Mit der Zurückhaltung ist es beim Zürcher Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker vorbei, zu viel Ärger hat sich beim Thema «Gubrist» angestaut: «Für den Regierungsrat sind solch lange Verfahrensdauern nicht tragbar», liess er gestern wissen. Mit anderen Worten: Der Bund soll endlich Gas geben, beim Ausbau des Tunnels um eine dritte Röhre.

Blenden wir zurück: Im April 2011 weilte Ernst Stocker zu Besuch beim Industrie- und Handelsverein in Dietikon. Dort sagte er: «Wenn sich alle Verhandlungspartner etwas zurücknehmen würden, wäre eine Lösung für alle Seiten bestimmt in Reichweite.» Er spielte damit auf die zum Teil emotionalen Voten aus dem Limmattal an. Insbesondere die Gemeinde Weiningen und die lokale Wirtschaft forderten immer wieder lautstark, nicht nur – endlich – einen raschen Ausbau des Autobahn-Nadelöhrs, sondern auch eine Überdeckung der A1 vor dem westlichen Tunnelportal. Aber auch die stur ablehnende Haltung in Bundesbern gegenüber Limmattaler Interessen war gemeint.

Stocker fordert rasches Vorgehen

Jetzt wird jedoch auch Stockers Geduld strapaziert. Er fordert vom Bund unverblümt «ein rasches Vorgehen». 2009 sei das Plangenehmigungsverfahren für den Ausbau der Zürcher Nordumfahrung eingeleitet worden, das den Gubrist-Ausbau beinhaltet. Ganze drei Jahre später erst bewilligte das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) diese Eingabe. Verschiedene Parteien, darunter Weiningen, haben dies vor Bundesverwaltungsgericht angefochten und Ende Januar 2014 einen Teilerfolg erzielt.

Das Bundesamt für Strassen (Astra) muss nun eine 100 Meter lange Autobahnüberdeckung vor dem Tunnelportal projektieren. Der Gerichtsentscheid ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Doch selbst dann zeichnet sich ein längerer Verfahrensweg ab. In diesem Fall fordert der Regierungsrat vom Bund, das Thema Gubrist rasch zu behandeln.

Der tägliche Stau vor dem Gubrist bedeutet nicht nur ein Geduldspiel für Auto- und Lastwagenfahrer. 275 Staustunden jährlich sind es aktuell, das ist ein Tag pro Monat. Der tägliche Stau verursacht durch Zeitverlust und Unfälle auch einen grossen volkswirtschaftlichen Schaden. Das Astra beziffert diesen auf 1,3 Milliarden Franken. Das Bundesamt für Raumentwicklung kommt auf 1,5 Milliarden, allerdings stammen diese Zahlen von 2005 und dürften heute höher liegen.

Auch andere, auf den Kanton Zürich bezogene Zahlen sind beeindruckend: Alleine die Staustunden beim Gubrist kosteten die Volkswirtschaft 2009 gemäss einer Berechnung der Zürcher Kantonalbank bis zu 70 Millionen Franken, für den ganzen Kanton Zürich könnten es in zehn Jahren 180 bis 300 Millionen Franken sein.

Die Ohnmacht der Firmen

Kein Wunder ist das Thema Stau auch beim Dietiker Industrie- und Handelsverein nicht vom Tisch. Ihr Präsident, Dietrich Pestalozzi, sagt: Man wisse um die Anstrengungen, das Gubristprojekt voranzutreiben, dem IHV selbst bleibe nur übrig, abzuwarten. «Wir fühlen uns ohnmächtig», so Pestalozzi, «wenn wir sehen, wie langsam alles geht. Der Ärger wird grösser, je länger alles dauert.»

Die Staustunden schädigen auch Pestalozzis Unternehmen, eine Stahlhandelsfirma. Der Gubrist sei ein Problem. Aber nicht nur für ihn, sondern für alle Firmen im Dietiker Industriegebiet Silbern. Ein Problem sei der Stau auch für jene Mitarbeitenden, die mit dem Auto zur Arbeit kommen. Sie wüssten nie, ob sie nur 30 Minuten oder – mit Stau – 90 Minuten auf dem Weg zum Arbeitsplatz benötigen.

Pestalozzi fordert einen ganzheitlichen und zeitlich koordinierten Ausbau des Autobahnnetzes. Nur den Gubrist auszubauen, verlagere einfach das Nadelöhr an einen nächsten Ort. Seine Forderung begründet er mit der Bedeutung von Autobahnen als wichtige Lebensadern für die Volkswirtschaft. Denn für die Feinverteilung von Gütern gebe es keine wirtschaftliche Alternative. Die Bahn habe ihre Stärken beim Personenverkehr und da sei mit den S-Bahnen und der geplanten Limmattalbahn bereits vorgesorgt.

Wann kommt die 3. Röhre?

Die grosse Frage, die heute niemand beantworten kann, lautet: Wann wird die 3. Tunnelröhre am Gubrist eingeweiht? Was alle wissen: Die Bauzeit dauert neun Jahre. Was niemand weiss: wann der Spatenstich erfolgt. Bis dahin wird sich ernst Stocker noch öfters ärgern – und mit ihm die Limmattaler.