Gewässerschutz
Im Limmattal wird ab 2018 der Gewässerraum festgelegt

Acht der elf Limmattaler Gemeinden beginnen mit der Festlegung des Gewässerraums, um naturnahe Flüsse und Bäche zu schützen – für die Bevölkerung schaffen sie Erholungsraum am Wasser.

Lina Giusto
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Der Gewässerraum des Länggenbachs in Weiningen wird ab 2018 festgelegt.

Der Gewässerraum des Länggenbachs in Weiningen wird ab 2018 festgelegt.

David Egger

Ab kommenden Jahr müssen neben Zürich und Winterthur noch 38 weitere Gemeinden im Kanton Zürich den Gewässerraum entlang von Bächen, Flüssen sowie Seen und Weihern festlegen. Im Limmattal werden die Städte Dietikon und Schlieren, wie auch die Gemeinde Urdorf und alle Gemeinden rechts der Limmat nach dem Gewässerschutzgesetz des Bundes bestimmen, wie breit der Gewässerraum der lokalen Gewässer ist. Der Gewässerraum umfasst neben dem Gewässer einen Streifen Uferland, der dem Gewässer zur Verfügung steht. Je grösser das Gewässer ist, desto breiter muss auch der Gewässerraum sein.

Dazu gehören rechts der Limmat der Dorf-/Weidtobelbach in Oberengstringen, die Müligiessen beim Kloster Fahr, der Länggenbach in Weiningen und Geroldswil, der Geroldswiler Dorfbach sowie der Chräbsenbach in Oetwil. Links der Limmat sind der Mülibach in Schlieren, der Schäflibach in Urdorf und Dietikon sowie der Teischlibach und der Marmoriweiher in Dietikon von der neuen Festlegung betroffen. Die Limmat wie auch die Reppisch fallen in die Verantwortung des Kantons Zürich, wie Stephan Suter, Projektleiter des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) am Freitag vor den Medien bekannt gab. Die restlichen Limmattaler Gemeinden Uitikon, Birmensdorf und Aesch müssen die neuen Bestimmungen ab 2019 umsetzen.

Uferbereich langfristig schützen

Bei oberirdischen Flüssen und Bächen basiert die Berechnung des Gewässerraums auf der Sohlenbreite – also jenem Teil, der regelmässig mit Wasser bedeckt ist. Drei Viertel der Fliessgewässer im Kanton Zürich sind weniger als zwei Meter breit. Für sie beträgt der neue Gewässerraum mindestens elf Meter. Weil viele Gewässer irgendwann begradigt wurden, um Land zu gewinnen, soll mit der neuen Gewässerschutzverordnung Uferbereich geschützt und das Zubauen der Gewässer verhindert werden. Deshalb wird bei der Berechnung des Gewässerraums auch die ursprüngliche Breite von begradigten Flüssen und Bächen berücksichtigt.

Bei unterirdischen Bächen ist die Gemeinde frei, den vorgesehenen Gewässerraum von elf Metern zu reduzieren oder ganz darauf zu verzichten. Seen oder Weiher, die grösser als einen halben Hektar sind, erhalten ab Uferlinie einen Gewässerraum von 15 Metern. Grundsätzlich muss der Gewässerraum nicht symmetrisch festgelegt werden.

Hochwasserschutz hat Priorität

Der minimale Gewässerraum kann auch vergrössert werden. Nämlich dann, wenn der Hochwasserschutz beim Mindestgewässerraum nicht gewährleistet ist, oder wenn für den Naturschutz oder eine Revitalisierung mehr Platz benötigt wird. Auch wenn der Uferbereich von Menschen zur Erholung genutzt wird oder Wasserkraftwerke für die Stromproduktion gebaut werden sollen, kann der Gewässerraum über die Mindestbreite hinaus vergrössert werden.

In dicht bebauten Gebieten – dies ist gerade für die die Zentren der Limmattaler Gemeinden relevant – kann dafür der minimale Gewässerraum reduziert werden und so an bereits bestehende Gebäude angepasst werden. Dabei muss aber der Hochwasser- wie auch der Naturschutz jederzeit gewährleistet sein. Gibt es Entwicklungen im Bereich des Hochwasserschutzes, kann der Gewässerraum in Zukunft angepasst werden.

Grundstücke bleiben Eigentum

Mit der neuen Gewässerschutzverordnung kann es vorkommen, dass bestehende Gebäude künftig in einem Gewässerraum stehen. Die Liegenschaften gehören aber nach wie vor den Besitzern und sind in ihrem Bestand geschützt. Die Eigentümer erhalten eine erweiterte Besitzstandsgarantie. Damit sind Umbauten – innen wie aussen –, aber auch kleinere Umnutzungen von Häusern nach wie vor möglich. Neu- oder Ersatzbauten sind im Gewässerraum nicht erlaubt.

Gärten, die künftig im Gewässerraum liegen, dürfen weiter bestehen. Der Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmittel ist verboten, um das Gewässer vor Verunreinigungen zu schützen. «Wir gehen davon aus, dass bei kleinen Gewässern der Gewässerraum nicht grösser sein wird als die bisherigen Abstandsvorschriften», sagt Stephan Suter. Kommunale Bauzonenreserven im Gewässerraum dürfen von den Gemeinden nicht mehr überbaut werden. Lediglich für Bauten, die im öffentlichen Interesse stehen, kann das Verbot gelockert werden. Auch in dicht bebauten Gebieten, wie beispielsweise in Zürich entlang der Limmat, sind Ausnahmen möglich.

Insgesamt kostet die Festlegung des Gewässerraums rund 25 Millionen Franken – für den Kanton sind dies 15 und für die Gemeinden 10 Millionen Franken. Pro Gemeinde rechnet die Baudirektion mit durchschnittlichen Kosten von 60 000 Franken. Die Höhe aber variiert, je nach dem wie viele Gewässer durch eine Gemeinde fliessen.

Die Zürcher Gemeinden wie auch der Kanton legen festgelegte Gewässerräume öffentlich auf und informieren betroffene Liegenschaftsbesitzer. Die rechtskräftigen Gewässerräume werden vom Kanton Zürich bis Ende 2018 auf einer Gewässerkarte im Internet aufgeschaltet. Darüber wie lange die Gemeinden für die Festlegung benötigen, hält sich die Baudirektion bedeckt, da Rekurse die Verfahrensdauer beeinflussen können.