Im Mittelpunkt der TextWerkstatt in den neuen Räumen des TheaterDietikon standen für einmal nicht Antworten, sondern die Fragen. Obschon der Titel der Veranstaltung - «Was zum Teufel ist mit Gott los?» - die Frage klar formulierte, eine geradlinige Antwort blieb Hehner den Besuchern in seiner zweistündigen Lesung schuldig. Vielmehr konzentrierte er sich darauf, den Gedanken der Zuhörer freien Lauf zu lassen. Humoristisch verpackt, war die vielleicht abstrus scheinende Auswahl seiner Texte ein Genuss für Geist und Gehör.

Hehner verstand es, seine Stimme wie ein Instrument zu spielen und der Veranstaltung so eine persönliche Note zu geben. Zwar war eine Prise Vorstellungsvermögen unabdingbar, jedoch halfen die theatralisch vorgetragenen Sätze dem Kopfkino meist auf die Sprünge. «So eine Lesung ist einfach lässig», urteilte Sabine Billeter, Geschäftsleiterin der Dietiker Zentrumsvereinigung. «Wenn es jemand wirklich kann, ist es, als wäre man im Theater.»

Gott und die Erbsenkiste

Eine ungewöhnliche Theorie zur Entstehung des Universums diente als Einleitung des literarischen Abends in der TextWerkstatt. Die Geschichte von Franz Hohler erzählte von einer Kiste voller Erbsen, von der Gott nicht wusste, wer sie ihm hingestellt hatte. Nach sieben Tagen platzte das grüne Gemüse aus der Kiste und verwandelte sich in Sonnen - das Universum war geboren.

Auch die zweite Geschichte drehte sich um Gott, war aber mit viel weltlichem Garn umsponnen. Darin bekam ein Privatschnüffler von einer gut gebauten Blondine den Auftrag, Gott zu suchen. Von einem Techtelmechtel mit seiner Auftraggeberin bis hin zu einem zufälligen Treffen mit dem Papst in einer New Yorker Kneipe unterhielt die Geschichte und warf nebenbei gesellschaftskritische Fragen in den Raum.

Krieg in Syrien, gepaart mit Hiob

Einen Kontrast dazu bildeten darauf die Briefe eines Kriegsjournalisten aus Syrien. Gepaart mit Einschüben aus der Hiobs-Geschichte bewies der Vorleser sein feines Gespür. «Ich wollte einen Bogen um die ausgewählten Geschichten spannen. Dabei habe ich mich auch auf Kleinigkeiten geachtet», erklärte Hehner.

Im dritten Akt der Lesung spielte dann der Teufel die Hauptrolle, bevor Hehner mit der Schlussrede aus «Der grosse Diktator» von Charlie Chaplin den Vorhang seines literarischen Theaters fallen liess. Zusammenfassend eine schön inszenierte Möglichkeit, der Fantasie freien Lauf zu lassen und einige Gedankenanstösse mit nach Hause zu nehmen.