Liegen Bewohner der Mehrbettzimmer im Schlieremer Altersheim Sandbühl im Sterben, haben sie und ihre Angehörigen nur wenig Privatsphäre. Lediglich ein Paravent werde aufgestellt, wie Gemeinderat Jürg Naumann (Quartierverein) in einem Postulat von Mitte Jahr schrieb. «Dieser Zustand ist für die Mitbewohner wie auch für die Angehörigen der Sterbenden unzumutbar», so Naumann. Er forderte den Stadtrat dazu auf, ein Zimmer für Sterbende errichten zu lassen.

Diesem Wunsch wird nun Folge geleistet. Erst kürzlich sprach die Exekutive 18 000 Franken für die Umwandlung eines Büros im 7. Geschoss des Altersheims. Dieses soll nun in ein Mehrzweckzimmer umgebaut werden. «Es kann für unterschiedliche Zwecke genutzt werden, wie etwa als Zimmer für sterbende oder unruhige Personen», schreibt der Stadtrat.

Türe muss breiter werden

Bisher diente der Raum als Büro und als Lager, wie Susanne Tanner, Leiterin der Abteilung Alter und Pflege der Stadt Schlieren auf Anfrage sagt. Durch Umstrukturierung wurde der Raum nun frei.

Derzeit würden die Vorbereitungen für die baulichen Massnahmen laufen, so Tanner weiter. «Die Türe muss breiter werden und die Schränke werden wegkommen, damit es mehr Platz gibt.» Rege genutzt werde dieses Mehrzweckzimmer künftig jedoch nicht: «Dass eine sterbende Person und ihre Angehörigen dieses Angebot in Anspruch nehmen werden, kommt in etwa vier Mal jährlich vor», so Tanner.

Aus diesem Grund werde man auch weiterhin einen Computer-Arbeitsplatz im Zimmer haben, sodass der Raum während der restlichen Zeit auch zum Arbeiten oder für Sitzungen benutzt werden könne. In den nächsten Wochen werde mit den baulichen Arbeiten begonnen, so Tanner. «Wir rechnen damit, dass das Zimmer in etwa zwei Monaten bereit sein wird.»

Verhalten Reaktion von Naumann

Bereits in der Parlamentssitzung von Ende August zeichnete sich ab, dass das Haus für Betagte Sandbühl ein Zimmer für Sterbende erhalten wird. Obwohl Sozialvorstand Christian Meier (SVP) damals darauf verwies, dass die Exekutive das Bedürfnis anerkenne sowie bereits ein Projekt in Planung habe und eine Überweisung des Postulats daher nicht mehr notwendig sei, überwies es der Gemeinderat mit 25 zu 4 Stimmen.

Trotz der Nachrichten aus dem Stadtrat bleibt Naumann verhalten. Auf Anfrage verweist er darauf, dass das Zimmer noch immer nicht eingerichtet sei und sich sein Postulat erst erledigt habe, wenn dies geschehen sei. «Wir werden sehen, wann das Zimmer im Haus für Betagte Sandbühl auch wirklich definitiv zur Verfügung steht.»