Weihnachten
Im Massnahmenzentrum Uitikon steht an Festtagen das Zusammensein im Vordergrund

Auch im Massnahmenzentrum wird Weihnachten gefeiert. Sogar Geschenke bekommen die jungen Straftäter.

Daniel Diriwächter
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undefined Die Mensa des Massnahmenzentrum Uitikon wurde hübsch für Weihnachten geschmückt.
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undefined In der Gärtnerei, wo Häftlinge des Massnahmezentrum Uitikon arbeiten, wurde kräftig für Weihnachten produziert.
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Massnahmenzentrum Uitikon
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Mario Heller

Es ist ein heller, moderner Raum, auf dessen Esstischen die Kerzen leuchten. Am Fenster steht ein hübsch geschmückter Tannenbaum. Nichts lässt vermuten, dass hier straffällig gewordene Jugendliche oder junge Erwachsene bis 25 Jahre gemeinsam Weihnachten feiern. Doch es handelt sich um den Speisesaal des Massnahmenzentrums Uitikon (MZU). Die Klienten – so werden die Insassen bezeichnet – erwartet dort ein eigens für sie gestaltetes Festtagsprogramm; in der offenen sowie in der geschlossenen Abteilung. Niemand soll auf Weihnachten verzichten müssen.

«Wir möchten an diesen Tagen das Brauchtum unserer Kultur pflegen und vermitteln», sagt Guido Marggraf, Leiter der Offenen Abteilung im MZU. Er ist seit 13 Jahren für die Einrichtung tätig und ist zusammen mit seinen Mitarbeitern bestrebt, eine besinnliche Zeit einzuläuten, die Raum bietet, um das Jahr Revue passieren zu lassen – wenn möglich nicht alleine in der Wohnzelle. «Das Beisammensein ausserhalb des gewohnten Rahmens soll die soziale Integration fördern», so Marggraf.

Gerade die Weihnachtszeit biete den idealen Einblick in einen Lebensentwurf, den sich viele der Insassen für das zukünftige Leben wünschen. «Viele haben Biografien, die nicht optimal verliefen oder hatten nicht die Chance, konstante Beziehungen aufzubauen», erklärt Marggraf. Also sei Weihnachten beziehungsweise das Miteinander an diesen Tagen, eine «korrigierende Erfahrung».

Nicht alle dürfen nach Hause

In der Offenen Abteilung sind junge Straftäter untergebracht, die sich für eine Verantwortungsübernahme bewährt haben und eine Ausbildung in einem der Berufe, die das MZU anbietet, entschieden haben – beispielsweise als Schreiner, Maler oder Gärtner. Sie kommen jeweils Mitte Dezember bereits in den Genuss eines Weihnachtsapéros. Zusammen mit Mitarbeitern und Arbeitspartnern wie Ärzte oder Seelsorger können die Klienten bei geselligem Beisammensein auf die Festtage anstossen – selbstverständlich ohne Alkohol. Rund 90 Personen waren es in diesem Jahr, so Marggraf.

Guido Margraf, Sozialpädagoge des Massnahmezentrum Uitikon. Guido Margraf, Sozialpädagoge des Massnahmezentrum Uitikon.

Guido Margraf, Sozialpädagoge des Massnahmezentrum Uitikon. Guido Margraf, Sozialpädagoge des Massnahmezentrum Uitikon.

Mario Heller

Das Fest selbst wird in der Offenen Abteilung immer am 23. Dezember gefeiert, da einige der Klienten kontrollierte Vollzugslockerungen erhalten und Weihnachten bei ihren Angehörigen verbringen. Am Tag vor Heiligabend wird aber miteinander gekocht und eine Weihnachtsgeschichte erzählt. Zudem erhalte jeder Klient von seiner Bezugsperson ein kleines Geschenk.

Auch in der Geschlossenen Abteilung sind die Festtage ein Thema. In diesem Jahr wurde ein Adventskalender veranstaltet; jeden Tag las einer der inhaftierten Sträflinge eine Episode einer besinnlichen Geschichte vor. Für Weihnachten werden die Räume festlich dekoriert, ein individuelles Abendprogramm gestaltet und es wird ebenfalls ein Geschenk verteilt. Nur wenige erhalten dort die Möglichkeit, ihre Angehörigen zu besuchen. Marggraf betont, dass man gerade an Weihnachten darauf achte, dass Insassen mit wenig oder keiner Bindung zur Aussenwelt nicht in der Isolation versinken. Schnell könne eine nachdenkliche in eine depressive Stimmung kippen. «Die Bezugspersonen sind dann besonders gefordert, um Begegnungsräume zu schaffen», sagt Marggraf.

Konfessionsübergreifende Feste

Die Feiern finden während der Freizeit der Klienten statt; die Teilnahme ist deshalb freiwillig. Die Insassen haben zudem verschiedene religiöse Hintergründe. Deswegen werden entsprechende Festtage im MZU konfessionsübergreifend gestaltet; mindestens einer der drei eng zusammenarbeitenden Seelsorger (römisch-katholisch, evangelisch und muslimisch) ist immer anwesend, oft nehmen sie auch gemeinsam an den Feierlichkeiten teil.

Bislang gab es keine nennenswerten religiösen Zwiste, im Gegenteil: Die Insassen würden sich generell allen Seelsorgern anvertrauen, ihnen Fragen stellen und Antworten erhalten. Dieses System habe sich bewährt. «Aber trotz der Aktivitäten leben unsere Klienten im Straf- und Massnahmenvollzug und müssen mit vielen Einschränkungen leben, das darf nicht vergessen werden.»

Nebst Weihnachten wird auch der Silvester gefeiert. So organisiert die Offene Abteilung einen Anlass mit kulturellem oder sportlichem Inhalt. Einige dürfen wie eine Woche zuvor ihre Angehörigen besuchen. Die im MZU Verbleibenden erhalten ein individuell gestaltetes Abendprogramm bis Mitternacht.

Anders die Insassen der Geschlossenen Abteilung: Sie müssen das neue Jahr ab Zimmereinschluss in der Wohnzelle beginnen. Ihnen bleibt aber das grosse Feuerwerk auf dem Üetliberg, das sie durchs Fenster beobachten können.