Weiningen
Im Weininger Schlössli sangen sich Kinder vor einer Jury die Seele aus dem Leib

Im Weininger Schlössli sangen sich Kinder vor einer Jury die Seele aus dem Leib. Auf dem Spiel stand ein Platz im neuen «Chinderchor Sunechind».

Florian Schmitz
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Der 11-jährige Beni wartet unten am Empfang. «Ich bin nicht nervös», sagt der Primarschüler kurz vor seinem Gesangsauftritt vor der Jury. Seine Körpersprache lässt jedoch durchaus angespannte Unruhe erkennen. Später erzählt er sein Geheimrezept: Beim letzten Mal, als er nervös war, hat er sich selbst ganz darauf konzentriert, sich zu beruhigen, und daraufhin prompt einen 6er in der Schule bekommen. Dieses Mal ist seine Strategie wieder erfolgreich. Vom ersten Ton singt er mit Überzeugung und in gutem Englisch den Song «Up in the sky» der Schweizer Band 77 Bombay Street. Auch die körperliche Schüchternheit verschwindet umgehend, als Chorleiterin Gabriela Bächinger mit in den Gesang einstimmt. Die Juroren sind angetan und das Votum ist klar: Alle wollen ihn unbedingt im Chor dabei haben.

Beni ist eines der rund 30 Kinder, die am Samstag im Weininger Schlössli vorsingen, um sich für einen Platz im neuen Weininger «Chinderchor Sunechind» zu bewerben. Im Herbst wir der Chor im Tonstudio von Bächingers Sohn Simon, ebenfalls Teil der Jury, eine CD aufnehmen. Die harte Arbeit kulminiert an der grossen CD-Taufe am 22. November im Singsaal des Oberstufenschulhauses.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Heute geht es nur darum, es überhaupt in den Chor zu schaffen. Dazu müssen alle Kinder mit einem selbst ausgewählten Lied die Jury überzeugen. Diese besteht neben Simon und Gabriela Bächinger aus Simons Freundin Corina Dreier und Petra Düsel, der Präsidentin des Weininger Elternvereins. Am Nachmittag stiess auch Bächingers Tochter Maria dazu, die sich bei der Plattentaufe um das Bühnenbild kümmern wird.

Nach einer kurzen Besprechung erhält Beni im Singsaal die gute Nachricht. Die Freude steht ihm ins Gesicht geschrieben, hat er sich doch für seinen zwölften Geburtstag am Sonntag gleich selbst schön beschenkt. Auf ihn folgt seine Schwester Alicia (9). Bei ihr tut sich ebenfalls zuerst der sanfte und klare Gesang hervor. Als sie nach ihrer Balletterfahrung gefragt wird und anschliessend eine Pirouette vorführt, fühlt sich Alicia auch körperlich sichtlich wohl. Die anschliessende Diskussion der Jury dreht sich dann auch nicht darum, ob das Mädchen es in den Chor schafft. Stattdessen malt Gabriela Bächinger sich bereits aus, wie sie Alicias schöne Stimme später einsetzen könnte. Alicia ist überglücklich über den positiven Bescheid: «Ich singe und tanze sehr gerne. Ich war vorher nervös, aber habe jeden Tag geübt, und es hat mir Spass gemacht. Ich bin sehr froh, dass ich dabei sein darf.»

Kurz später öffnet sich die massive Holztür zum Singsaal wieder. Heraus tritt die breit lächelnde Anouk (6) und zeigt ihrer Mutter stolz die offizielle Zusage. Zuvor sah das noch anders aus. Die Treppe zum Singsaal stieg sie nur widerwillig hoch. Jetzt antwortet das kecke Mädchen auf die Frage, wie es sich vorbereitet habe, mit einem resoluten «gut» – und grinst dabei verschmitzt.

Simon Bächinger ist beeindruckt, «wie gut die Kinder sich vorbereitet haben und wie sehr sie sich an der Musik erfreuen.» Zwei Kinder haben sogar zusammen eine richtige Choreografie einstudiert. Auch die anderen Juroren stimmen in das Loblied auf die teilnehmenden Kinder mit ein. «Es ist wie ein Höhenflug. Es schwingt so viel Herz mit bei den Auftritten», sagt Gabriela Bächinger berührt und vergleicht die Vielfalt der vorsingenden Kinder mit einem Regenbogen. Die gelernte Musiktherapeutin weiss ob der verbindenden Kraft der Musik, die so manch scheues Kind innert wenigen Augenblicken aufblühen lässt. «Über die Musik kann man die Kinder sehr gut erreichen. Beim gemeinsamen Singen und Tanzen entsteht eine verbindende Brücke.»

«Die Kinder schenken uns ein Stück von ihrem Herz. Es ist unglaublich, was sie leisten. Sie stehen hier vor fremden Menschen und singen so gut vor», konstatiert Petra Düsel erfreut. Bereits jetzt habe sich jede Sekunde Aufwand in das Projekt riesig gelohnt. So passt es, dass Corina Dreier, die vierte Jurorin im Bunde, bei allem Lob auf die motivierten Nachwuchssänger und -sängerinnen auch die Arbeit dahinter nicht vergisst: «Alle sind mit so grosser Freude und Engagement dabei – die Kinder und die Eltern.» Sobald der Chor steht, wird fleissig geprobt. Denn in Kürze steht mit den Aufnahmen im Tonstudio schon das nächste Highlight auf den neu formierten Chor.