Die Messe war wie erwartet aussergewöhnlich, regte aber mehr zum Schmunzeln als zum Nachdenken an.

Als erste von vielen Überraschungen gestern Morgen eröffnete der Organist mit «Yesterday» von The Beatles den Gottesdienst. Später füllte die Rockabilly Band «The Rockets» jeden Winkel der Kirche mit mitreissender Rock'n'Roll und Country-Musik, bei der auch Pfarrer Jens Naske begeistert mitwippte. In seiner Predigt dementierte Naske später das geläutete Bild des netten, lieben und «weichgespülten Jesus» und zeigte an einer Leinwand eine Fotomontage des Propheten mit einer Zigarette zwischen den Lippen, Arm-Tattoo und Halskettenanhänger von Superman.

Damit brachte er nicht nur die tätowierten Raucher zum Lachen - auch bei den regelmässigen Messebesuchern kam der aussergewöhnliche Gottesdienst gut an. «Das war richtig originell», sagte Claire Steinlechner, die in ihren jungen Jahren auch selber gerne auf dem Sozius, dem Hintersitz, gesessen sei.

Obwohl in Naskes Brust kein Biker-Herz schlage, könne er die Faszination des Motorradfahrens gut nachvollziehen. «Das absolute Freiheitsgefühl hat auch eine spirituelle Dimension», argumentierte er.

Ähnlich sieht das Thom Hächler, Präsident der «Gospel Riders», einem christlichen Motorradclub. Hächler verteilte «Biker Bibeln» - das Wort Gottes im Hosensack-Format. Er selber trage das Buch immer bei sich. Darin sei das neue Testament abgedruckt, gespickt mit Bildern und Erlebnisberichten von Motorradfahrern. «Während ich mein Hobby pflege, kann ich das Evangelium weitergeben», sagte Hächler, der mit dem glänzenden Haartuch, dem T-Shirt mit Kreuzaufdruck und den schwarzen Lederhosen wirkte wie ein ausgewachsener Töfflibub mit Mission. «Schliesslich brauchen wir Motorradfahrer die schützende Hand Gottes wegen dem gefährlichen Hobby unbedingt», erklärte Hächler nachdenklich, kam aber bald wieder ins Schwärmen. «Während dem Ausfahren verschmilzt man mit der Maschine und spürt eine grenzenlose Freiheit. So kann ich die Gemeinschaft mit Gott am meisten geniessen.»

Biker, Rocker und Tätowierte

Remo Schmid, Co-Organisator des Töff-Gottesdienstes lag vor allem am Herzen, Vorurteile über die Menschen der Motorradgemeinschaft aus der Welt zu räumen. «Biker, Rocker und Tätowierte sind Menschen, wie alle anderen auch», sagte Schmid unter Applaus, schwang sich in einer flüssigen Bewegung auf seine Harley Davidson und fuhr als «Road Capitan» einem donnernden Konvoi von rund 15 Motorrädern vor. Es folgten ihm Zweiräder mit viel PS: BMW, Yamaha, Royal Star, Harley Davidson - alles, was unter Motorsportfreunden Rang und Namen hat.