Erfolgsgeschichte

Im Trampolino haben X-Box-Konsolen keinen Platz

Im Trampolino gibt es auch eine Rutschbahn und Autoscooter

Im Trampolino gibt es auch eine Rutschbahn und Autoscooter

Der Winter lässt die Kinderherzen erstarren, denn mit Mütze und Handschuhe macht der Spielplatz nur halb so viel Spass. In Dietikon findet sich jedoch eine Lösung für das Problem. Im Trampolino können die Kinder bei Wind und Wetter herumtoben.

Die Kunden des Trampolinos müssen sich wie Fans vor dem Final der Fussballweltmeisterschaft fühlen. Ist die Warteschlange an der Kasse einmal überwunden, müssen sich Eltern und Kinder in der Garderobe erst ihren Schuhen entledigen, bevor sie die Treppen der Katakomben erklimmen um zum Kinderparadies zu gelangen. Daraufhin werden die Gäste durch einen Korridor zum Spielplatz geschleust, wo sie sich im ersten Augenblick inmitten einer gigantischen Shopping-Mall in den USA wähnen.

Der Duft von Pommes, Chicken Nuggets und frisch geröstetem Popcorn steigt den Gästen denn auch in die Nase und das Gelächter der tobenden Kinder droht das Gehör vorübergehend zu überlasten. Nachdem die Sinnesreize gekonnt geflutet wurden, stellt der Laie fest: «Ich bin im wahrscheinlich grössten Vergnügungspark der Schweiz gelandet.» (siehe Video)

Das grösste Klettergerüst der Schweiz steht in Dietikon

Im Trampolino gibt es das grösste Indoo-Klettergerüst der Schweiz

Gäste kommen sogar aus Genf

Das dachte auch Fahredin. «Wir sind das dritte Mal hier und es gefällt uns sehr.» Der 39-jährige Familienvater lebt in Genf und besucht wie jedes Jahr seinen Bruder in Zürich. Bei dieser Gelegenheit statte er mit seinen beiden Söhnen - sie sind sechs und zwölf - dem Trampolino einen Besuch ab.

Selbst Burim ist von der Atmosphäre überwältigt. «Wow! So viel Platz. So viele Spielsachen. Keine Frage: Für die Kinder ist es fantastisch.» Der 33-jährige hat mit seinem sechsjährigen Sohn zum zweiten Mal den Weg nach Dietikon gefunden, versichert aber bald wiederkommen zu wollen. «Besonders im Winter, bei Kälte, Regen und Schnee erhalten die Kinder genügend Raum und Wärme zum Spielen,» sagt Burim. Deshalb hat der Mann mit den breiten Schultern und der Statur eines Türstehers das Kinderparadies seinen Freunden und Verwandten bereits weiterempfohlen.

«Airbrush-Ecke» ist der letzte Schrei

Während dem Gespräch mit Burim bildet sich in der Nähe der Rutschbahn eine Menschentraube. Gibt es da Gratis-Süssigkeiten? Nein. Es handelt sich vielmehr um die neuste Attraktion des Trampolinos; die «Airbrush-Ecke». Geführt wird das Tattoo-Studio für Kinder von German Castellano. Der 32-jährige Argentinier arbeitet seit einem Jahr für das Trampolino. «Ich blühe bei der Arbeit auf. Wenn ich das Glänzen in den Augen der Kinder sehen darf, nachdem ich ihnen ein Tattoo aufmalen durfte, geht mir das Herz auf.» (siehe Video)

Die Tattoos von German Castellano sind heiss begehrt

Die Tattoo-Ecke für Kinder ist heiss begehrt

Die «Airbrush-Ecke» ist nicht der einzige Publikumsmagnet - im Gegenteil: Den tollenden Kindern steht ein Riesenrad, das «grösste Indoor-Klettergerüst der Schweiz», mehrere Hüpfburgen und eine Autoscooter-Rennbahn zur Verfügung. Zudem erfreut sich der Vulkan - auf den die Kinder hochklettern und hinunterrutschen können - grosser Beliebtheit.

Beim Rundgang durch den Spielplatz wird klar: Das Familienunternehmen Mack lässt nichts unversucht, die Kundschaft bei Laune zu halten. So lächeln die beiden hauseigenen Maskottchen «Trampo» und «Lino» von den Mauern der «Hüpfburg». Damit nicht genug: Selbst an der «Schleckerecke» dürfen Mützen, Bälle und Essensboxen mit den beiden Glücksbringer nicht fehlen.

Microsoft blitzte beim Trampolino ab

Neben der Merchandising-Offensive planen die Verantwortlichen auf den nächsten Sommer hin einen Grill auf der Terrasse zu installieren und möchten ausserdem das Angebot der «Schleckerecke» ausbauen. Wie viel Geld dabei investiert wird, bleibt ein Familiengeheimnis - genauso wie die Umsatz- und Besucherzahlen. «Wir sind zufrieden», sagt Mack zu diesem Thema.

Die diesjährige Attraktion im Trampolino ist das Riesenrad

Das Riesenrad: Eine der Attraktionen im Trampolino

Obwohl das Trampolino kräftig in die Zukunft investiert, fehlen Videospiele und Fernsehgeräte zur Gänze. «Das ist Absicht,» sagt Meike Mack. «Wir möchten, dass sich die Kinder mit den Spielparks auseinandersetzen und beschäftigen», sagt das Mitglied der Geschäftsleitung. In dieses Schema passt, dass sich die Familie quer stellte, als Microsoft eine X-Box-Spielkonsole im Trampolino installieren wollte. «Das hätte nicht unserem Geschäftsmodell entsprochen. Wir möchten, dass sich die Kinder bewegen und aus Eigeninitiative spielen», sagt Mack. Zuhause würden die Kinder ja genug Videospiele und Fernsehgeräte vorfinden.

Kampf gegen den Parkplatzmangel

Trotz Wachstum gibt es in der Erfolgsgeschichte Trampolino Schattenseiten. Gerade weil das Kinderparadies zum Publikumsmagneten geworden ist, gerät die Anfahrt für die Eltern an Spitzentagen zur Ochsentour. Der Bahnhof Dietikon liegt 20 Gehminuten vom Trampolino entfernt, der Bus 309 fährt nur an Werktagen und bei der Strassenüberquerung suchen die Fussgänger vergeblich nach einem Zebrastreifen.

Darüber hinaus kämpfen die Verantwortlichen gegen eine Parkplatznot. Früher hatte der Familienbetrieb gleich gegenüber ein Parkhaus angemietet. Dieser Mietvertrag wurde jedoch gekündigt. Der Grund: Recherchen der az zeigen, dass Gäste Nahrungsmittel, Getränkebüchsen und Windeln nicht sachgerecht entsorgt hatten und so im Parkhaus ein Litteringproblem entstand. Mack weiss um die unbefriedigende Situation und berichtet, dass die Gespräche mit der Stadt Dietikon in Sachen Parkplatzproblematik wieder aufgenommen wurden. Bis eine Lösung gefunden ist, sollen «mindestens vier Parkwächter» den Schaden in Grenzen halten.

Kunden fühlen sich wohl

Der Parkplatzmangel ist für Sarah indes nicht ausschlaggebend. Selbstverständlich koste der Besuch Überwindung. «Es hat so viele Leute - fast schon zu viele», sagt die 33-jährige Blondine. Dennoch hindert dies die Mutter eines achtjährigen Knaben nicht daran, drei Mal im Jahr nach Dietikon zu pilgern - und das sei noch wenig. «Als er noch klein war, statteten wir dem Trampolino bestimmt einmal pro Monat einen Besuch ab».

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