

Der Geräuschpegel ist so hoch, dass man sein eigenes Wort kaum mehr versteht. Schotter fliegt links und rechts zur Seite. Immer wieder fahren Züge an der Baustelle vorbei. Es ist kurz vor 1 Uhr. Auf dem äussersten Gleis, direkt am Radweg hinter dem Sportplatz Juchhof in Zürich Altstetten lassen sich die Arbeiter vom Drumherum nicht ablenken.

Die Fräse, das Herzstück des rund 300 Meter langen Arbeitszuges, läuft auf Hochtouren. Dennoch kommt sie nur mühsam vorwärts. Auf den Förderbändern wird kaum Material zum vorderen Teil des Zuges transportiert. Der lehmige, klebrige Untergrund macht der Maschine zu schaffen. «Es wird sicher noch 45 Minuten dauern, bis der Aushub fertig ist», sagt Projektleiter Andreas Bögre.

«Der Lehm ist das grösste Problem»

Seit Juni sind die SBB daran, insgesamt vier Gleise à je 1,7 Kilometer zwischen den Bahnhöfen Altstetten und Schlieren zu erneuern. In sechs Nächten pro Woche wird zwischen sechs und acht Stunden gearbeitet. Länger können die Gleise nicht geschlossen bleiben, ehe der Verkehr auf einer der meist befahrenen Strecken der Schweiz wieder rollt. Einzig vom Samstag auf den Sonntag ruhen die Maschinen. Rund 60 Arbeiter sind gesamthaft im Einsatz, um die Gleiserneuerung bis Ende 2012 fertigzustellen. Trotz des grossen Einsatzes kommen die Arbeiter pro Nacht nur maximal 54 Meter voran.

In dieser Nacht werden es wegen des Bodens allerdings nur 36 Meter sein. «Der Lehm ist unser grösstes Problem. Ansonsten wird sehr effizient gearbeitet», sagt Ivica Bojic. Seit 25 Jahren ist er Gleisarbeiter. Auf der Altstettener Baustelle fungiert er als Sicherheitschef. Er ist zufrieden mit seinen Kollegen. «Obwohl wir viel warten müssen, weil Maschinen den grössten Teil der Arbeit erledigen, sind alle hellwach, wenn ihr Einsatz gefordert ist», so Bojic.

18 Meter lange Fläche mit Vlies abgedeckt

Seine Worte sind kaum verklungen, geht es für seine Leute auch schon los. Der Aushub ist fertig, die erste Schicht Kiessand planiert. Nun geht es schnell. Die Arbeiter klettern unter den Zugwagen, auf dem mittels Schienen die Mulden mit dem Sand hin und her bewegt werden. In wenigen Sekunden decken sie die 18 Meter lange Fläche mit Vlies ab. «Dadurch wird verhindert, dass Lehm aus dem Boden an die Oberfläche gelangt und an den Schienen Schäden verursacht», sagt Bögre.

Kaum ist das Vlies verlegt, setzen sich die Kiesmulden wieder in Bewegung und leeren eine zweite Schicht Kiessand auf die Fläche. Erneut wird der Sand planiert. Nun folgt der Schotter. Auch er wird in Mulden über die Schienen auf dem Arbeitszug transportiert. Die Schotterhaufen werden ebenfalls maschinell verteilt. Es sind die letzten Vorkehrungen, ehe eine Transportmaschine das vorgefertigte, 18 Meter lange Schienenstück auf dem Schotter absetzt.

«Diese Zeit nehmen wir uns»

Jetzt sind wieder die Arbeiter gefragt. Das Schienenstück wird verschraubt, «verlascht», wie es im Fachjargon heisst. Wieder geht es schnell. Ivica Bojic ist zufrieden. «Bevor wir auf die Baustelle kommen, sprechen wir uns ab», hält er fest. So wisse jeder, was er zu tun habe. Überdies helfe dies auch, Unfälle zu verhindern. «Diese Zeit nehmen wir uns. Dafür läuft nachher alles wie gewünscht», sagt Bojic.

Auch Projektleiter Bögre ist zufrieden. Die Arbeiten liegen trotz des schwierigen Untergrundes und des grossen Umfangs im Zeitplan. Obschon die Gleiserneuerungen den Hauptbestandteil des Projektes bilden, müssen noch weitere Unterhaltsarbeiten geleistet werden. «Die Planungen für das Projekt gehen auf 2007 zurück», sagt Bögre. Schon damals habe man gewusst, dass im Zuge der Gleiserneuerung im Bereich der Entwässerungen einige Arbeiten anstünden.

«Wir dürfen das Regenwasser nicht mehr diffus versickern lassen», so Bögre. Zudem müsse bei einer Havarie gewährleistet sein, dass keine Flüssigkeit ins Grundwasser gelange. Deshalb habe man Sicker- und Transportleitungen einbauen müssen, die das Wasser in ein Havarie- und in ein Versickerungsbecken kurz vor dem Bahnhof Schlieren transportieren. Das Havariebecken diene als Rückhaltebecken bei Störfallen. Im Versickerungsbecken könne das Regenwasser in den Boden versickern.

Leitplanken wurden montiert

Zudem mussten bei der Post Mülligen kurz vor der Gasometerbrücke Anprallschutze gebaut werden. «Von der Post her führen Gleise in das Schienennetz. Deshalb hat es dort Weichen», so Bögre. Die Erfahrung zeige, dass die meisten Zugentgleisungen bei Weichen passierten. Aus diesem Grund habe man eine Art Leitplanken erstellt, damit entgleiste Züge nicht in die Brückenpfeiler prallen können. Das ganze Projekt koste deshalb zwischen 40 und 45 Millionen Franken.

Während Bögre seine Ausführungen abschliesst, beginnt der nächste Zyklus. Unterdessen ist es kurz vor 2 Uhr. Der Arbeitszug hat sich inzwischen auf dem neuen Gleisstück 18 Meter in Richtung Schlieren bewegt. Die nächsten 18 Meter Schienen werden entfernt. Die Fräse nimmt ihre Arbeit wieder auf.