Kantonales Nachwuchsschwingfest in Weiningen
Im Sägemehl streben diese Limmattaler Nachwuchsschwinger nach einem Zweig

Am Kantonalen Nachwuchsschwingfest in Weiningen sind rund 350 Schwinger am Start – darunter auch neun Lokalmatadore

Sandro Zimmerli
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 Schwingerhosen beim Training der Jungschwinger des Schwingklub Glatt- und Limmattal, im Schwingkeller der Turnhalle Moos in Schlieren.
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 Trainer Lorenz Togni verteilt die Schwinghosen an die Jungschwinger.
 Jungschwinger des Schwingklubs Glatt- und Limmattal beim Training im Schwingkeller.
 Auch Schwinger müssen sich aufwärmen.
 Liegestützen im Sägemehl dürfen natürlich auch nicht fehlen.
 Fabian Zemp beim Training.
 Jungschwinger Fabian Zemp (13) aus Hüttikon.
 Cyrill Guthauser (in blau) schwingt gegen Fabian Zemp (in grün).
 Jungschwinger Cyrill Guthauser (13) aus Dietikon.
 Jungschwinger Oliver Bachmann (12) aus Dietikon.
 Stefan Zemp (in gelb) schwingt dieses Mal gegen Oliver Bachmann.
 Jungschwinger Stefan Zemp (15) aus Hüttikon.
 Jungschwinger bestaunen eine Fotowand mit Bildern der Schwingkönige.
 Cyrill Guthauser (in blau) schwingt im Training gegen Fabian Zemp (in grün).
 Cyrill Guthauser (in blau) schwingt dieses Mail gegen Oliver Bachmann.
Kantonales Nachwuchsschwingfest

Schwingerhosen beim Training der Jungschwinger des Schwingklub Glatt- und Limmattal, im Schwingkeller der Turnhalle Moos in Schlieren.

SEVERIN BIGLER

Besonders motivieren muss man die Nachwuchsschwinger des Schwingklubs Glatt- und Limmattal nicht. Konzentriert gehen sie im Training unter der Leitung von Lorenz Togni ihrer Arbeit nach. Im Schwingkeller in der Turnhalle Moos in Schlieren holen sie sich den letzten Schliff für den Saisonhöhepunkt, das Kantonale Nachwuchsschwingfest vom kommenden Samstag in Weiningen. Dass dieses auch noch vom eigenen Verein organisiert wird, sorgt für einen extra Motivationsschub. «Ich freue mich, dass unser Klub wieder einmal ein Schwingfest organisiert, und hoffe auf viele Fans», sagt der 13-jährige Cyrill Guthauser aus Dietikon.
Zusammen mit acht Vereinskollegen wird er in Weiningen ins Sägemehl steigen.

Insgesamt erwartet das Organisationskomitee unter der Führung des Weininger Gemeindepräsidenten Hanspeter Haug über 350 Nachwuchsschwinger der Jahrgänge 1999 bis 2009 aus den Kantonen Zürich, Glarus, Graubünden, Schaffhausen, St. Gallen und Thurgau. Eine starke Konkurrenz, findet Bruno Auf der Maur, Medienverantwortlicher beim Schwingklub Glatt- und Limmattal. «Besonders die Thurgauer, St. Galler und Bündner sind hoch einzuschätzen», sagt er. Dennoch traut er auch den Zürchern zu, in der ein oder anderen der fünf Alterskategorien ganz vorne mitzuschwingen. «Ein Kategoriensieg für unseren Schwingklub wird schwierig. Für Auszeichnungen sehe ich aber durchaus Chancen», so Auf der Maur.

An seinen Schützlingen soll es nicht liegen. Selbstbewusst sind sie. «Mein Ziel ist eine Auszeichnung», sagt der 15-jährige Hüttiker Stefan Zemp. Auch sein Kollege, der 12-jährige Oliver Bachmann aus Dietikon, hat sich einen Zweig, das Pendant zum Kranz bei den Aktiven, zum Ziel gesetzt. «Allerdings muss ich dieses Mal gegen ältere Jahrgänge schwingen», sagt er.

