Urdorf
Im Restaurant "Bahnhöfli" geht es um die Wurst

Die neuen Besitzer des Restaurants Bahnhöfli in Urdorf haben für ihr Lokal noch viele Pläne

Kevin Capellini
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Kevin Capellini

Altehrwürdig steht das Restaurant «Bahnhöfli» seit knapp 120 Jahren als Zeitzeuge gegenüber vom Bahnhof Urdorf. Es sah – gerade in den letzten Jahren – die Pächter kommen und schnell wieder gehen. Sechs Monate stand die Gaststätte leer, nun weht wieder frischer Wind durch die neu geöffneten Türen. Doch es ist nicht mehr einfach ein Lokal, sondern ein Treffpunkt für die Gemeinde.

«Es wäre für uns niemals in den Sinn gekommen, das ‹Bahnhöfli› als klassisches Speiselokal zu führen», meinen die Fontanella-Brüder Simone und Diego, die das Lokal zusammen führen. Wenn man wisse, dass andere Personen auf dem klassischen Weg keinen Erfolg hatten, brauche es Visionen und neue Ideen, um dem historischen Lokal wieder Leben einzuhauchen, sagt Simone Fontanella.

Die Wurst als Erfolgsrezept
Und so kommt es dann, dass der gemeine Gast im «Bahnhöfli» auch nicht das Menu eins mit Suppe bestellt, sondern von einer kleinen, ausgesuchten Wurstkarte auswählen kann. Diese sind die Spezialität der neuen Mannschaft. Würste. In allen verschiedenen Geschmäckern. «Wir haben eine gute Partnerschaft mit einem lokalen Metzger», sagt Diego Fontanella, «alle unsere Produkte kommen aus der Region.» Und dies sei den beiden Betreibern wichtig. «Bei uns soll es die besten Würste überhaupt geben», sagen sie.

Und dafür hat man auch extra einen speziellen Wurst-Grill angeschafft, der von einem pensionierten Ingenieur erfunden wurde. Gesehen haben sie diese Apparatur zufällig in einer Zeitung. Nachdem sie den Erfinder kontaktiert hatten, brachte dieser dann ein Grillrad vorbei. Lange hätten sie daran herumhantiert und probiert, um die richtige Hitze einzustellen, damit auch wirklich ein gutes Resultat erzielt werden könne, erklärt Simone Fontanella, «die perfekt grillierte Wurst hinzukriegen, es ist schon fast eine Wissenschaft.»

Über 15 verschiedene Würste soll es im Angebot geben, sobald alle Partner feststehen. Neben dem Fleisch werden auch frisch gebackene Brote und Desserts verkauft, die vom lokalen Beck kommen, so Fontanella. Man komme nicht als Konkurrent, sondern als neuer Partner nach Urdorf.

Treffpunkt für jedermann
Mit diesen Partnern will das vierköpfige Team etwas neues versuchen. Simone und Diego Fontanella sehen das «Bahnhöfli» nicht als Restaurant, sondern, wie sie es nennen, als Treffpunkt für Jung und Alt. «Das frühere Restaurant hatte einen Stammtisch mit vielen regelmässigen Gästen, die zum Jassen kamen. Dies wollen wir auch wieder anbieten», sagt Diego Fontanella. Und auch die Vereine, welche seit der Schliessung des Lokals im März kein Zuhause mehr haben, sollen das «Bahnhöfli» wieder ihr Stammlokal nennen dürfen.

Das Angebot stösst gemäss Simone Fontanella auf offene Ohren. Beim Abend alleine soll es aber nicht bleiben. «Wir wünschen uns, dass der ‹Treffpunkt› Teil der Urdorfer und ihres Alltags wird», erzählen die beiden Pächter. Vorerst bleibt der «Treffpunkt», also das «Bahnhöfli», am Wochenende jeweils geschlossen. Doch es komme noch einiges, verraten die beiden. Geplant sei unter anderem eine kleine Weinhandlung mit italienischen Gourmetprodukten, Private-Dining-Events oder ein Privatklub, der im selben Gebäude untergebracht sein wird. Doch dafür brauche es wohl noch etwas Zeit und Geduld, meinen die Fontanella-Brüder zuversichtlich.

Das «Bahnhöfli» hat also wieder eine Zukunft. Anders steht es jedoch um das Restaurant «Pappel», ebenfalls in Urdorf. Wie im Februar bekannt wurde, muss das Traditionslokal seine Türen in den nächsten zwei Jahren schliessen und einem Mehrfamilienhaus weichen.