Besonders nach einer Gallenblasenoperation besteht im Spital Limmattal eine erhöhte Gefahr, an einer Infektion zu erkranken: Gemäss der Zahlen des Vereins für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ) weist das «Limmi» nach Gallenblasen-Operationen eine Infektionsrate von 7,3 Prozent auf. Der schweizerische Durchschnitt liegt bei 2,6 Prozent. Noch riskanter ist jedoch die Dickdarmchirurgie: Das Spital Limmattal liegt hierbei mit seiner Rate von 12,1 Prozent jedoch leicht unter dem Durchschnitt — dieser beträgt 12,8 Prozent.

Schweizweit erkranken jährlich noch immer rund 70'000 Patienten an Spitalinfektionen. Etwa 2000 Personen sterben daran. Die kürzlich veröffentlichten Daten zu Wundinfektionen in Schweizer Spitälern zeigen nun, dass sich die Zahl der Infektionsfälle in den Zürcher Spitälern jedoch meist in Grenzen hält. Doch was unternimmt das Spital Limmattal konkret, um die Infektionsraten möglichst gering zu halten? Im zehnten Stockwerk befindet sich das Sprechzimmer des Infektiologen Roberto Buonomano. Er arbeitet seit 2012 im Spital Limmattal. Einerseits ist er für die Spitalhygiene zuständig, andererseits behandelt er sowohl Patienten mit vorhandenen Infektionen als auch jene, die erst im Spital an einer Infektion erkrankt sind. Buonomanos Stelle wurde vor drei Jahren geschaffen. Vorher kümmerte sich vor allem eine Hygienefachfrau um das Problem der sich im Spital zugetragenen Infektionen. Nun sind sie zu zweit – und konnten einiges bewirken.

Die Infektionsrate senken

Gemeinsam erstellten sie Richtlinien für den korrekten Umgang mit Patienten. Diese Hygienevorschriften wollen sie nun fortlaufend auf den neusten Stand bringen. Denn: «Die Infektionsrate könnte weltweit um rund einen Drittel gesenkt werden, wenn sämtliche Hygienevorschriften eingehalten würden», sagt Buonomano. Besonders wichtig sei die Händehygiene: Vor und nach einem Kontakt zum Patienten sowie vor und nach einer Behandlung müsse das Personal die Hände desinfizieren. Dies gelte sogar dann, wenn beispielsweise nur der Tisch des Patienten berührt worden sei.

Das Spital führt seit 2013 hinsichtlich der Händehygiene regelmässige Kontrollen durch. Die Hygienespezialistin läuft dann beim Personal mit, macht Notizen und wertet aus, inwiefern die Vorschriften eingehalten worden sind. Für diese Kontrolle gibt es neu ein App, die das Spital ab Frühjahr einsetzen will. Damit können die beim Kontrollgang erfassten Zahlen zeitgleich ausgewertet und den Mitarbeitenden gezeigt werden. Doch so sehr das Spitalpersonal die Hygienevorschriften beachtet, es gibt auch Bereiche, die immer ein Risiko darstellen: Operationen und Katheter. Doch auch dazu hat der Infektiologe Richtlinien aufgesetzt.

Dass das Spital Limmattal bei den Gallenblasenoperationen 2012 eine überdurchschnittliche Infektionsrate erzielte, hat einen einfachen Grund: «Wir haben erst im Verlauf des Jahres begonnen, dazu Zahlen zu erfassen.» Es seien daher nur wenige erfasste Daten zusammengekommen, wodurch etwas extremere, nicht repräsentative Werte entstanden seien. Unterdessen hätten sich die Zahlen jedoch eingependelt. Mehr noch: «Wir liegen nun überall im Durchschnitt oder sogar darunter», sagt Buonomano.

Nebst den Operationen besteht noch ein anderes Problem: die Behandlung mit Antibiotika. Wichtig sei, dass bakterielle Infektionen früh erkannt würden, damit man sie mit den entsprechenden Antibiotika bekämpfen könne. Sein Credo dabei: So schmal wie möglich, so breit wie nötig. Das heisst: Wann immer möglich, setzt er auf ein schmales, also auf ein spezifisches Antibiotikum. Denn je breiter das Antibiotikum wirkt, desto mehr Bakterien bekämpft es. Dadurch steigt unnötig die Gefahr, dass sich Resistenzen entwickeln. «Man darf mit Antibiotika daher nicht leichtfertig umgehen», sagt er.

Gefahr durch Krankheit

Weshalb aber führt eine Spitalinfektion überhaupt zum Tod? Dass jemand nur aufgrund von resistenten Bakterien sterbe, sei der Einzelfall, sagt der Infektiologe. Seit er im Spital Limmattal arbeite, habe er noch keinen solchen Fall erlebt. Menschen, die an Infektionen sterben, leiden laut Buonomano meistens bereits an anderen schweren Krankheiten – etwa, wenn jemand herzkrank sei und durch eine Infektion noch eine Blutvergiftung dazukomme. Das Zusammenspiel von einem bereits geschwächten Körper und einer Infektion ergibt eine ernste Gefahr. Trotzdem sollte der Umgang mit Antibiotika restriktiver gehalten werden, sagt er.

In der Regel aber führten die Infektionen schlicht zu längeren Spitalaufenthalten und höheren Kosten. Buonomano ist jedoch überzeugt: Das Bewusstsein für Hygiene und den Einsatz von Antibiotika sei heute schweizweit stärker vorhanden. Insofern stehen die Chancen gut, dass die Infektionsraten künftig weiter zurückgehen.