Oberengstringen
Im Oberengstringer Jazz Club Allmend trampelten Elefanten durch den Saal

16 Jahre, nachdem sich der legendäre Zirkus Federlos aufgelöst hat, sind die damaligen Mitglieder wieder als Federlos-Band unterwegs. Sie alle sind unterdessen feste Grössen in der Schweizer Jazzszene. Ihre Musik ist noch immer ein Erlebnis.

Susanne Brem
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Christian Kuntner am Gmbri
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die Federlos Band
Co Streiff und Tommy Meier am Saxophon
Federlos-Band trat im Jazzclub Oberengstringen auf
Co Streiff und Tommy Meier am Saxophon

Christian Kuntner am Gmbri

Susanne Brem

Alles beginnt mit den schrägen Klängen aus einer Trompete und zwei Saxofonen. Dann gesellen sich Bass, Keyboard und Schlagzeug dazu. Und schliesslich ist der ganze Raum ausgefüllt mit urchig-schrägem Jazz: So in etwa darf man sich einen Auftritt der legendären Federlos-Band vorstellen. Am Samstag gastierten sie im Oberengstringer Jazzclub Allmend.

«Heute dürfen wir Ihnen eine Band präsentieren, die Zirkusgeschichte geschrieben hat», sagte Martin von Aesch, Präsident des Jazzclubs. Der Zirkus Federlos wurde in Jahr 1983 gegründet und reiste 13 Jahre lang mit Zelt und Wohnwagen durch die Schweiz, Deutschland und Österreich, aber auch durch Holland und Belgien und sogar Simbabwe, Namibia, Nigeria und Südafrika.

«Wir verstanden unsere Reisen nach Afrika als Kulturaustausch», erinnert sich Co Streiff, die Frau am Saxofon. Man habe sich gegenseitig inspiriert. 1996 löste sich der Zirkus Federlos auf. Danach gingen alle Bandmitglieder sehr erfolgreich ihren eigenen Weg als Berufsmusiker und sind heute allesamt feste Grössen der Schweizer Jazzszene. So gründete Co Streiff beispielsweise das Co Streiff-Russ Johnson-Quartett, Tommy Meier gründete die Root Down Bigband und Ben Jeger komponierte sehr erfolgreich Filmmusik, kürzlich zum Beispiel für den Film «Verdingbub».

Letztes Jahr hat sich die FederlosBand nach 16 Jahren wieder getroffen, hat alte Stücke wieder aufleben lassen, neue Songs hinzugefügt – und beschlossen, nochmals auf Tour zu gehen. Im Jazz Club Allmend wurde vor allem eines klar: Die sechs Musiker – Co Streiff (Saxofon), Tommy Meier (Saxofon), Peter Schärli (Trompete), Ben Jeger (Akkordeon, Farfisa), Christian Kuntner (Bass) und Fredi Flückiger (Schlagzeug) – lieben das musikalische Experiment noch immer.

Schlangen, Artisten und Elefanten

Der eigensinnige, unverwechselbare Jazz der Federlos-Band ist nach wie vor geprägt von afrikanischen und Zirkus-Einflüssen: Wenn Christian Kuntner mit den Fingern auf seinem Kontrabass einen Rhythmus klopft, wähnt man sich im afrikanischen Busch. Gesellen sich die anderen Instrumente dazu, finden sich die Zuhörer bald im Zirkusrund der Manege wieder. Da spielen die beiden Saxofonisten, als ob sie eine Schlange beschwören wollten. Dann wieder hörte man die Artisten: den Jongleur, der mit sieben Bällen gleichzeitig jongliert, den Zauberkünstler, der das Kaninchen aus dem Hut zaubert oder die Clowns, die im Zirkusrund herumtoben. Am Ende glaubte man sogar zu hören, wie die Elefanten durch den Saal trampelten und wie wild umhertröteten. Dem Publikum gefiel’s.