Werbung für den Schwingsport

Etwa ein Drittel der Teilnehmer am Kantonalen Nachwuchsschwingfest werden mit einer Auszeichnung nach Hause fahren. «Das ist etwas anders als bei den Aktiven. Dort erhalten maximal 18 Prozent der Teilnehmer eines Schwingfestes einen Kranz. Bei den Junioren ist man da grosszügiger», so Auf der Maur. Nichtsdestotrotz ist das Fest in Weiningen für die heimischen Schwinger nur schon wegen der Kulisse ein besonderes Erlebnis. «Ich freue mich auf die Kollegen und Verwandten, die mich anfeuern werden», so der 13-jährige Fabian Zemp aus Hüttikon. Auch für den Schwingklub Glatt- und Limmattal ist das Kantonale Nachwuchsschwingfest ein spezieller Anlass. Einerseits weil er bei acht Klubs, die dem Zürcher Kantonal-Schwingerverband angehören, nur alle acht Jahre mit der Organisation an der Reihe ist. Andererseits bietet das Fest ein Schaufenster, um für den Schwingsport in der Region Werbung zu machen.

75. Kantonales Nachwuchsschwingfest

Das Fest findet am 8. Juli in Weiningen beim Schulhaus Schlüechti statt. Auf
8 Uhr ist das Antreten der Schwinger angesetzt. Die Schlussgänge finden um 16.30 Uhr statt. Vom Schwingklub Glatt- und Limmattal sind die Dietiker Oliver Bachmann, Cyrill und Manuel Guthauser, der Bergdietiker Noel Boll, der Birmensdorfer Sandro Bader, der Schlieremer Dario Cirone, der Geroldswiler Jeremy van Altena sowie die beiden Hüttiker Fabian und Stefan Zemp dabei.

Derzeit zählt der Schwingklub Glatt- und Limmattal rund zehn Jungschwinger, die regelmässig trainieren. Es werde jedoch zunehmend schwieriger, Junge für den Schwingsport zu begeistern, so Auf der Maur. «Gerade in einer Gegend wie dem Limmat- und dem Glattal mit ihrer Nähe zur Stadt Zürich ist das Angebot riesig», sagt er. Aber auch andernorts schlage sich die steigende Popularität des Schwingens nicht in einer Zunahme an Nachwuchsschwingern nieder. «Grösser werden in erster Linie die Zuschauerzahlen an den Festen», so Auf der Maur. Einzig in jenen Regionen, aus denen der jeweilige Schwingerkönig stamme, sei eine Zunahme an Jungschwingern feststellbar. Deshalb sei man regelmässig an Schulen unterwegs oder an anderen Anlässen präsent, um das Schwingen vorzustellen.

Fairness wird grossgeschrieben

Bei den Brüdern Stefan und Fabian Zemp war es denn auch ein spezielles Training, das die beiden für den Schwingsport begeisterte. «Wir konnten mit dem dreifachen Schwingerkönig Jörg Abderhalden trainieren», sagt Stefan Zemp. Viele Jungschwinger würden den Weg in den Schwingkeller jedoch über Kollegen finden, sagt Auf der Maur. Das sei bei ihm nicht anders gewesen. Ihm habe vor allem der Umgang untereinander imponiert. «Beim Schwingen wird der Gegner respektiert. Man gibt sich vor und nach dem Kampf die Hand. Auch der Entscheid des Kampfrichters wird akzeptiert», so Auf der Maur. Dieser Fairnessgedanke wolle man den Jungschwingern vermitteln.

Nicht nur deswegen sei Schwingen ein lohnenswerter Sport, findet Auf der Maur, der ein Einstiegsalter von 10 Jahren für ideal hält. «Man braucht keine besondere Ausrüstung. Zudem ist Schwingen sehr vielfältig. Es erfordert Technik, Kraft und Ausdauer.» Gerade kleinere und weniger kräftige Schwinger könnten durch eine saubere Technik und eine gute Kondition ihre körperliche Unterlegenheit wettmachen. Auch ein gewisses Mass an Flexibilität mache einen guten Schwinger aus. «Wenn man merkt, dass man mit einem Schwung beim Gegner einfach nicht weiterkommt, muss man innerhalb des Kampfes seine Taktik ändern können», sagt er. Um ein Spitzenschwinger zu werden, sollte man möglichst viele dieser Komponenten vereinen, so Auf der Maur. So weit ist es bei den Jungschwingern des Schwingklubs Glatt- und Limmattal noch nicht. An der Einstellung mangelt es jedenfalls nicht. Das Training in Schlieren wird sogar um einige Minuten überzogen.