Frau Hadorn, die Dreharbeiten sind zur Hälfte abgeschlossen. Wie ist es bisher gelaufen?

Fabienne Hadorn: Sehr gut. Wir hatten gerade zwei Monsterdrehtage mit vielen Statisten, da hat man mal die ganze Bandbreite des Films gesehen. Jetzt liegt der spassige Teil hinter uns. Meine komplexeren und psychologischeren Szenen kommen erst gegen Ende des Drehs. Das wird für mich herausfordernder.

Wie ist die Stimmung auf dem Set?

Es ist sehr lässig, «es huere Chäferfäscht». Ich finde es toll, dass wir eine Regisseurin und eine Kamerafrau auf dem Set haben. Und sie machen es extrem gut. Die Art der Zusammenarbeit ist ganz anders als mit Männern: Sehr subtil, klar und herzlich. Es ist total schön mit den beiden und sie verbreiten eine gute Stimmung.

Hat das den Ausschlag gegeben, dass Sie für den Film zugesagt haben?

Die beiden Frauen waren sicher eine gute Motivation. Aber grundsätzlich entscheide ich als Schauspielerin inhaltlich. Mir hat am Drehbuch sehr gut gefallen, dass eine gesellschaftspolitische Thematik in eine schöne, lustige Geschichte verpackt wird. Es ist gut, wenn nicht nur Halligalli herrscht, sondern die Figuren auch mal an ihre Grenzen kommen. Ich schreibe selber viele Theaterstücke und meine Geschichten sind auch meistens gleichzeitig politisch und lustig.

Also dient der Religionsknatsch nicht nur als Vorlage für Pointen, sondern geht auch in die Tiefe?

Absolut. Es werden existenzielle Themen behandelt, wie der Sohn einer katholischen Mutter, der zum Islam konvertieren will. Da geht es ums Eingemachte, das ist nicht nur lustig. Aber der Film hat auch das Potenzial, für Schweizer zum neuen Weihnachtsfilm zu werden. Er ist politisch und hat trotzdem Herz. Und die Weihnachtsromanze «Love Actually» haben wir doch jetzt alle gesehen.

Seit zweieinhalb Wochen fahren Sie morgens nach Oberengstringen zur Arbeit. Was haben Sie in der Zeit über die Gemeinde gelernt?

Ich habe vor allem von Urs Humbel, der hier gross geworden ist, einiges über das Dorf erfahren. Ich bin in Affoltern am Albis aufgewachsen und seine Jugend klingt ein bisschen ähnlich wie meine. Beim Drehen an so einem zentralen Ort kriegen wir auch automatisch einiges mit, wie es hier im Dorf läuft und wie die Stimmung ist. Ich glaube, das passt gut zum Film. Mit der Ortschaft im Film sind wir nicht weit weg von Oberengstringen.

Und wie gefällt es Ihnen hier?

Ich finde es lässig, dass es ein bisschen wie ein Aussenquartier von Zürich ist, aber doch anders. Die Kirche ist präsenter, die Bevölkerung sehr durchmischt. Es ist noch nicht so hip wie im Kreis 4, wo ich jetzt wohne. Das gefällt mir.

Haben Sie als Stadtzürcherin einen Bezug zum angrenzenden Limmattal?

Meine Eltern stammen aus dem aargauischen Muri. In meiner Kindheit sind wir immer wieder ins Shoppi Tivoli nach Spreitenbach getingelt. Und ich weiss, die Limmattaler mögen es nicht so gerne, wenn es zu viele werden, aber bald will ich die Region auch mal übers Wasser erkunden und mit meinen Kindern im Gummiboot die Limmat runterfahren.

Sie sind Schauspielerin, Sängerin, Texterin, Sprecherin, Regisseurin und Tänzerin. Welche Disziplin liegt Ihnen am besten?

Zurzeit lese ich jeden Abend ein Hörspiel live im Radio. Gestern musste ich abends im Stress vom Set aufbrechen und war überrascht, dass mir der Auftritt nach einem langen Drehtag noch so gut gelang. Dabei ist mir wieder bewusst geworden: Etwas schnell umsetzen und viel mit der Stimme spielen, das kann ich am besten. Nicht jeder kann ins Radiostudio kommen, einen neuen Text in die Hand gedrückt bekommen und diesen eine Stunde später live vortragen mit zehn bis zwölf verschiedenen Stimmen.

Woher haben Sie dieses Talent?

Das konnte ich bereits als Kind. Man kann das nicht einfach nur üben, es ist wie ein musikalisches Gehör. Ich habe von klein auf Leuten zugehört und sie nachgemacht. Natürlich habe ich mir bei «Giacobbo/Müller» die Martullo-Blocher hundert Mal angehört und genau auf die Zwischentöne geachtet. Aber eigentlich ist es wie ein Automatismus. Ich höre was oder stelle mir was vor und packe es dann in eine Stimme.

Sie sind eher bekannt für humorvolle Projekte, spielen aber auch sachliche und ernste Rollen wie etwa im «Tatort». Was gefällt Ihnen besser?

Ich mag es am liebsten, wenn es lustig ist und gleichzeitig wehtut; wenn es nie komplett auf eine Seite fällt, sondern hinund herpendelt. Wie bei den meisten Stücken meiner Theatergruppe Kolypan.