Es ist ein schlechtes Orchideenjahr bis jetzt. Durch den starken Frost sind viele der Pflanzen erfroren, und aufgrund der wenigen Regentage konnten sie nicht richtig gedeihen. Josef Böni weiss, wovon er spricht: Er ist seit bald 20 Jahren ein guter Freund der Orchideen. Während einer Wanderung im Jahr 2000 wurde er auf die unscheinbaren Blumen am Wegrand aufmerksam gemacht. «Kaum zu glauben, dass das Orchideen waren», sagt er.

Sein Interesse war geweckt. In einem kleinen Buch, das er sich auf einer Alp kaufte, entdeckte er, dass es in der Schweiz ganze 72 Orchideenarten gibt. «Da entschied ich, es zu meiner Aufgabe zu machen, sie alle zu finden», sagt der Spreitenbacher. Auf 45 Exemplare sei er ohne grosse Anstrengung gekommen. Das sei gar nicht so schwierig gewesen: «Ich habe einfach die Augen offen gehalten», sagt er.

Durch das Buch wurde er auch auf den Verein Ageo aufmerksam. Ausgeschrieben bedeute das «Arbeitergemeinschaft für einheimische Orchideen», erklärt der 64-Jährige. Der Verein kümmere sich um den Schutz und den Erhalt der Pflanze. Es sei auffallend, wie viel für exotische Blumen getan werde, während sich niemand um die einheimischen sorge.

Genaueste Daten der Schweiz

Dem will Böni mit seinem Engagement entgegenwirken. «Es geht darum, die verschiedenen Orchideen zu lokalisieren und danach zu kartieren.» Der genaue Standort wird mit zusätzlichen Informationen in eine Datenbank eingespeist. Das seien die mit Abstand genauesten Angaben der Schweiz, sagt Böni: «Wir vermerken die Höhenmeter, die Art der Wiese und den Zustand der Blume. Das vereinfacht das Wiederfinden.»

Neben dem Kartieren fällt auch die Pflege der Gebiete an. Das Unkraut, das sich gerne auf den verschiedenen Flächen vermehrt, muss abgemäht werden, weil die Orchideen sonst eingehen. Dabei muss allerdings grosse Vorsicht an den Tag gelegt werden. Denn wenn bereits erblühte Orchideen abgemäht werden, können sie sterben. Das Mähen sei eine relativ mühselige Arbeit, sagt Böni. Trotzdem gefällt sie ihm. «Wir gehen bei jedem Wetter. Einmal bin ich völlig verdreckt nach Hause gekommen und meine damalige Partnerin hat gemeint, ich sehe aus wie ein kleiner Junge. Von oben bis unten schlammbespritzt, aber die Augen leuchteten», erzählt Böni.

Selbstgemachter Kräutertee

Eine Affinität zu Flora und Fauna wurde ihm schon in die Wiege gelegt. Bönis Vater kannte sich hervorragend mit Kräutern aus. «Wenn wir in die Berge gingen, nahmen wir nie Getränke mit. Mein Vater hatte ein Pfännchen und einen Gasbrenner dabei. Er suchte eine Wasserstelle und zeigte uns, wo wir Kräuter pflücken konnten.» So seien sie stets in den Genuss von feinen Kräutertees gekommen. Die Begeisterung für das Wandern flaute allerdings in Bönis Jugend ab. «Während meiner Lehre zum Feinmechaniker gab es plötzlich Spannenderes und danach habe ich mich mehrheitlich der Arbeit gewidmet. Da sind das Wandern und die Natur in den Hintergrund gerückt.»

Mittlerweile bedauert Böni es, dem Vater nicht mehr zugehört zu haben. Denn seine eigene Leidenschaft, die vorerst vor allem der Orchidee galt, hat sich nun ausgeweitet. «Ich bezeichne mich heute einfach als Fan der Natur», sagt er. Mit der verrichteten Arbeit sei auch den Bienen und verschiedenen Amphibien geholfen, ihre Lebensgrundlage zu erhalten. «Je länger ich mich um die Natur kümmere, desto mehr erkenne ich die Zusammenhänge», sagt Böni. «Für mich gibt es nichts Schöneres.»