Vor dem inneren Auge sieht man sie schon, die Patienten und Besucher, die unter der Überdachung beim Haupteingang an der Urdorferstrasse dereinst einen Kaffee trinken oder eine Süssigkeit verzehren werden. Heute präsentiert sich der Neubau «LimmiViva» des Spitals Limmattal noch im Rohbau, Beton dominiert. Doch wenn der Gesamtprojektleiter Nils Eichbaum erzählt, dann füllt sich die Baustelle mit Leben: «Dort drüben – gleich neben dem Innenhof wird eine Treppe ins erste Obergeschoss führen», sagt er und schiebt nach, dass sie mit Eichenholzstufen bestückt sein wird. Dies sei eine der gestalterischen Massnahmen, die dem Spital eine angenehme Atmosphäre geben sollen.

Richtig fassbar werden die Dimensionen des Spital-Neubaus in den Untergeschossen. Dort befindet sich auf Seite der Urdorferstrasse der Technikraum für die Lüftungsanlage, er erstreckt sich über rund 90 Meter, also fast über die gesamte Länge des künftigen Gebäudes. Auf der Baustelle wird er wegen seiner Grösse auch scherzhaft «Kathedrale» genannt.

Eichbaum nennt diesen Raum auch darum so, weil er gegen Osten ausgerichtet ist, wie eben viele europäische Kathedralen des Mittelalters. Mittels zwei unscheinbarer Rohre wird Frischluft von ausserhalb angesaugt. In der «Kathedrale» wird diese anschliessend gereinigt und auf verschiedene Gebäudeteile verteilt. Trotz dieses Systems, das nach Fertigstellung des Rohbaus im Frühling 2017 errichtet wird, werden sich die Fenster des Gebäudes dereinst öffnen lassen. «Notwendig wäre dies jedoch nicht», sagt Eichbaum. Viel eher gehe es um den Komfort der Frischluftzufuhr. «Manchmal möchte man die Fenster öffnen, obwohl die Luft im Raum in Ordnung ist, einfach für das Gefühl.» Alleine dieses Beispiel zeigt, wie umfangreich die Planungsarbeiten sind: Dabei seien die Funktionalität und die Prozessabläufe des Spitalbetriebs im Mittelpunkt gestanden, so Eichbaum.

Der Grundstein wurde im Mai vergangenen Jahres gelegt, voraussichtlich eingeweiht wird der Neubau im Oktober 2018. Bis dann werden 270 Millionen Franken verbaut. Von diesem Geld wurden zum jetzigen Zeitpunkt rund 30 Prozent ausgegeben.

Dank mildem Winter im Zeitplan

«Bis Ende Jahr werden bereits drei der aktuell fünf Kräne rückgebaut,» wie der Gesamtprojektleiter des Totalunternehmers Losinger Marazzi, Eric Pusztaszeri, sagt. Jener Bereich des Erdgeschosses, welcher dereinst die Notfallstation sowie die radiologische Abteilung beheimatet, wird aktuell besenrein geputzt, damit der Innenausbau starten kann. «Bald werden bereits die Fensterscheiben für das Erdgeschoss eingebaut, während das Gebäude noch immer in die Höhe wächst», so Pusztaszeri. Die Arbeitsschritte und der Zeitplan sind eng aufeinander abgestimmt. Wegen des milden Winters – nur selten sank das Thermometer unter die für die Baubranche kritische Marke von minus fünf Grad – liegt das Projekt gut im Zeitplan. Dass derzeit rund 130 Bauarbeiter auf der Megabaustelle im Einsatz sind, lässt sich kaum erahnen. Nur selten trifft man in den grossen Hallen jemanden an. Kein Wunder, verfügt doch das neue Spital dereinst über rund 200 Zimmer. Ist der Bau dereinst in Betrieb, wird sich dies schlagartig ändern.

Vier Etagen tiefer, davon ist eines ein Doppelgeschoss, dringt kein Tageslicht ein. Man befindet sich rund 17 Meter unter der Erde. Natürliches Licht braucht es auch keines, denn die Haustechnik ist hier untergebracht. Silbern glänzende Warmwasserspeicher dominieren derzeit die Szenerie. Sie alle zusammen weisen ein Fassungsvermögen von rund 90 000 Litern auf. «Die Notstromaggregate werden in Bälde geliefert», so Pusztaszeri. Unterirdisch besteht eine Verbindung zu den anderen Gebäudeteilen. In diesem langen, schmalen Gang befindet sich auch die Kontaktstelle zu den knapp 100 Erdsonden. Sie reichen 170 Meter in den Boden und liefern Wärme und Kälte für den Betrieb und die Infrastruktur. Die Energiegewinnung verläuft somit CO2-neutral.

Kran steht im Innenhof

Ein Geschoss weiter oben findet man sich plötzlich in der noch leeren Tiefgarage, in deren Decke ein grosses Loch klafft. Festgemacht und mit Gewichten beschwert, wächst daraus der grösste der fünf Kräne – rund 100 Meter ragt er in den Himmel. Mörtel- und Betonreste fallen von den Obergeschossen in die Tiefe, weil auch diese derzeit besenrein gemacht werden. Ist der Kran Anfang nächstes Jahr rückgebaut, schliessen die Arbeiter die Öffnung in der Decke, der Innenhof oberhalb bleibt bestehen.

Ein Geschoss weiter oben, noch immer ist man unter Terrain, wird jedoch nicht mehr auf Tageslicht verzichtet. Dank des Innenhofs ist die unterirdisch gelegene Küche, wie auch die zentralen Garderobenräume und das Lager – zumindest teils – mit natürlichem Licht erschlossen. Auch hier wurde bereits mit dem Innenausbau begonnen.

«Man muss sich wohlfühlen»

Auf der Nordseite des Neubaus, wo dereinst die Limmattalbahn das Spital anfährt, sind derzeit Fassadenmodelle in unterschiedlichen Brauntönen an einer Stellwand angebracht. Nicht wie auf den veröffentlichten Modellen in strahlendem Weiss, sondern in einem warmen Erdton wird sich das Spital künftig präsentieren. Dies hat laut Eichbaum einerseits praktische Gründe, so seien weisse Fassaden eher heikel im Unterhalt. «Andererseits hat dieser Braunton auch eine viel wärmere Ausstrahlung auf die Patienten und auf das gesamte Quartier.»