Birmensdorf
Im Recyclingcenter Birmensdorf werden ganze Lokomotiven verschrottet

Die Ausmasse sind riesig. Da ist das Gelände der M.F. Hügler AG im Birmensdorfer Bergermoos: Es misst 22000 Quadratmeter Fläche. Darauf steht die imposante sicher zehn Meter hohe Halle. 100 auf 100 Meter ist sie gross.

Flavio Fuoli
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10 Bilder
Die Metallschere in Aktion
Eingang zur grossen Recyclinghalle
Eisen wird in die Metallschere geladen
Die imposante Halle
Betriebsleiter Noel Baur
Lagerung von Altmetall
Blick in die grosse Halle
Ein ganzer Kran wird angeliefert
Recyclingcenter Birmensdorf

Limmattaler Zeitung

Die Halle aber dient im Prinzip nur einem Zweck: Der Lagerung und Verarbeitung von Metallschrott. Betriebsleiter Noel Baur weiss, weshalb: «Eisenschrott muss im Kanton Zürich aus Umweltschutzgründen überdacht gelagert werden. Ausserdem schützt die Halle die Umgebung von Staub und Lärm.»

Seit November 2010

Der Betrieb ist seit November 2010 im Limmattal, seit Februar 2011 läuft er auf allen Ebenen. Er gehört zur Firmengruppe «die-entsorger.ch», die fünf Firmen aus der Recycling-Branche unter einem Firmendach vereint. Hauptsitz ist die Firma M.F. HüglerAG in Dübendorf. «Mit der Eröffnung des Betriebs in Birmensdorf können wir den Gubrist und damit die vielen Staus umgehen und neue Gebiete zur Anlieferung erschliessen», nennt Baur die Gründe für die Ansiedlung in Birmensdorf. Auch die Autobahn der Westumfahrung wirke sich positiv auf die Geschäfte aus, wie Baur feststellen konnte. Der Raum Bremgarten werde attraktiv für den Betrieb.

«Nichts ist wertlos»

Und dieser scheint gut zu laufen. Beim Besuch der az Limmattaler Zeitung kommt Lastwagen um Lastwagen auf die Waage gefahren, um Metallschrott jeder Art abzuliefern. Sogar ein ganzer Baukran findet den Weg nach Birmensdorf zur Verschrottung. «Wir können hier auch ganze Lokomotiven verarbeiten», sagt der Betriebsleiter. Denn Lokomotiven und komplexe Maschinen zu verarbeiten bedeutet für die Firma eine grosse Wertschöpfung. Weil sie fähig ist, diese mit all ihren Maschinen und ihren Mitarbeitern in Einzelteile zu zerlegen.

Diese Haltung stimmt ganz mit dem Firmenmotto überein: «Nichts ist wertlos.» Der M.F. Hügler AG gelingt es denn auch, pro Monat 3000 Tonnen Eisen und 500 Tonnen Nichteisenmetalle wie etwa Kupfer in den Stoffkreislauf zurückzuführen.

Wichtige Instrumente dafür sind nicht nur 16 Mitarbeiter, ausgebildete Recyclisten mit Berufsabschluss, sondern auch ein Schneidplatz und eine Metallschere, die 800 Tonnen Kraft entwickeln kann.

Ist die Ware auf den Lastwagen erst einmal gewogen, durchfährt sie eine Radioaktivschleuse. Radioaktive Teile sind im Betrieb nicht erlaubt. Sie werden gesammelt und entsprechend entsorgt. Sollte dennoch radioaktives Material in den Stoffkreislauf kommen, könnte das für den Betrieb eventuell hohe Kostenfolgen haben, weil es aufwändig entsorgt werden müsste. Hernach wird das angelieferte Material von den Fachleuten in der Halle taxiert und an die entsprechenden Stellen abgeladen. Überall in der Halle sind Abteile ausgeschieden, in denen sich je nach dem Riesenberge von Altmetall in unterschiedlicher Qualität und Sorte türmen.

Dem Eisen kommt eine spezielle Behandlung zu. Es wird für die Stahlwerke je nach Bedarf in unterschiedlich grosse Stücke geschnitten. Hiefür kommt der Schrott zuerst in eine längliche Presse. Hernach wird der Metallstrang von der Schere in Scheiben geschnitten. Diese ofengerechte Stücke werden in den Stahlwerken wieder zu Stahl eingeschmolzen und weiter verarbeitet.

Auch das übrige Metall wird nach Art und Reinheitsgrad sortiert. An einem Ort werden dicke Kupferkabel von ihrer Plastikhülle befreit. «Je reiner das Kupfer ist, desto höher ist für uns die Wertschöpfung», bemerkt Baur dazu.

Keine Spekulation mit Preis

Die M.F. Hügler AG verkauft den Rohstoff, den sie den Anlieferern abkauft, wieder weiter. Das Ziel sei, so Baur, dass Ende Monat die angelieferte Ware wieder vom Gelände weg sei. «Wir spekulieren nicht mit dem Material, deshalb geht es regelmässig von hier fort.» Dies geschieht zu 90 Prozent per Bahn. Der Gleisanschluss im Bergermoos war deshalb ein weiteres Element, der die Firma hierher zog. «Erstens ist es praktisch zu Laden, zweitens wollen wir mit unserer Arbeit nachhaltig sein», bemerkt der Betriebsleiter dazu. «Wir stehen ja zum Recycling, wenn auch die Bahn etwas teurer ist.»

Ob die Arbeit Spass mache, wird Noel Baur gefragt: «Ja, sicher, es ist eine nachhaltige Arbeit, die noch Potenzial aufweist.» Es seien zwar nicht mehr die goldigen 70er- und 80er-Jahren, wo die Leute den Schrott noch gratis gebracht hätten. «Heute kennt der Kunde den Preis, der fragt zuerst an fünf Orten an, bevor er anliefert.»

Umso erfreulicher, dass die Birmensdorfer Recyclisten über mangelnde Arbeit nicht klagen können.