Für einmal sind die Lehrpersonen Schüler und gehen im Schulhaus Steinmürli die Wände hoch. Genauer gesagt die neue Kletterwand in der frisch renovierten Turnhalle, die letztes Jahr einen erheblichen Wasserschaden erlitt. Florian Brodbeck, begeisterter Kletterer und Lehrer, gibt den Dietiker Lehrpersonen einen schnellen Einblick in das breite Gebiet des Kletterns. Nach einer kurzen Einführung und den wichtigsten Sicherheitsinputs geht es los. Nur noch schnell die Handgelenke ausgeschüttelt und die Lehrerinnen und Lehrer versuchen, erst einmal bis in die Hälfte der Wand zu klettern und sicher wieder auf den Boden zurückzukommen. Was den einen leicht fällt, ist für viele ganz neues Terrain. Manche von ihnen hängen denn auch noch etwas hilflos in der Wand.

Mit verbundenen Augen klettern

Der Einführungskurs wurde den Lehrpersonen als freiwillige Übung angeboten und stiess sofort auf Begeisterung. «Gleich 30 Lehrerinnen und Lehrer haben zugesagt, das freut mich», sagt Stadtrat Jean-Pierre Balbiani, der sich für die Kletterwand starkgemacht hat. Die Turnhalle, die früher einmal ein Schwingkeller war, wurde kaum mehr gebraucht, so Gerold Schoch, der Leiter der Schulabteilung. Durch die Renovation sei der Raum wieder attraktiver geworden. «Beim Klettern werden die Psychomotorik und der Teamgeist gefördert», sagt er. Nebst der Installation der Kletterwand wurde auch der Boden neu verlegt. Es ist ein spezieller Linoleumuntergrund, der sich auch für den Rollschuhklub eignet, der wöchentlich in der Halle trainiert.

Wie die Lehrerinnen und Lehrer die Schüler für die Kletterwand begeistern können, zeigt Brodbeck in mehreren Übungen, in denen sie sich gleich selbst versuchen können. Sogar mit verbundenen Augen klettern sie die Boulderwand hinauf. Einzig die Anweisung eines Kollegen soll dabei helfen, den obersten Punkt der Kletterwand zu erreichen. Ein besonders beliebtes Spiel bei den Kindern sei auch das Bierdeckelsammeln, so Brodbeck. Dazu werden Bierdeckel auf den Klettergriffen verteilt, die die Schüler möglichst geschickt einsammeln sollen. Eine wirkliche Route nach Farben zu klettern sei erst ab der vierten Klasse empfehlenswert, weiss der Fachmann.

Lehrpersonen sind begeistert

Die Lehrpersonen zeigen sich begeistert vom Klettersport: «Es macht viel Spass und die Übungen sind gut umzusetzen im Unterricht», sagt die Lehrerin Barbara Hagg. Und sie wird nicht die Einzige sein, die das Kletterangebot mit ihrer Schulklasse nutzen wird. Denn die Lehrerinnen und Lehrer sind regelrecht angefressen vom Klettern. «Vorerst wird die Halle mit der Boulderwand noch nicht fix in die Stundenpläne integriert. Die Lehrer schreiben sich für die Halle ein», so Schoch. Christian Grau, Leiter des Schulsports und Initiant des Projekts, ist trotzdem mehr als zufrieden und lässt es sich nicht nehmen, zusammen mit einer Gruppe von Lehrpersonen selbst an der Wand zu klettern.

Zwei weitere Trendsportarten

Alternativ zur Boulderwand werden in der Halle Indoboards angeboten, weil nicht alle Schüler gleichzeitig klettern können. Auf den Brettern mit einer unterlegten Rolle können die Schüler ihr Gleichgewicht verbessern und verschiedene Tricks auf dem Indoboard üben. In Planung ist auch eine Slackline. Die neue Trendsportart ist dem Balancieren auf einem Seil sehr ähnlich, nur dass dafür ein Gurtband gespannt wird. Balance und Koordination werden gleichzeitig gefördert. Dadurch, dass die beiden Alternativen neue Sportarten seien, die die Kinder noch nicht kennen, seien sie ideal, so Schoch. «So bleiben die Kinder dran und üben selbstständig, während die anderen Schüler klettern.»