Fahrweid
Im Wald wird Platz für seltene Bäume geschaffen

Täglich gehen oder fahren Hunderte von Passanten und Autofahrer am kleinen Waldstück in der Fahrweid vorbei. Meist lassen sie es links liegen, schenken ihm keine Beachtung. Dabei gäbe es dort viel zu entdecken.

Sandro Zimmerli
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Die Equipe des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft führt die Gehölzpflege in der Fahrweid durch. zim

Die Equipe des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft führt die Gehölzpflege in der Fahrweid durch. zim

Limmattaler Zeitung

Bei Biologen gilt der Wald zwischen Fahrweidstrasse und Sportplatz Dornau als etwas Besonderes. Deshalb wird dort in den letzten Tagen kräftig Holz gefällt.

Die Aktion läuft unter dem Namen Gehölzpflege. Verfolgt werden zwei Ziele, wie Forstingenieur Tobias Liechti erklärt. «Einerseits wollen wir standortfremde Bäume entfernen, um dem dort heimischen Gehölz mehr Platz zu verschaffen.

Andererseits soll mehr Licht in den Wald einfallen können, um die Bodenvegetation zu fördern», so Liechti. Der Mitinhaber der Firma «Burger&Liechti GmbH Wald Ökologie Mensch» ist in Absprache mit der kantonalen Fachstelle Naturschutz für die Pflege des Waldes zuständig. Ausgeführt werden die Arbeiten von der Unterhaltsequipe des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft.

Eichen beherbergen viele Tiere

Der Auenwald ist laut Liechti ein besonders interessantes Stück Land. Das hänge mit seiner früheren Nutzung zusammen. «Dort, wo jetzt der Wald steht, floss früher die Limmat durch. Das Gebiet entspricht also dem alten Limmatlauf, was man auf Luftbildern deutlich nachvollziehen kann», hält Liechti fest. Es sei selten, dass auf solch nassem Boden ein Wald entstehe. Früher wurde das Land zur Holzverwertung genutzt. Man habe das Gebiet deshalb mit Fichten aufgeforstet. Diese Nutzung habe sich nun geändert.

«Heute ist der Wald vor allem aus biologischer Sicht spannend», sagt der Forstingenieur. Angetan haben es ihm vor allem die Eichen im Auenwald. «Die Eiche ist jener Baum in der Schweiz, der die meisten Insekten und Vögeln in seiner Rinde oder seiner Krone beherbergt», so Liechti. Im Laufe der Evolution seien unzählige Tiere von der Eiche abhängig geworden. Deshalb sei es wichtig diesen Bäumen Platz und viel Sonneneinstrahlung zu verschaffen, damit die Baumkronen wachsen können.

«Das bedingt nun, dass andere Bäume weichen müssen. Insbesondere Fichten werden entfernt», erklärt Liechti. Ein Schweizer Wald im Mittelland wird von der Buche dominiert. «Im Auenwald kann die Buche wegen des nassen Bodens nicht wachsen und seltenere Baumarten wie der Spitzahorn, die Stieleiche, Bergulme oder die Traubenkirsche können sich entwickeln», sagt der Forstingenieur.

Mit den forstlichen Eingriffen will Liechti auch den Lebensraum für die Tiere verbessern. Denn auch von der Fauna her sei das Gebiet hochinteressant. «Ein spannendes Tier ist der Pirol, ein goldgelber Vogel von der Grösse einer Amsel», sagt Liechti. Der an die Tropen erinnernde Vogel sei der einzige seiner Familie, der auch im Norden heimisch sei. «Von Zürich her kommend die Limmat hinunter, trifft man ihn erst auf Höhe Dietikon an», sagt Liechti. Allerdings bekomme man ihn selten zu Gesicht, da er sich vornehmlich in hoch gelegenen Kronen aufhalte. In der Fahrweid seien mindestens zwei Nistplätze bekannt.

Den Wald erfahrbar machen

Das Feuchtgebiet in der Fahrweid bietet aber auch anderen Tieren eine ideale Lebensgrundlage. «Vor allem für Libellen und Amphibien ist der Auenwald ein geeigneter Lebensraum», sagt Liechti. Gleiches gelte für die Ringelnatter – ein Tier, das zwischen den verschiedenen Auenlandschaften an der Limmat hin- und herwandere. «Das zeigt auch, dass die Aufwertung im Auenwald Fahrweid in einem grösseren Kontext betrachtet werden muss», so Liechti.

Das gesamte Gebiet von der Fahrweid über die Auenlandschaft in Geroldswil und den erst im letzten Herbst renaturierten Raum um den Oetwiler Binzerliweiher sei als zusammenhängender Lebensraum zu verstehen. Um diesen Zusammenhang herauszustreichen, werde derzeit eine Idee diskutiert, den Auenwald in der Fahrweid für Spaziergänger erfahrbar zu machen.

«Dies könnte ähnlich funktionieren wie in den Geroldswiler Auen, wo Hinweistafeln Informationen über Flora und Fauna liefern», erklärt Liechti. Allerdings werde das Gebiet wohl nicht so grossräumig abgesperrt wie in Geroldswil. «Das Gebiet soll offen sein. Auch weil es für die Einwohner der Fahrweid das nächstgelegene Naherholungsgebiet ist.» Zudem könne man die Waldnutzer so auch für diesen Lebensraum sensibilisieren. «Wir haben im Auenwald das Problem, dass vor allem im Weininger Teil Abfall deponiert wird.»