Dietikon

Im Luce7 gehen bald die Lichter aus: Weshalb das erste Lampengeschäft im Zentrum Dreispitz schliesst

«Wir können es wirtschaftlich nicht mehr verantworten, weiterzumachen», sagt Guido Planzer von Luce7. Ende September geht das Geschäft für immer zu.

«Wir können es wirtschaftlich nicht mehr verantworten, weiterzumachen», sagt Guido Planzer von Luce7. Ende September geht das Geschäft für immer zu.

Guido und Beatrix Planzer machen ihren Lampenladen in Dietikon dicht. Das Coronavirus hat ihnen die letzte Zuversicht genommen.

Aus Stahl geformte Kugeln erhellen den Raum, eine farbige Decken-Leuchte aus Muranoglas sticht ins Auge. Ebenso ein Gorilla-Kopf aus Ton. Aus seinem Mund ragen drei Lampen. Leuchten und Lichter in mannigfaltiger Form, Grösse und Farbe schmücken das 200 Quadratmeter grosse Geschäft Luce7 im Zentrum Dreispitz in Dietikon.

1200 Exemplare stehen und hängen in der Ausstellung. «In einer Manufaktur in Bergamo haben wir dem Produzenten bei der Herstellung der Kugeln zugeschaut. Um sie so rund zu bekommen, braucht er für jedes Stück acht Stunden», sagt Guido Planzer und zeigt auf eine goldene Deckenleuchte. Der Dietiker weiss zu jeder seiner Lampen eine Geschichte zu erzählen.

Er kümmert sich nicht nur um den Verkauf, sondern führt auch Montagen und Beratungen durch. Doch bald ist Schluss damit. Der 47-Jährige und seine Frau Beatrix haben den Mietvertrag auf Ende September gekündet. Sie schliessen ihren Laden im verflixten siebten Jahr.

«Das Coronavirus hat uns die letzte Zuversicht genommen», sagt Planzer. Die Verkaufszahlen sanken ab 2010 kontinuierlich. «Jahr für Jahr haben wir uns gefragt: Lohnt es sich noch?» Anfang September 2019 erfolgte der Baustart der zweiten Etappe der Limmattalbahn. Die Baustelle vor der Haustüre bei der Bunkerkreuzung setzte dem Geschäft zusätzlich zu. «Wir konnten uns im Herbst und Winter kein Polster zulegen, um die Sommerruhe zu überbrücken. Wir waren aber immer noch hoffnungsvoll, dachten, im Frühling zieht das Geschäft wieder an.» Es folgte die Coronapandemie, Planzers mussten den Laden für zwei Monate schliessen. Nun ziehen sie die Notbremse. «Wir können es wirtschaftlich nicht mehr verantworten, weiterzumachen», sagt der Elektroinstallateur und Lichtdesigner.

Das Bewusstsein für Qualitätsprodukte ging verloren

Fachgeschäfte wie ihres stünden schon seit längerem unter Druck, nicht nur wegen des Onlinehandels. «Der Preisdruck ist enorm. Ab den 2000er-Jahren setzten deshalb viele Geschäfte auf billigere Anbieter aus Asien. Wir arbeiteten weiterhin mit europäischen Herstellern zusammen», erzählt Planzer. Durch das seien sie immer mehr ins teure Segment gedrängt worden. «Bis zum Millennium war es völlig normal, dass eine Stehleuchte 1200 Franken kostet. Heute ist ein solcher Preis für viele Leute befremdend.» Das Kaufverhalten und das Bedürfnis der Kunden haben sich gewandelt. «Früher war Langlebigkeit wichtig. Wenn man sich einen Tisch anschaffte, dann mindestens für 20 Jahre. Heute wechselt man seine Einrichtung oft. Die Produkte müssen trendig sein und sollen möglichst wenig kosten. Das Bewusstsein für Qualitätsprodukte ist verloren gegangen», sagt Planzer.

Er und seine Frau wollen nun noch so viele Leuchten und Lampen unter die Leute bringen wie möglich. Draussen am Schaufenster steht in dicken Lettern «Liquidation» geschrieben. Auch letzten Montag, als das Geschäft eigentlich zu war, tauchen einige Personen auf. Jemand holt einen Ausstellungstisch ab. Eine Familie erkundigt sich nach dem Preis diverser Lampen. «Was wir nicht verkaufen können, müssen wir entsorgen. Es tut schon genug weh, dass wir aufhören müssen. Es wäre zusätzlich traurig, wenn wir neuwertige Leuchten wegwerfen müssten, die noch 20 Jahre ihren Dienst tun würden und Leute erfreuen könnten», sagt Planzer. Er dürfe gar nicht zu fest an das Ende denken, sonst würden ihm die Tränen kommen.

Man habe viel Zeit und Herzblut in den Laden investiert. «Es war unser Kind. Wir haben Nächte lang hier drin verbracht, den Ausstellungsraum eingerichtet und die Wände gestrichen. Doch wir haben es nie als Arbeit empfunden, es hat uns Spass gemacht.»

Das Lampengeschäft war das erste im Zentrum Dreispitz

Das Luce7 war auch ein Treffpunkt. «Viele unserer Kunden kamen manchmal einfach bei uns vorbei und haben einen Kaffee an der Bar getrunken.» Viele seien zu Freunden geworden. «Sie bedauern natürlich alle, dass es uns bald nicht mehr gibt», sagt Planzer.

Vor eine grosse Herausforderung stellte die Planzers ein spektakulärer Unfall 2015. Ein Auto krachte mit über 120 km/h in das Schaufenster und zerstörte viele Leuchten im Schauraum. «Der Fahrer hatte einen epileptischen Anfall. Zum Glück überlebten alle drei Insassen. Wir hatten das Geschäft gerade renoviert und mussten wieder von vorne anfangen», erinnert sich Planzer. Doch das Ehepaar gab damals nicht auf und kämpfte sich zurück. Nicht so dieses Mal.

Was er, seine Frau und eine Mitarbeiterin nach der Schliessung machen werden, stehe noch in den Sternen. «Sicher ist, dass meine Frau und ich nicht mehr selbstständig arbeiten werden», sagt Planzer. Es werde eine grosse Umstellung. Der Dietiker war seit 21 Jahren für das Geschäft tätig. 2013 übernahmen sie es von den Vorgängern Ursula und Peter Gerussi.

Der Lampenladen existiert bereits seit 34 Jahren. Gegründet wurde er 1986 von der Familie Baumgartner. «Es war der erste Laden, der ins Zentrum Dreispitz einzog. In der Schweizer Lampenbranche gehört es bis heute zu einem der erfahrensten Geschäfte mit dem schönsten und breitesten Sortiment», sagt Planzer.

Er und seine Frau versuchen, sich nun mit dem Liquidationsverkauf vom nahenden Ende abzulenken. «Je nachdem wie gut der Ausverkauf läuft, werden wir im Sommer damit beginnen, die Werkstatt und das Lager aufzulösen sowie den Schauraum abzubauen», sagt Planzer. Ein paar Leuchten und Gegenstände werden er und seine Frau bei sich zu Hause aufstellen. «Eine Skulptur aus Muranoglas und ein paar Stoffschirmleuchten haben wir für uns reserviert. So haben wir daheim etwas, das uns immer ans Luce7 erinnern wird.»

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